Gruppe H von

WM 2014: Team-Check Algerien

Nach 24 Jahren Absenz qualifizierte sich Algerien erstmals 2010 wieder für eine WM

Algerien-Teamfoto © Bild: imago/Action Plus

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Algerien.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

ALGERIEN

Steckbrief

Verband: Federation Algerienne de Football
WM-Teilnahmen: 3 - zuletzt 2010
Erfolge: 3x Vorrunde
Teamchef: Vahid Halilhodzic

Die Qualifikation

Nach 24 Jahren Absenz qualifizierte sich Algerien 2010 wieder für eine WM. Vier Jahre später sind die Nordafrikaner erneut mit von der Partie. Ausschlaggebend dafür war eine souveräne zweite Qualifikationsrunde, in der sich die Mannen von Vahid Halilhodzic gegen Mali, Ruanda und Benin durchsetzten und lediglich im Auswärtsspiel in Mali Punkte abgegeben haben. Der Verband hielt am bosnischen Coach auch nach dem enttäuschenden Auftritt beim Afrika Cup 2013 fest und sollte für dieses Vertrauen belohnt werden, wenn auch mit einigem Zittern und Bangen. Im entscheidenden Playoff gegen Burkina Faso, Gruppensieger und Afrika-Cup-Finalist, ging das Hinspiel mit 2:3 verloren, nachdem Aristide Bance einen umstrittenen Elfmeter in der 86. Minute verwandelt hatte. Im Rückspiel retteten ein 1:0 durch einen vermeintlich nicht spielberechtigten Akteur, Zeitspiel der Sonderklasse und ein freundlich gesinnter Schiedsrichter den Algeriern jedoch den Sieg und so das Ticket für Brasilien. Aller Protest der Gegenseite blieb vergebens.

Der Superstar

Sofiane Feghouli im Algerien-Dress
© FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Es hätte nicht viel gefehlt und Sofiane Feghouli würde diesen Sommer an der Seite von Karim Benzema spielen. Anders als der Real-Madrid-Stürmer entschied sich der 24-Jährige allerdings nach der U19 für einen Nationenwechsel. Während Benzema für Frankreich an den Start geht, trägt Feghouli nun eben das Trikot der Heimat seiner Vorfahren. Und das durchaus mit Erfolg. Erst seit Ende November 2011 Teil der Auswahl von Vahid Halilhodzic brachte es der Valencia-Legionär auf 19 Einsätze und fünf Treffer. Bei den “Wüstenfüchsen” zählt der universell einsetzbare Flügelspieler zu den Leistungsträgern und ist einer jener Akteure, die den berühmten Unterschied ausmachen können. Dass er in seiner Jugend schon als “neuer Zinedine Zidane” gefeiert wurde, macht den Druck während der Endrunde in Brasilien nicht geringer. Gelingt es Feghouli, dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden, sind auch die letzten Stimmen jener, die ihm die Doppelgleisigkeit seiner Teamkarriere übel nahmen, verstummt.

Der Kader

PositionNameVerein
TorCedric Si MohammedCS Constantine
-Mohamed ZemmamoucheUSM Algier
-Rais M'BolhiZSKA Sofia
AbwehrMadjid BougherraLekhwiya SC
-Faouzi GhoulamSSC Napoli
-Essaid BelkalemWatford
-Rafik HallicheAcademica Coimbra
-Djamel MesbahLivorno
-Carl MedjaniValenciennes
-Liassine CadamuroReal Mallorca
-Aissa MandiStade Reims
-Mehdi MostefaAC Ajaccio
MittelfeldHassan YebdaUdinese Calcio
-Mehdi LacenGetafe
-Yacine BrahimiGranada
-Nabil BentalebTottenham Hotspur
-Saphir TaiderInter Mailand
AngriffNabil GhilasFC Porto
-Sofiane FeghouliValencia
-Islam SlimaniSporting Lissabon
-El Arabi SoudaniDinamo Zagreb
-Abdelmoumene DjabouClub Africain Tunis
-Riyad MahrezLeicester City

Vergessene Legenden

Lakhdar Belloumi
© imago/Pressefoto Baumann

Über Algeriens Nationalteam zu schreiben, heißt auch, sich mit einer der dunkelsten Stunden des österreichischen Fußballs zu beschäftigen. 1982 trafen bei der WM im letzten Gruppenspiel in Gijon Österreich und Deutschland aufeinander und trennten sich nach 90 Minuten und einem schier ewig dauernden "Nichtangriffspakt" mit 0:1. Ein Ergebnis, das beiden Teams den Aufstieg aus der Vorrunde sicherte und Algerien als großen Verlierer dastehen ließ. Besonders geärgert dürfte sich Lakhdar Belloumi haben, der mit seinem 2:1-Siegtreffer im Spiel zuvor den damaligen Europameister Deutschland so gut wie aus dem Bewerb gekickt hatte. Der offensive Mittelfeldspieler war der damals beste Fußballer Algeriens und blieb dies bis zum Ende der 80er Jahre. Dass er den Sprung in eine Top-Liga nie schaffte, hat viel mit Pech und Schicksal zu tun. Noch vor der WM in Spanien hatte der FC Barcelona seine Fühler nach dem damals 23-Jährigen ausgestreckt, das algerische Gesetz verbot Unter-27-Jährigen allerdings die Ausreise. Einige Jahre später hatte Juventus Belloumi ins Auge gefasst, so lange bis ein Beinbruch auch diesen Transfer noch zerschlug. Somit blieben die Künste des Ausnahme-Technikers, der insgesamt 147 Länderspiele (offiziell 101) für Algerien absolvierte, einer breiten Öffentlichkeit in Europa verwehrt. Dank seiner Leistung gegen Deutschland hat er seinen Ehrenplatz in der Geschichte dennoch sicher.

Die Chancen

Überblickt man den algerischen Kader, stechen neben Sofiane Feghouli noch weitere bekannte Spieler ins Auge. Eine No-Name-Truppe ist das also keineswegs. Doch wie auch schon bei den Weltmeisterschaften davor bleibt Afrikas größtem Staat nur die Außenseiterrolle. In dieser Position kann die Halilhodzic-Truppe aber durchaus überraschen, in erster Linie die Konkurrenten Südkorea und Russland.

NEWS.AT-Tipp

Algerien ist zwar kein einfacher Punktelieferant, mehr Zähler als vor vier Jahren, als man nur ein Remis gegen England zu Buche stehen hatte, werden es aber auch in Brasilien kaum werden.

Kommentare

Joscha Berger
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Bei Algerien war im Rückspiel überhaupt keinen "eigentlich" nicht spielberechtigten Spieler. Das ist schlicht gelogen.
Sowohl der Spieler (Bougherra), wie auch der afrikanische Verband CAF haben mehrfach bestätigt, dass der Spieler keine gelbe Karte und damit verbundene Sperre erhalten hat. Das sollten Sie doch besser recherchieren können und nicht einfach Lügen verbreiten.

Joscha Berger
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*gab es . Zudem ist Algerien seit der offiziellen Spaltung des Sudans im Jahre 2011 das größte afrikanische Land. Nicht mehr das Zweitgrößte. Dieser Fehler ist aber leider omnipräsent.

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