Gruppe B von

WM 2014: Team-Check Spanien

Gelingt "La Roja" nach zwei EM- und einem WM-Titel in Brasilien der vierte Streich?

Spanien jubelt gegen Georgien © Bild: JOSE JORDAN/AFP/Getty Images

Die Uhr tickt. In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Titelverteidiger Spanien.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

SPANIEN

Steckbrief

Verband: Real Federacion Espanola de Futbol
WM-Teilnahmen: 13 - Zuletzt 2010
Erfolge: Weltmeister 2010
Teamchef: Vicente del Bosque

Die Qualifikation

In einer Fünfer-Gruppe mit Frankreich gestartet, herrschte schon nach dem vierten Spieltag große Aufregung im Lager des amtierenden Welt- und Europameisters. Aufgrund zweier Unentschieden zu Hause gegen Frankreich (verkraftbar) und Finnland (in den Medien als kleine Katastrophe verkauft) verkam die folgende Auswärtspartie in Saint-Denis bereits zum Schicksalsspiel. "La Roja" behielt allerdings die Nerven, siegte dank des Goldtors von Pedro in der Höhle des Löwen mit 1:0 und übernahm wieder die Tabellenführung. Diese Position wurde in den abschließenden Gruppenspielen gegen Finnland, Weißrussland und Georgien gewahrt, das Playoff somit vermieden und die stolze Serie von ungeschlagenen Quali-Matches auf unglaubliche 35 Spiele ausgebaut.

Der Superstar

Iker Casillas, Spanien-Kapitän
© Claudio Villa/Getty Images

Kann ein Ersatzspieler Superstar sein? Oder umgekehrt gefragt: Wie kann ein Superstar nur Ersatzspieler sein? Die Degradierung von Iker Casillas zum zweiten Tormann bei Real Madrid durch Jose Mourinho sorgte für großen Trubel, die erneute Degradierung durch Carlo Ancelotti für Grundsatz-Debatten im spanischen Volk. "San Iker", der Heilige, nur noch die Nummer 2? Kaum vorstellbar und doch über die letzten Monate Realität. Zumindest im Verein. Im Nationalteam schenkte Coach Vicente del Bosque dem Rekord-Nationalspieler weiterhin das Vertrauen. Einer drohenden Torwart-Diskussion bei der WM wurde durch zwei Faktoren bereits im Vorfeld der Wind aus den Segeln genommen. Einerseits verletzte sich mit Victor Valdes der schärfste Konkurrent aufs Einser-Leiberl schwer, andererseits spielt Casillas seit Monaten in Hochform. In der Copa del Rey, wo er regelmäßig zum Zug kam, kassierte er bis zum Finale in acht Spielen kein einziges Gegentor. In der Champions League, wo er von Ancelotti ebenso gegenüber Konkurrent Diego Lopez den Vorzug bekam, trug er maßgeblich dazu bei, dass der Real-Traum von "La Decima" weiterhin aufrecht bleibt. Der bei der Endrunde 33-Jährige führt sein Team in Brasilien erneut als Kapitän an und strebt danach, seiner Love-Story mit Feld-Reporterin Sara Carbonero nach dem "Kuss des Jahrhunderts" ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

Der Kader

PositionNameVerein
TorIker CasillasReal Madrid
-Pepe ReinaSSC Napoli
-David De GeaManchester United
AbwehrSergio RamosReal Madrid
-Gerard PiqueFC Barcelona
-Raul AlbiolSSC Napoli
-Cesar AzpilicuetaChelsea
-JuanfranAtletico Madrid
-Jordi AlbaFC Barcelona
MittelfeldXaviFC Barcelona
-Xabi AlonsoReal Madrid
-Sergio BusquetsFC Barcelona
-Andres IniestaBarcelona
-Cesc FabregasFC Barcelona
-Santi CazorlaArsenal
-KokeAtletico Madrid
-Javi MartinezBayern München
AngriffDavid SilvaManchester City
-Diego CostaAtletico Madrid
-Fernando TorresChelsea
-PedroFC Barcelona
-Juan MataManchester United
-David VillaAtletico Madrid

Die Torjäger Fernando Torres, Diego Costa und David Villa stehen allesamt im 23-Mann-Kader. Den letzten Cut verpasst haben indessen Jesus Navas, Alvaro Negredo, Fernando Llorente, Ander Iturraspe, Alberto Moreno sowie Daniel Carvajal.

Vergessene Legenden

Julen Guerrero im Dress Spaniens
© Michael Steele /Allsport/Getty Images

Lange bevor David Beckham Fußball und Styling zu einer metrosexuellen Symbiose verschmelzen ließ, gab es einen Spieler, dem sein Sex-Appeal über die Landesgrenzen hinaus zu Ruhm verhalf. Noch heute findet sich Julen Guerrero in Listen der schönsten Fußballer aller Zeiten, dabei wäre eine Reduzierung des heute 40-Jährigen auf sein Äußeres völlig fehl am Platz. In der legendären Talenteschmiede von Athletic Bilbao ausgebildet, entwickelte sich der Baske zu einem der besten Spieler der 90er Jahre. In sechs aufeinanderfolgenden Saisonen erzielte er mehr als zehn Tore, als Mittelfeldspieler wohl gemerkt. Dass der Name Guerrero dennoch vielen nichts sagt, ist seiner Vereinstreue geschuldet. Während Top-Clubs aus Italien, Spanien und England Schlange standen, entschied sich der Bilbao-Kapitän für einen Verbleib bei seinem Heimatverein. Nicht ohne Forderungen. Ein auf zehn (!) Jahre datierter Vertrag machte Guerrero zum bestbezahlten Fußballer der "Löwen", die weder zuvor noch danach einen derart langfristigen Kontrakt ausstellten. Im Nationalteam kam der heutige Restaurant-Besitzer und Teilzeit-Online-Kolumnist auf 41 Einsätze (13 Tore) und stand bei der WM 1994 und 1998 im Aufgebot der Iberer. Als Schönster aller Einberufenen.

Die Chancen

Wer sich hintereinander zum Europameister, Weltmeister und abermals Europameister gekrönt hat, muss eigentlich wieder der große Favorit sein. Dennoch steht Spanien gar nicht auf der Liste eines jeden sogenannten Experten. Das Team habe seinen Zenit überschritten (Xavi ist immerhin schon 34), das Spielsystem sei zu eingleisig (siehe FC Barcelona oder FC Bayern) und ohnehin fehle den Spielern der nötige Biss vergangener Tage. Brasilien hat Spanien beim Confederations-Cup-Finale vor einem Jahr eindrucksvoll in die Schranken gewiesen. Und dennoch: Wer sich allein vor Augen führt, welche Spieler keinen Platz im 23-Mann-Kader del Bosques ergatterten, weiß um die Qualität von "La Roja", die sich mit einem neuerlichen Triumph wohl endgültig zum besten Nationalteam aller Zeiten aufschwingen würde.

NEWS.AT-Tipp

Spanien wird vom ersten Spiel an, bei dem mit den Niederlanden der Finalgegner von 2010 wartet, voll gefordert und hat mit Chile einen weiteren richtigen Brocken vor sich. Sollte allerdings der Gruppensieg gelingen, erreicht diese Truppe mit der gefährlichsten Mischung aus Erfahrung, Qualität und Kaderdichte erneut das Endspiel.

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