Gruppe A von

WM 2014: Team-Check Kamerun

"Die unzähmbaren Löwen" starten mal wieder voller Erwartungen und Pobleme

Kamerun-Mannschaftsfoto © Bild: FETHI BELAID/AFP/Getty Images

Die Uhr tickt. In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Kamerun.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

KAMERUN

Steckbrief

Verband: Fecafoot (Federation Camerounaise de Football)
WM-Teilnahmen: 6 - Zuletzt 2010
Erfolge: Viertelfinale 1990
Teamchef: Volker Finke

Die Qualifikation

In der Qualifikation galt es nicht nur sportliche Hindernisse zu bewältigen, wurde der Verband von der FIFA wegen der Wiederwahl des umstrittenen Präsidenten Mohammed Iya und "staatlicher Einmischung" doch sogar kurzzeitig suspendiert. Nach Einsetzung eines unabhängigen FIFA-Komitees und der aufgehobenen Sperre für Großveranstaltungen konnte man sich aber auf das Wesentliche konzentrieren. Und ausgerechnet die FIFA sollte sich dabei als Helfer in der Not erweisen. Nach einer 0:2-Niederlage im vierten Gruppenspiel gegen Togo wandelte der Weltverband das Ergebnis nachträglich in ein 3:0 um, da die Togolesen mit Alexys Romao einen gelbgesperrten Spieler eingesetzt hatten. Kamerun holte so und dank eines 1:0-Erfolgs in der letzten Partie gegen Libyen den Gruppensieg und fixierte mit einem Gesamtscore von 4:1 im entscheidenden CAF-Playoff gegen Tunesien das Ticket für Brasilien.

Der Superstar

Samuel Eto'o lacht im Kamerun-Dress
© STRINGER/AFP/Getty Images

Bei der WM 1998 in Frankreich hatte Kamerun ein Juwel in seinen Reihen, dem eine glorreiche Zukunft prophezeit wurde. 16 Jahre später ist Samuel Eto'o Olympiasieger, zweifacher Afrikameister, dreifacher Champions-League-Sieger und viermaliger Fußballer des Jahres in Afrika. Ob er heute 32 Jahre, 35 Jahre oder, wie seine Ex-Freundin behauptet, sogar 39 Jahre alt ist, wird wohl so schnell nicht geklärt werden - fest steht aber, dass der Angreifer den Zenit bereits überschritten hat. Nichtsdestoweniger wird der Erfolg der "unzähmbaren Löwen" von ihrem Kapitän und Rekordtorschützen (55 Treffer in 115 Spielen) abhängen. Auch weil der Starspieler sich seines Sonderstatus bewusst ist und sich schon mal mit dem Verband (Boykott-Aufruf) oder Trainern anlegt. "Er ist immer noch der Spieler, der den Unterschied machen kann und für uns entscheidend", urteilt Teamchef Finke freundlich über seine "Diva", mit der ihm ein schwieriges Verhältnis nachgesagt wird. Wie dem auch sei, durch seinen abermaligen Rücktritt vom Rücktritt bekommen die Fußball-Fans den einst bestbezahlten Fußballer der Welt noch einmal auf der großen WM-Bühne zu sehen.

Der Kader

PositionNameVerein
TorLoic FeudjouCoton Sport
-Charles ItandjeKonyaspor
-Sammy NdjockFethiyespor
AbwehrBenoit Assou-EkottoTottenham Hotspur
-Henri BedimoOlympique Lyon
-Aurelien ChedjouGalatasaray Istanbul
-Cedric DjeugouCoton Sport
-Nicolas NkoulouOlympique Marseille
-Dany NounkeuBesiktas Istanbul
-Allan NyomGranada
MittelfeldEnoh EyongAntalyaspor
-Jean MakounStade Rennes
-Joel MatipSchalke 04
-Stephane MbiaFC Sevilla
-Benjamin MoukandjoNancy
-Landry NguemoGirondins Bordeaux
-Edgar SalliRacing Lens
-Alexandre SongFC Barcelona
AngriffVincent AboubakarLorient
-Eric-Maxim Choupo MotingMainz 05
-Samuel Eto'oChelsea
-Fabrice OlingaMalaga
-Pierre WeboFenerbahce

Teamchef Finke startet am 20. Mai mit 28 Spielern zum Trainingslager in Kufstein. Der Deutsche gab am 12. Mai den vorläufigen Kader bekannt, der spätestens am 2. Juni, zwei Tage nach dem Ende des Camps in Tirol, auf 23 Mann reduziert wird.

Vergessene Legenden

Rigobert Song im Kamerun-Dress
© CARL DE SOUZA/AFP/Getty Images

Galten die ersten drei Portraits der Serie Offensiv-Spielern, so sei diesmal an einen Abwehr-Spezialisten erinnert. Bei der WM 1998, der bisher letzten mit österreichischer Beteiligung, hatte Rigobert Song die ehrenvolle Aufgabe, als Abwehrchef unter anderem die berühmt berüchtigten Sturmläufe von Toni Polster zu entschärfen. 12 Jahre später stand der heute langjährige Frankreich-, England- und Türkei-Legionär immer noch im Aufgebot der "Löwen" und feierte damit seine vierte Endrunden-Teilnahme. Da er bei den ersten zwei mit Rot vom Platz flog, teilt er sich einen Platz in der Historie mit niemand Geringerem als Zinedine Zidane, der das 1998 und 2006 zustande brachte. Der heutige Rekordspieler Kameruns (138 Einsätze) trug gemeinsam mit Roger Milla zu einem weiteren WM-Rekord bei. Der Alters-Abstand zwischen dem Kult-Stürmer und dem damals 17-jährigen Song betrug 24 Jahre und 42 Tage und ist bis heute unübertroffen. Milla, mittlerweile 61 Jahre alt, sei natürlich auch nicht vergessen - deswegen lassen wir ihn hier tanzen.

Die Chancen

Ein labiles Mannschaftsgefüge, ein launischer Star, eine schwere Gruppe - die besten Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden bei der Endrunde sind das nicht. Dazu kommt eine enorme Erwartungshaltung der Fans, die laut Coach Finke sogar vom Endspiel träumen. Es wird nicht leicht für das Legionärs-Ensemble, dem Druck standzuhalten und wie 1990 für eine Überraschung zu sorgen. Nur wenn es gelingt, von Beginn an Geschlossenheit und Disziplin zu zeigen, kann die erste Hürde mit dem Namen Gruppenphase genommen werden.

NEWS.AT-Tipp

Einige Namen im Kader klingen gut, wirklich Furcht einflößend ist allerdings keiner davon. Kamerun wird sich mit Mexiko und Kroatien um den zweiten Gruppenplatz streiten, diesen Kampf letztendlich aber verlieren und wie schon bei den letzten vier Teilnahmen nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

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