Gruppe E von

WM 2014: Team-Check Frankreich

Die "Equipe Tricolore" wird von vielen nicht als Favorit gehandelt - zu Unrecht!

Jubel von Frankreich © Bild: David Rogers/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Frankreich.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

FRANKREICH

Steckbrief

Verband: Federation Francaise de Football
WM-Teilnahmen: 14 - zuletzt 2010
Erfolge: Weltmeister 1998
Teamchef: Didier Deschamps

Die Qualifikation

Da sind "Les Bleus" (Die Blauen) aber gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Als Gruppenzweiter hinter Welt- und Europameister Spanien, gegen die das entscheidende Duell in Paris 0:1 verloren ging, musste Frankreich ins Playoff. Dort hieß der Gegner Ukraine und erwies sich als alles andere als leicht verdaulich. Nach einem 2:0-Heimsieg des EM-Veranstalters von 2012 schien die WM in Brasilien ohne die "Grande Nation" stattzufinden. Doch dann folgte der Auftritt von Mamadou Sakho. Der Liverpool-Verteidiger erzielte ausgerechnet in seinem bisher wichtigsten Länderspiel seine ersten Tore im Nationalteam und sorgte gemeinsam mit Karim Benzema, der den dritten Treffer beisteuerte, für die sensationelle Wende in der Barrage. Frankreich fixierte das WM-Ticket, die Ukraine muss zu Hause bleiben und "Allez les Bleus" schallte es durch die Banlieues.

Der Superstar

Franck Ribery jubelt im Frankreich-Dress
© Julian Finney/Getty Images

In der entscheidenden Phase der WM-Qualifikation war die Diskussion um den kommenden Weltfußballer voll im Gange. Doch während sich etwa Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic im Playoff gegenseitig zu Höchstleistungen pushten, ließ Franck Ribery im Nationalteam einige Male aus. Nichtsdestoweniger ist der "König von Bayern" der Star im Aufgebot von Teamchef Didier Deschamps. Trotz des hochwertigen Kaders verfügt wohl kein anderer über die Ballfertigkeiten des 31-Jährigen, der mit den Münchnern bereits vier Meisterschaften, vier Pokalsiege und einen Champions-League-Triumph feiern durfte. Im Verein gibt es für Europas Fußballer des Jahres 2013 also Grund zur Dauerfreude, auf Teamebene eher weniger. Bei der WM vor vier Jahren stand Ribery aufgrund seiner Beteiligung an den mannschaftsinternen Querelen unter heftiger Kritik und wurde sogar kurzzeitig suspendiert. Doch dies soll nun endgültig der Vergangenheit angehören, in Brasilien wollte der Außenspieler auch im blauen Trikot jubeln. Und am liebsten einmal mit dem WM-Pokal in bekannter Manier über den Platz sausen. Dann hätte es auch mit der Weltfußballer-Auszeichnung geklappt. Doch eine Rückenverletzung beendete all diese Träume.

Der Kader

PositionNameVerein
TorHugo LlorisTottenham Hotspur
-Steve MandandaOlympique Marseille
-Mickael LandreauBastia
AbwehrMathieu DebuchyNewcastle United
-Lucas DigneParis St. Germain
-Patrice EvraManchester United
-Laurent KoscielnyArsenal
-Eliaquim MangalaFC Porto
-Bacary SagnaArsenal
-Mamadou SakhoLiverpool
-Raphael VaraneReal Madrid
MittelfeldYohan CabayeParis St. Germain
-Morgan SchneiderlinSouthampton
-Blaise MatuidiParis St. Germain
-Rio MavubaOSC Lille
-Paul PogbaJuventus Turin
-Moussa SissokoNewcastle United
-Mathieu ValbuenaOlympique Marseille
-Remy CabellaMontpellier
AngriffKarim BenzemaReal Madrid
-Olivier GiroudArsenal
-Antoine GriezmannReal Sociedad
-Loic RemyNewcaste United

ManCity-Legionär Samir Nasri flog aus dem Kader, was seine Freundin derart erzürnte, dass sie via Twitter den Teamchef und Frankreich wüst beschimpfte, ehe sie sich wenig später wieder entschuldigte. Kommentar von Didier Deschamps, der auch Monaco-Routinier Eric Abidal zu Hause lässt: "Ich habe die beste Mannschaft ausgewählt, nicht die 23 besten französischen Spieler."

Vergessene Legenden

David Ginola im Anzug
© BORIS HORVAT/AFP/Getty Images

Lange bevor Mats Hummels oder Sebastian Vettel in den Werbepausen zu den TV-Zusehern sprachen, hatte die Haar-Shampoo-Industrie bereits das perfekte Testimonial gefunden. Der Satz "I'm a footballer, not a movie star" aus dem L'Oreal-Spot, gehaucht von einem Franzosen, wird als Meilenstein der Selbsterkenntnis gesehen. Und doch war David Ginola weit mehr als nur ein gewöhnlicher Fußballer. Der Offensiv-Spieler wird als einer der Wegbereiter des europäisch geprägten, modernen, technisch versierten Fußballs in der Premier League gesehen, wo er von 1995 bis 2002 für Newcastle, Tottenham, Aston Villa und Everton auf Torejagd ging und sich für immer in den Herzen der Fans verewigte. Trotz einer erfolgreichen Vereins-Karriere blieb Englands Fußballer des Jahres die Anerkennung im Nationalteam verwehrt. Vom damaligen Teamchef Gerard Houllier und zahlreichen Anhängern wurde Ginola zum Sündenbock der verpassten WM-Qualifikation 1994 angesehen, wenig später zerwarf er sich mit einigen Teamkollegen. Somit stehen in Ginolas Vita lediglich 17 Einsätze für Frankreich, das wohl nie wieder einen Spieler mit so schön gepflegten Haaren in den Reihen haben wird.

Die Chancen

Frankreich hat Blut geleckt. Nach dem beeindruckenden 4:0-Sieg in der Vorbereitung zur WM über Norwegen titelte "L'Equipe" "Das macht Lust!" und traf den Nagel damit auf den Kopf. Ein Blick über den Kader der Franzosen offenbart, dass kaum ein anderes Team in der Breite so stark besetzt ist. Auf allen Positionen herrscht Konkurrenzkampf, bekannten Routiniers wird durch junge Wilde mächtig Dampf gemacht. Darüber hinaus hat die Franzosen niemand so richtig auf der Rechnung, wodurch Erwartungshaltung und Druck nicht allzu groß sind. Und auch die Auslosung meinte es mit der "Equipe Tricolore" gut. Der gefährlichste Gegner ist man somit wohl selbst. Gelingt es, interne Spannungen zu vermeiden, ist alles möglich.

NEWS.AT-Tipp

Frankreich dominiert seine Gruppe und zieht souverän ins Achtelfinale ein. Auch die dortige Hürde wird genommen, im Viertelfinale scheiden Benzema und Co. dann allerdings gegen Deutschland aus - als besseres Team versteht sich.

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