Gruppe G von

WM 2014: Team-Check: Ghana

Die "Black Stars" sind stärker als 2010 - aber reicht das in der "Todesgruppe"?

Ghana-Teamfoto © Bild: DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Ghana.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

GHANA

Steckbrief

Verband: Ghana Football Association
WM-Teilnahmen: 2 - zuletzt 2010
Erfolge: Viertelfinale 2010
Teamchef: James Appiah

Die Qualifikation

Keineswegs einfach gestaltete sich die Qualifikation für das erfolgreichste afrikanische Team der WM 2010. Zwar legte Ghana mit dem 7:0 gegen Lesotho beeindruckend los, schon das nächste Spiel gegen Sambia sollte jedoch mit einer 0:1-Pleite einen herben Dämpfer bringen. Der Gastgeber des Afrika Cups 2013 entpuppte sich als harter Gegner für den einzigen Aufstiegsplatz in der Vierergruppe. Nachdem Sambia durch einen FIFA-Entscheid drei Punkte mehr zugesprochen bekam (Auftakt-Gegner Sudan hatte beim 2:0-Sieg einen nicht berechtigten Spieler eingesetzt), lagen die beiden Aspiranten vor dem letzten Spiel auf Augenhöhe. Ghana bewahrte jedoch die Nerven und setzte sich im direkten Duell mit 2:1 durch. Von dieser Leistung unter Druck beflügelt, stellte auch das entscheidende Playoff gegen Ägypten kein Problem dar. Schon nach dem Hinspiel waren die Fronten durch einen 6:1-Kantersieg zugunsten der “Black Stars” geklärt.

Der Superstar

Michael Essien mit Kapitänsschleife Ghanas
© imago/Team 2

2006 beim WM-Debüt Ghanas noch einer der Stützpfeiler des Teams, meinte es das Schicksal lange Zeit nicht gut mit Michael Essien . Der Mittelfeldspieler verletzte sich gleich zwei Mal innerhalb kurzer Zeit während eines Team-Einsatzes, was zweierlei Konsequenzen nach sich zog. Einerseits verpasste der langjährige Chelsea-Akteur, der seine ersten Schritte in Europa bei Bastia und Lyon in der Ligue 1 machte, die WM 2010, andererseits erklärte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, um sich fortan nur auf die “Blues” zu konzentrieren. Wiedergenesen ließ sich Essien allerdings alsbald umstimmen und stand seinem Coach für künftige Aufgaben wieder zur Verfügung. Vielleicht weil seine Zeit an der Stanford Bridge, wo er acht Saisonen seinen offensiveren Teamkollegen den Rücken frei hielt, abgelaufen war. 2012 folgte er seinem Mentor Jose Mourinho leihweise zu Real Madrid, im Jänner 2014 kehrte er London dann endgültig den Rücken. Nun ist Essien bei Milan engagiert, wo man mit 31 Jahren traditionell noch zu den Jungspunden zählt und wo man den Sommer schon einmal mit einer kleinen Weltmeisterschaft verbringen darf.

Der Kader

PositionNameVerein
TorFatau DaudaOrlando Pirates
-Adam KwaraseyStromsgodset
-Stephen AdamasAduana Stars
AbwehrSamuel InkoomPlatanias
-Daniel OpareStandard Lüttich
-Harrison AffulEsperance Tunis
-John BoyeRennes
-Jonathan MensahEvian
-Rashid SumaliaMamelodi Sundowns
MittelfeldMichael EssienAC Milan
-Sulley MuntariAC Milan
-Rabiu MohammedKuban Krasnodar
-Kwadwo AsamoahJuventus Turin
-Emmanuel Agyemang-BaduUdinese
-Afriyie AcquahParma
-Christian AtsuVitesse Arnheim
-Albert AdomahMiddlesbrough
-Andre AyewOlympique Marseille
-Mubarak WakasoRubin Kasan
AngriffAsamoah GyanAl-Ain
-Kevin-Prince BoatengSchalke 04
-Adbul Majeed WarisValenciennes
-Jordan AyewSochaux

Nicht in den Kader geschafft hat es letztlich Salzburg-Verteidiger Isaac Vorsah, der aber bei den "Bullen" eine schwere Saison hinter sich hat.

Vergessene Legenden

Abedi Pele vor Raphael Wicky
© imago/Pius Koller

33 Tore in 67 Länderspielen während seiner 16-jährigen Teamkarriere von 1982 bis 1998 steuerte Abedi Pele für Ghana bei. Auch wenn dem offensiven Mittelfeldspieler eine WM-Teilnahme verwehrt blieb, ist das an sich schon eine Erwähnung wert. Der Einsatz für sein Land endete allerdings nicht mit der Arbeit auf dem Platz und dem Toreschießen, der heute 49-Jährige sorgte zugleich für die Zukunft vor. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau zeugte neben anderen Kindern Andre und Jordan Ayew, beides aktuelle Teamspieler und zwei der Hoffnungen bei dieser WM. Der dritte im Bunde, Abdul Rahim hat es leider nicht in den Kader geschafft. Warum die Söhne einen anderen Nachnamen als der Vater haben, ist schnell erklärt. Abedi heißt eigentlich auch Ayew, Pele ist lediglich der Künstlername, der ihm verliehen wurde, weil seine Spielweise frappant an jene der brasilianischen Legende erinnerte. Und als ob das nicht schon genug wäre, nannte man den Spielmacher einst auch den “afrikanischen Maradona”, womit auch die zweite südamerikanische Fußballlegende als Pate herhält. Dieser Vergleich kam übrigens zustande, als Abedis Treffer im Halbfinale des Afrika Cups 1992 jenem berühmten des Argentiniers während der WM 1986 verblüffend ähnlich kam. Aber urteilen Sie selbst!

Die Chancen

Ghana ist gereift und besitzt die Anlagen, um auch heuer wieder das beste afrikanische Team zu werden. Allerdings meinte es das Schicksal nicht allzu gut mit der Truppe von Teamchef James Appiah und loste ihr Deutschland, Portugal und die USA zu. In dieser “Todesgruppe” muss man schon einen der zwei “Großen” schlagen, um ins Achtelfinale einzuziehen. Und das ist bei weitem leichter gesagt als getan.

NEWS.AT-Tipp

Ghana präsentiert sich als äußerst unangenehmer Gegner für die beiden europäischen Top-Teams, kann den beiden einen Aufstiegsplatz jedoch nicht streitig machen.

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