Gruppe C von

WM 2014: Team-Check Griechenland

Mehr als nur Gast bei der WM - diese Abwehr-Phalanx wird nur schwer zu knacken sein

Griechenland-Jubel der Teamspieler © Bild: GEPA pictures/ Intime/ Matthaios

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Griechenland.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

GRIECHENLAND

Steckbrief

Verband: Elliniki Podosferiki Omospondia
WM-Teilnahmen: 2 - zuletzt 2010
Erfolge: Vorrunde 1994, 2010
Teamchef: Fernando Santos

Die Qualifikation

Unglaublich, aber wahr. 12 Tore reichen aus, um sich für eine WM zu qualifizieren. Naja, fast. Es reicht, um ins Playoff zu kommen. Mit dieser Offensiv-Ausbeute konnte Griechenland nämlich ganze acht Spiele in seiner Quali-Gruppe gewinnen. Das Geheimnis: Die Abwehr kassierte im Gegenzug nur vier Gegentore, drei davon allein im Auswärtsspiel beim späteren Gruppensieger Bosnien-Herzegovina. Dank dieses Minimalisten-Fußballs mit fünf 1:0-Siegen erreichte Griechenland als bester Zweitplatzierter in Europa die Barrage, wo man sich dann gegen Rumänien durchsetzte. Der Erfolg an sich war keine große Überraschung, eher schon das Ergebnis. Denn im entscheidenden Moment schossen die Hellenen ganze drei Tore. In einem Spiel. Etwas, das ihnen in all den Quali-Partien davor nicht gelungen war.

Der Superstar

Sokratis gegen Arnautovic im Länderspiel
© GEPA pictures/ Hans Simonlehner

Die Konzentration auf die Abwehrarbeit bedingt, als Schlüsselspieler auch einen Verteidiger zu wählen. Sorry, Giorgos Samaras und Kostas Mitroglou, aber euer Kollege Sokratis Papastathopoulos hat es sich verdient. Als Backup für Neven Subotic und Mats Hummels vor der Saison von Borussia Dortmund verpflichtet, profitierte der Grieche von den Verletzungen der Stamm-Innenverteidiger und spielte eine überragende Saison. Von internationalen Bundesliga-Fans wurde der in Brasilien 26-Jährige, der dankenswerterweise seinen Vornamen auf dem Shirt trägt, sogar in die Top-Elf der Saison gewählt. In der Nationalmannschaft wissen sie schon länger um die Fähigkeiten des ehemaligen U19-Kapitäns. Seit 2008 gehört Sokratis dem A-Kader an und konnte vor vier Jahren bereits WM-Erfahrung sammeln. Lionel Messi, der im Gruppenspiel von seinem Bewacher kaum Platz zur Entfaltung bekam, erinnert sich wohl noch leise an den unaussprechlichen Namen. Auch heuer wird es wieder eine derart genaue Deckungsarbeit des 46-fachen Internationalen benötigen, um die Top-Stürmer auszuschalten und die oftmals zitierte griechische Null (Nein, hier geht es nicht ums Staatsbudget) zu halten. Oder anders gesagt: "Lass das mal den Papa machen!"

Der Kader

PositionNameVerein
TorOrestis Karnezis FC Granada
-Panagiotis Glykos PAOK Saloniki
-Stefanos Kapino Panathinaikos Athen
AbwehrKostas Manolas Olympiakos Piräus
-Jose HolebasOlympiakos Piräus
-Sokratis PapastathopoulosBorussia Dortmund
-Vangelis MorasHellas Verona
-Giorgos TzavellasPAOK Saloniki
-Loukas VyntraLevante
-Vasilis Torosidis AS Rom
MittelfeldAlexandros Tziolis Kayserispor
-Andreas Samaris Olympiakos Piräus
-Giannis Maniatis Olympiakos Piräus
-Kostas Katsouranis PAOK Saloniki
-Giorgos KaragounisFC Fulham
-Panagiotis Tachtsidis FC Turin
-Giannis Fetfatzidis FC Genua
-Lazaros ChristodoulopoulosFC Bologna
-Panagiotis Kone FC Bologna
AngriffDimitris Salpingidis PAOK Saloniki
-Giorgos Samaras Celtic Glasgow
-Kostas Mitroglou FC Fulham
-Theofanis Gekas Konyaspor

Bei der Verkündung des griechischen Aufgebots unterlief der FIFA ein kleiner Fauxpas. Der Fußball-Weltverband gab den vorläufigen WM-Kader auf seiner Homepage schon vor dem griechischen Verband bekannt. Teamchef Fernando Santos war es egal, er kürzte am 19. Mai wieder auf 23 Spieler.

Vergessene Legenden

Dellas bei der EURO 2008
© GEPA pictures/ Mario Kneisl

Mal ehrlich. Gibt es einen cooleren Spitznamen als "Der Koloss von Rhodos"? Mit diesem Titel ehrte Ex-Teamchef Otto Rehhagel seinen Abwehrrecken Traianos Dellas während der Europameisterschaft 2004. Der 1,96-Meter-Hüne war einer der Protagonisten des Sensations-Erfolgs und als Libero hinter der Abwehrkette das Sinnbild der griechischen "Ultradefensiv-Taktik". Dass er als erster und einziger Spieler der Geschichte ein Silver Goal erzielt hat, rundet seinen Status als Legende entscheidend ab. Da kann auch über die Tatsache hinweggesehen werden, dass der 53-fache Teamspieler keinen einzigen WM-Einsatz zu Buche stehen hat. Was ihm als Spieler verwehrt blieb, könnte der ehemalige Italien-Legionär Dellas aber womöglich als Teamchef erreichen. Mit der Übernahme des Traineramts beim kriselnden Traditionsclub AEK Athen ist der heute 38-Jährige immerhin auf dem richtigen Weg.

Die Chancen

Aufgrund ihres guten Koeffizienten - Griechenland ist aktuell die Nummer 10 des FIFA-Rankings - wären die Griechen beinahe als Gruppenkopf gelost worden. Aber auch so bescherte das Schicksal der "Ethniki" ein machbares Los. Die Konkurrenten sind auf Augenhöhe, vor allem, wenn die Defensive weiterhin derart gut funktioniert. "Wir wollen es erstmals ins Achtelfinale schaffen", gab Teamchef Fernando Santos als Devise aus und nimmt den Mund angesichts des ausgewogenen Kaders damit nicht zu voll.

NEWS.AT-Tipp

Die Griechen duellieren sich mit der Elfenbeinküste um einen Aufstiegsplatz und schaffen es ins Achtelfinale. Zwar ist dort Endstation, doch kann Teamchef Santos, der seinen Abschied nach der WM bereits vorab verkündet hat, so nach Erreichen des Ziels getrost seinen Hut nehmen.

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