Gruppe G von

WM 2014: Team-Check USA

Jürgen Klinsmann startet in seine zweite WM - Gibt es erneut ein Sommermärchen?

USA-Teamfoto © Bild: imago/ZUMA Press

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: USA.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

USA

Steckbrief

Verband: United States Soccer Federation
WM-Teilnahmen: 9 - zuletzt 2010
Erfolge: Dritter 1930, Viertelfinale 2002
Teamchef: Jürgen Klinsmann

Die Qualifikation

Antigua und Barbuda, Guatemala und Jamaika hießen die Gegner der USA in der 3. Qualifikationsrunde, in die man als gesetztes Team einsteigen durfte. Und Probleme machten sowohl die Mittelamerikaner, die ihnen im Heimspiel einen Punkt abtrotzten, als auch die “Reggae-Kicker”, gegen die man in Kingston mit 1:2 den Kürzeren zog. Der Gruppensieg mit 13 Punkten wurde dank drei voller Erfolge in den letzten drei Spielen aber noch halbwegs souverän eingefahren. Dieser gelang dann auch in der vierten Runde, was aber weniger an der eigenen Leistung als am Unvermögen der Gegner (siehe Mexiko) lag. Gegen die ebenfalls Qualifizierten, Costa Rica (1:3) und Honduras (1:2), setzte es Auswärtspleiten. Warnung genug also für die 10 WM-Endrunde!

Der Superstar

Jürgen Klinsmann lächelt
© GEPA pictures/ Mario Kneisl

Clint Dempsey und Michael Bradley haben ihre Zelte in Europa abgebrochen und sind wieder in der weniger beachteten MLS aktiv, Landon Donovan wurde gar nicht nominiert und Aaron Johansson oder Jozy Altidore warten noch auf den großen Durchbruch. Der Star im US-Team ist somit der Trainer Jürgen Klinsmann Was wurde der Schwabe in den Himmel gelobt, als er Deutschland 2006 ein Sommermärchen ermöglichte. Und wie schnell wurde er wieder fallen gelassen, als seine teils progressiven Vorstellungen von Fußball beim FC Bayern nicht ganz so gut aufgenommen wurden. Das Engagement beim US-Team, wo der 80-fache DFB-Internationale (38 Tore) seit 2011 am Werk ist, wirkte anfangs wie eine Flucht vor dem deutschen Boulevard-Blätterwald, scheint aber eine goldrichtige Entscheidung gewesen zu sein. In Übersee schätzt man die teils unorthodoxe Herangehensweise des einstigen Inter-, Monaco- und Tottenham-Legionärs und man gewährt ihm die nötige Ruhe. Diese schaffte sich der Welt- und Europameister am Ende seiner aktiven Karriere selbst, als er 2003 im Alter von knapp 39 Jahren noch einmal für Orange County Blue Star die Schuhe schnürte. Beim Club einer US-Development-Liga lief Klinsmann nämlich in Anlehnung an seine Heimatstadt unter dem Pseudonym Jay Göppingen auf.

Der Kader

PositionNameVerein
TorBrad GuzanAston Villa
-Tim HowardEverton
-Nick RimandoReal Salt Lake
AbwehrDaMarcus BeasleyPuebla
-Matt BeslerSporting Kansas City
-John BrooksHertha BSC
-Geoff CameronStoke City
-Timothy ChandlerNürnberg
-Omar GonzalezLA Galaxy
-Fabian JohnsonMönchengladbach
-DeAndre YedlinSeattle Sounders
MittelfeldKyle BeckermanReal Salt Lake
-Alejandro BedoyaNantes
-Michael BradleyToronto
-Brad DavisHouston Dynamo
-Mikkel DiskerudRosenborg
-Julian GreenFC Bayern
-Jermaine JonesBesiktas
-Graham ZusiSporting Kansas City
AngriffJozy AltidoreSunderland
-Clint DempseySeattle Sounders
-Aron JohannssonAZ Alkmaar
-Chris WondolowskiSan Jose Earthquakes

Rapid-Stürmer Terrence Boyd durfte bis zum Schluss hoffen, fiel dann aber dem letzten Cut zum Opfer.

Vergessene Legenden

Alexi Lalas im US-Dress
© GEPA pictures/ Hans F. Punz

Ach, was waren das noch Zeiten, als Fußballer auch schon mal wie Rockstars aussahen und sich nicht alle mit dem gleichen Haarschnitt und nahezu denselben Tätowierungen für die coolsten Geschöpfe unter der Sonne hielten. Alexi Lalas erweckte schon durch sein Äußeres Erinnerungen an die Weiten eines US-Highways, den viel zitierten “American Dream” und die Sehnsucht nach Freiheit. Ebenso wild wie die langen roten Haare und der Bart war auch die Spielweise des Verteidigers aus Michigan, der 1991 bis 1998 respektable 96 Länderspiele im Zeichen der “Stars and Stripes” absolvierte. Bei der Heim-WM 1994 spielte sich Lalas nicht nur in die Herzen der Fans, sondern auch auf die Notizblöcke der internationalen Scouts. Kaum war die Endrunde abgepfiffen, unterschrieb der US-Verteidiger beim Serie-A-Club Padua. Zwar kämpfte der Neo-Legionär in der Saison 1994/95 mit den Norditalienern gegen den Abstieg, mit Toren gegen beide Mailänder Vereine schrieb er sich dennoch in die Geschichte ein. Je älter der 1,91-Hüne wurde, desto kürzer wurden die Haare, desto glatter wurde das Gesicht, desto ruhiger verlief seine Karriere. Nach Jahren in der MLS wechselte Lalas ins Management und bald darauf auf den Analysten-Stuhl der TV-Sender ESPN und ABC.

Die Chancen

Schon das Auftaktspiel der US-Amerikaner wird zum Schicksalsspiel. "Wenn wir gegen Ghana verlieren, müssen wir gegen Portugal und Deutschland gewinnen", weiß Co-Trainer Andreas Herzog im Interview mit NEWS um die Relevanz. Selbst wenn die Partie gegen die Afrikaner nicht mit dem gewünschten Ergebnis endet, gibt es aber keinen Grund zur Besorgnis. Denn, so Herzog weiter, "wir haben auf jeden Fall das Selbstvertrauen und die Überzeugung, dass wir jedem Gegner Paroli bieten können." Ob die amerikanische Siegermentalität allein in der schwierigen Gruppe zum Aufstieg reicht, darf aber bezweifelt werden. Immerhin könnten Jürgen Klinsmann und seine Assistenten dem DFB-Team im letzten Gruppenspiel so richtig die Tour vermasseln und sich damit viele Freunde machen. Außerhalb von Deutschland wohlgemerkt.

NEWS.AT-Tipp

Sorry, guys! Aber mit dem Aufstieg wird das nichts.

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