Gruppe F von

WM 2014: Team-Check Nigeria

Der amtierende Afrikameister will an Erfolge der 90er Jahre anschließen - mindestens

Nigeria-Teamfoto © Bild: GLYN KIRK/AFP/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Nigeria.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

NIGERIA

Steckbrief

Verband: Nigeria Football Federation
WM-Teilnahmen: 4
Erfolge: Achtelfinale 1994 und 1998
Teamchef: Stephen Keshi

Die Qualifikation

Ohne Niederlage überstand Nigeria die erste Gruppenphase der CAF-Qualifikation, wobei man sich mit Unentschieden gegen alle drei Kontrahenten, Malawi, Kenia und Namibia, sowie nur sieben erzielten Toren in sechs Spielen nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Für Platz eins und damit die Qualifikation für die Entscheidungsspiele reichte es aber allemal. Dort zog das Team von Stephen Keshi mit Äthiopien das leichteste aller möglichen Lose und setzte sich mit zwei Siegen (2:1, 2:0) sicher durch. Während der Gruppenphase fanden die "Super Eagles" übrigens auch Zeit, beim Africa Cup, dem Pendant zur Europameisterschaft, mitzuspielen und diesen zum dritten Mal zu gewinnen. Insofern darf das vergangenen Jahr als "durchaus gelungen" eingestuft werden.

Der Superstar

John Obi Mikel im Nigeria-Dress
© Claudio Villa/Getty Images

Über 200 Spiele für den FC Chelsea hat John Obi Mikel schon bestritten, seit acht Jahren gehört der defensive Mittelfeldspieler zum Inventar der "Blues". Und doch hätte alles ganz anders kommen können. Ehe der groß gewachsene Ausnahmespieler an der Stamford Bridge landete, hatte er nämlich schon einen Vertrag bei Manchester United unterschrieben. Besser gesagt: Er war dazu gedrängt worden. Der gerade erst Volljährige musste das Schriftstück ohne Beisein seiner Berater unterzeichnen, während diese sich mit Chelsea geeinigt hatten. Es folgte ein langer Transferstreit, Intervention von der FIFA und letztlich Zahlungen in Millionenhöhe sowohl an ManUnited als auch an Lyn Oslo, Mikels damaligen Arbeitgeber. Der Aufwand schien gerechtfertigt, wurde der nigerianische U20-Teamspieler bei der WM 2005 doch mit dem Silbernen Ball als zweitbester Spieler ausgezeichnet, geschlagen nur von einem gewissen Lionel Messi. Neun Jahre später hat sich Mikel im Konzert der Großen etabliert und ist der absolute Leader der "Super Eagles". Übersicht, Zweikampfstärke und Passgenauigkeit sind die Stärken des 27-Jährigen, das Toreschießen nicht unbedingt. Erst nach 185 Premier-League-Einsätzen gelang ihm sein erster Treffer. Umso schöner war dann aber die Freude danach.

Der Kader

PositionNameVerein
TorChigozie AgbimGombe United
-Austin EjideHapoel Beer Sheva
-Vincent EnyeamaLille
AbwehrEfe AmbroseCeltic Glasgow
-Azubuike EgwuekweWarri Wolves
-Ejike UzoenyiEnugu Rangers
-Kunle OdunlamiSunshine Stars
-Godfrey OboabonaCaykur Rizespor
-Kenneth OmeruoMiddlesbrough
-Juwon OshaniwaAshdod
-Joseph YoboNorwich City
MittelfeldRamon AzeezAlmeira
-Reuben GabrielWaasland-Beveren
-John Obi MikelChelsea
-Victor MosesLiverpool
-Ogenyi OnaziLazio
-Michael UcheboCercle Brügge
AngriffShola AmeobiNewcastle United
-Michael BabatundeWolyn Luzk
-Emmanuel EmenikeFenerbahce Istanbul
-Ahmed MusaZSKA Moskau
-Uche NwoforSC Heerenveen
-Peter OdemwingieStoke City

Eine kleinere Überraschung bei der Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders gab es: So wurde unter anderen Sunday Mba aus Bastia aus dem Aufgebot gestrichen. Der Frankreich-Legionär hatte das Siegestor im Finale des Africa Cups 2013 gegen Burkina Faso geschossen.

Vergessene Legenden

Jay Jay Okocha jubelt für die Bolton Wanderers
© Michael Steele/Getty Images

"He is so good, that they named him twice" (Er ist so gut, dass sie ihn zwei Mal benannten) sangen die Fans der Bolton Wanderers über Jahre, in denen ihnen Jay-Jay Okocha eine Fußballwelt zeigte, die sie im Norden Englands so noch nicht kannten. Zahllose Übersteiger, Freistöße ins Kreuzeck, unglaubliche Dribblings und Finten, die man sich nach zwei Mal anschauen noch nicht erklären kann, standen plötzlich an der Tagesordnung. So wie er die Premier League verzauberte, so eroberte er auch bei allen anderen Stationen das Herz der Anhänger. Sei es davor in Frankreich (PSG), der Türkei (Fenerbahce) und Deutschland (Eintracht Frankfurt, Borussia Neunkirchen) oder danach beim Qatar SC. Mittlerweile auch türkischer Staatsbürger mit Namen Muhammed Yavuz war Okocha der Hauptgrund für das gute Abschneiden Nigerias bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998. Noch erfolgreicher lief es international abseits der WM, als dem Afrika-Cup-Sieg 1994 zwei Jahre später eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen folgte. Der 40-Jährige war zweifelsohne einer der besten afrikanischen Fußballer aller Zeiten. Noch heute wird ehemaligen Gegenspielern rund um den Globus schwindlig, wenn sie nur den Namen Okocha hören. Oliver Kahn beispielsweise kann ein Lied davon singen.

Die Chancen

Zwar fehlt den Nigerianern aktuell ein Zauberer wie Okocha, das Team von Trainer Stephen Keshi kann sich aber dennoch sehen lassen. In der Offensive strahlen Spieler wie Emanuel Emenike, Ahmed Musa oder Victor Moses große Gefahr aus, die Abwehrreihe ist dagegen traditionell eine Schwachstelle. Wie vor 20 Jahren reisen die "Super Eagles" als Afrikameister an, wie vor 20 Jahren sind die Erwartungen dementsprechend hoch. Doch schon der Confed Cup 2013, als lediglich gegen Fußballzwerg Tahiti ein Sieg gelang, bewies, dass die mangelnde Erfahrung auf großer Bühne für die talentierte Truppe zum Stolperstein werden kann.

NEWS.AT-Tipp

Nigeria kämpft um den zweiten Platz hinter Argentinien, muss der kompakteren bosnischen Mannschaft allerdings den Vortritt lassen und scheidet nach der Vorrunde aus.

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