Gruppe F von

WM 2014: Team-Check Iran

"Persische Stars" sind der Außenseiter in Gruppe F und "Botschafter des Friedens"

Iran-Teamfoto © Bild: SAMUEL KUBANI/AFP/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Iran.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

IRAN

Steckbrief

Verband: Football Federation Islamic Republic of Iran
WM-Teilnahmen: 3 - zuletzt 2006
Erfolge: 3x Vorrunde
Teamchef: Carlos Queiroz

Die Qualifikation

Nach der verpassten WM-Endrunde 2010 holte sich der iranische Fußballverband mit Carlos Queiroz einen Fachmann auf die Trainerbank, der bereits zwei Teams zu Weltmeisterschaften geführt hat. Und der Portugiese sollte die Verantwortlichen nicht enttäuschen. Nach einem souveränen Start in Quali-Runde zwei gegen die Malediven (4:0,1:0) wurde auch die dritte Runde mit Gegnern wie Katar, Bahrain und Indonesien ungeschlagen überstanden. In der entscheidenden Gruppenphase, wo die Kontrahenten Südkorea, Usbekistan, Libanon und abermals Katar hießen, setzte es zwar gegen die Usbeken und im Libanon Niederlagen, doch mit dem ersten Platz noch vor Südkorea hatte Queiroz seine Aufgabe bravourös gemeistert. Dumm nur, dass die Ära des 61-Jährigen nach der WM wohl endet. Seine Gehaltsvorstellungen seien für den Verband nicht mehr realisierbar.

Der Superstar

Ashkan Dejagah für Iran
© Thananuwat Srirasant/Getty Images

U17 für Deutschland, U18 für Deutschland, U19 für Deutschland, U20 für Deutschland, U21 für Deutschland, A-Team für...den Iran. So liest sich die internationale Vita von Ashkan Dejagah , der zwar in Teheran geboren, aber in Deutschland aufgewachsen ist und dort auch fußballerisch ausgebildet wurde. Dass die Einberufung des ehemaligen Herthaners und Wolfsburgers in die nationale Auswahl auch Probleme mit sich bringen kann, musste das DFB-Team 2007 erkennen, als sich Dejagah weigerte, gegen Israel anzutreten. Wo der Zentralrat der Juden "privaten Judenboykott" ortete, versicherte Dejagah keinen politischen oder rassistischen Hintergrund. Für das Rückspiel stand er dennoch erneut nicht im Aufgebot - wegen einer "schweren Zerrung". Nachdem der iranische Verband mehrmals versucht hatte, das Juwel für sich zu gewinnen, entschied sich der offensive Mittelfeldspieler schließlich 2012, für Carlos Queirozs Team aufzulaufen. Dort zeigte der mittlerweile 27-Jährige auch abseits aller Kontroversen, warum er ein starker und unerlässlicher Spieler ist. Bei Fulham konnte er trotz seiner fünf Saisontore in 22 Spielen den Abstieg nicht verhindern.

Der Kader

PositionNameVerein
TorDaniel DavariEintracht Braunschweig
-Alireza HaghighiSporting Covilha
-Rahman AhmadiSepahan
AbwehrHossein MahiniPersepolis
-Mehrdad BeitashourVancouver Whitecaps
-Pejman MontazeriUmm Salal
-Jalal HosseiniPersepolis
-Amir-Hossein SadeghiEsteghlal
-Ahmad AlenemehNaft
-Hashem BeikzadehEsteghlal
-Mehrdad PouladiPersepolis
MittelfeldJavad NekounamKuwait SC
-Andranik TeymourianEsteghlal
-Reza HaghighiPersepolis
-Ghasem HaddadifarZob Ahan
-Bakhtiar RahmaniFoolad
-Ehsan HajsafiSepahan
-Ashkan DejagahFulham
AngriffMasoud ShojaeiLas Palmas
-Alireza JahanbakhshNEC Nijmegen
-Reza GhoochannejhadCharlton
-Karim AnsarifardTractor Sazi
-Khosro HeydariEsteghlal


Vergessene Legenden

Mehrdad Minavand im Sturm-Dress
© Michael Riedler/GEPA

1998 nahm Österreich das letzte Mal an einer WM teil. Auch für viele Vereinsgranden ein Grund, der Endrunde beizuwohnen. Während sich also die ÖFB-Kicker ins Rampenlicht spielten, suchten die Präsidenten ihrerseits Ersatz. Hannes Kartnig, damals Club-Boss von Sturm Graz und lange noch nicht verurteilt, tat dies am besten und verpflichtete neben Kameruns Didier Angibeaud gleich einen weiteren Spieler vom Fleck weg. Mehrdad Minavand kam als zweifacher iranischer Meister von Persepolis und hätte Sturm, so Kartnig, viel Freude bereiten sollen. Auf dem Platz tat dies der Flügelspieler zumindest phasenweise, abseits davon aber auf keinen Fall. Zumindest nicht dem Präsidenten, schließlich wurde ihm ein Verhältnis zur ehemaligen Lebensgefährtin Kartnigs nachgesagt. Der große Zampano der Murstadt fühlte sich gekränkt, der 63-fache iranische Teamspieler musste gehen. Die Aussage "Wenn ich irgendwann wieder einen Perser kaufe, dann höchstens einen Teppich", brachte Kartnig sogar vor den steirischen Landtag. Minavands Karriere ging nach seinem Gastspiel bei den "Blackys" weiter, wenn auch nicht lange. Nach Stationen bei Charleroi, Persepolis und Sepahan entschied sich der heute 38-Jährige 2006 zum Wechsel in eine völlig neue Branche und macht seitdem Musik. Logisch also, dass Minavand den iranischen WM-Song beisteuert.

Die Chancen

Bei zahlreichen in der heimischen Liga tätigen Akteuren ist das "Team Melli" folgerichtig eine Unbekannte. Über Länderspielerfahrung verfügen Kapitän Javad Nekounam, Jalal Hoseeini und Co. zu Genüge, auf höchstem Niveau wurden sie jedoch nur selten gefordert. Auch die bisherigen Ergebnisse in den Testspielen - jeweils Remis gegen Weißrussland, Montenegro und Angola - sorgten in Teheran nicht gerade für Euphorie. Daher scheint bei der WM nicht nur das Sportliche zu zählen. "Neben dem Fußball muss die Mannschaft auch als Botschafter des Friedens agieren", gab Verbandschef Ali Kafaschian beim Abschied aus.

NEWS.AT-Tipp

Jeder Punkt wäre schon ein Erfolg für den Iran, dem in Gruppe F nur der letzte Platz bleiben wird.

Kommentare