Gruppe E von

WM 2014: Team-Check Ecuador

"La Tri" ist eine gefährliche Unbekannte und wird nicht nur die Schweiz fordern

Ecuador beim Mannschafts-Training © Bild: OLAF KRAAK/AFP/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Ecuador.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

ECUADOR

Steckbrief

Verband: Federacion Ecuatoriana de Futbol
WM-Teilnahmen: 2 - zuletzt 2006
Erfolge: Achtelfinale 2006
Teamchef: Reinaldo Rueda

Die Qualifikation

Nur die Tordifferenz bedingte am Ende, dass Ecuador Platz vier in der Südamerika-Qualifikation und damit ein Direkt-Ticket für die WM-Endrunde erreichte. Aufgrund einer 1:2-Niederlage im letzten Spiel gegen Chile mussten die Fans lange zittern und hoffen, dass Uruguay im Parallelspiel nicht doch noch ein paar Tore gut macht. Doch der Gegner von Forlan und Co. hieß Argentinien und der – dennoch beeindruckende – 3:2-Sieg war zu wenig. „La Tri“, wie die ecuadorianische Nationalmannschaft aufgrund der dreifärbigen Landesflagge genannt wird, erarbeitete sich die günstigere Ausgangslage vor dem finalen Showdown allerdings selbst, als eine Begegnung davor das direkte Duell gegen Uruguay mit 1:0 gewonnen wurde. Es war dies der siebte Sieg in acht Heimspielen, weshalb Kritiker von der Qualifikation als einem "geografischen Glücksfall" sprechen. Bester Torschütze in der Quali war Felipe Caicedo mit sieben Volltreffern, geschlagen nur von den Weltstars Luis Suarez, Lionel Messi, Gonzalo Higuain und Radamel Falcao.

Der Superstar

Antonio Valencia im Ecuador-Trainingsanzug
© Charlie Crowhurst/Getty Images

Angesprochener Felipe Caicedo hätte zweifellos das Zeug zu einer großen Karriere, richtig aufgeblüht ist der Angreifer, der jahrelang bei Manchester City unter Vertrag stand, allerdings noch nicht. Also fällt unsere Wahl auf einen, der sich in Manchester, genauer gesagt beim Stadtrivalen der „Citizens“ durchgesetzt hat. Antonio Valencia spielt seit 2009 für die „Red Devils“, wo er Anteil an zwei Meisterschaften hatte. Vergangenes Jahr war allerdings auch für den von Sir Alex Ferguson als schüchtern und ruhig beschriebenen 28-Jährigen eher eines zum Vergessen. Wie seine Clubkollegen enttäuschte Valencia bei zahlreichen Auftritten und musste viel Kritik einstecken. Ein Abgang des Nationalteamkapitäns Ecuadors unter Neo-Coach Louis van Gaal scheint deshalb alles andere als ausgeschlossen. Wobei, wenn sich der Niederländer noch einmal das Video vom Champions-League-Achtelfinale gegen Olympiakos ansieht, erkennt er schnell, über welche Qualitäten der Flügelstürmer verfügt. Geschwindigkeit, Passgenauigkeit, Torgefährlichkeit – und all das mit einem zugeschwollenen Auge!

Der Kader

PositionNameVerein
TorMaximo BangueraBarcelona SC
-Alexander DominguezLDU Quito
-Adrian BoneEl Nacional
AbwehrFrickson ErazoFlamengo
-Jorge Guagua Emelec
-Oscar Bagui Emelec
-Gabriel AchilierEmelec
-Walter AyoviPachuca
-Juan Carlos ParedesBarcelona SC
MittelfeldCarlos GruezoVfB Stuttgart
-Renato Ibarra Vitesse Arnheim
-Cristian Noboa Dynamo Moskau
-Luis Saritama Barcelona SC
-Antonio Valencia Manchester United
-Fidel Martinez Tijuana
-Oswaldo Minda Chivas
-Michael Arroyo Atlante
-Edison MendezSanta Fe
AngriffFelipe CaicedoAl-Jazira
-Jefferson Montero Morelia
-Joao RojasCruz Azul
-Jaime Ayovi Tijuana
-Enner Valencia Pachuca

Der große Abwesende ist zugleich Zentrum einer Riesen-Tragödie. Nationalstürmer Christian Benitez, mit vier Toren in der Quali erfolgreich, verstarb im Juli im Alter von 27 Jahren nach einem Herzinfarkt.

Vergessene Legenden

Ivan Hurtado im Länderspiel gegen Frankreich
© FRANCK FIFE/AFP/Getty Images

Bereits im Alter von 17 Jahren und 285 Tagen kam Ivan Hurtado zu seinem Länderspiel-Debüt. So ist es mathematisch irgendwie logisch, dass er im Laufe seiner langen Karriere zu wirklich vielen Einsätzen kam. Und wirklich viel heißt in diesem Fall 167. Damit belegt der Innenverteidiger Platz fünf in der Liste aller Nationalspieler weltweit. Und hätte er nicht bereits nach der WM-Qualifikation 2010 seine Karriere beendet, wäre er vielleicht noch weiter nach oben geklettert. „Es gibt viele talentierte Youngsters, die ihre Chance verdienen, so wie ich meine hatte“, sprach Hurtado und dankte ab. Für drei weitere Jahre in der ecuadorianischen Liga reichte es allerdings schon noch. Erst 2013 wurden die Fußballschuhe an den Nagel gehängt und gegen Lackschuhe getauscht. Heute ist der 39-Jährige, der ob seines Spielstils von den Fans „Bam-Bam“ (ja, der aus den Feuersteins) gerufen wurde, Abgeordneter. Und schon wird wieder gezählt, auf wie viele Einsätze Hurtado kommt. Diesmal eben im Parlament

Die Chancen

Abgesehen davon, dass die Namen im Kader Ecuadors gut klingen, wirklich bekannt sind sie nur vereinzelt. Zahlreiche Akteure verdienen ihr Geld in der heimischen Liga oder in Mexiko. Dementsprechend wenig lässt sich aus der Ferne über die Qualität der Kicker sagen. Leistungen wie beim 1:1 gegen Argentinien oder dem 1:0 über Kolumbien im Rahmen der WM-Qualifikation lassen aber darauf schließen, dass „La Tri“ in Brasilien durchaus überraschen wird. In der Vorbereitung auf die Endrunde hat sie das bereits, als den Niederlanden Mitte Mai auswärts ein 1:1 abgerungen wurde.

NEWS.AT-Tipp

Ecuador kämpft mit der Schweiz um den zweiten Platz in der Gruppe, muss den Eidgenossen im Kampf um den Aufstieg aber den Vortritt lassen.

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