Witwe von Israilov: "Er hat zu mir
gesagt, er bekommt keinen Polizeischutz"

Mordprozess: Opfer bemühte sich um Personenschutz Israilov wurde 2009 in Wien-Floridsdorf erschossen

Witwe von Israilov: "Er hat zu mir
gesagt, er bekommt keinen Polizeischutz" © Bild: APA/Pfarrhofer

Im Prozess um den Mord an Umar Israilov ist im Wiener Straflandesgericht die Witwe des am 13. Jänner 2009 in Wien-Floridsdorf erschossenen tschetschenischen Flüchtlings vernommen worden. Die Frau schilderte im Zeugenstand, wie ihr Ehemann aus Angst um sein Leben eine Pistole erwarb und ihr gegenüber die Befürchtung äußerte, die Polizei werde erst nach seinem Tod kommen.

"Er hat zu mir gesagt, er bekommt von der Polizei keinen Schutz", erinnerte sich die Witwe. Dabei hatte sich vor allem ein mit Israilov befreundeter Flüchtlingsbetreuer schon Wochen vor der Bluttat in an die Polizei gerichteten Mails darum bemüht.

Umar Israilov war 2005 mit seiner Ehefrau aus Tschetschenien geflüchtet. Ursprünglich hatte der Mann aufseiten der Rebellen für ein von Russland unabhängiges Tschetschenien gekämpft. Er wurde gefangen genommen und soll dabei vom späteren, von Vladimir Putin eingesetzten tschetschenischen Präsidenten Kadyrow persönlich gefoltert worden sein. Um sein Leben zu retten, verdingte sich Israilov dann in Kadyrows Leibwache, ehe er mit der Vorgabe, sich auf Kur begeben zu wollen, ins Ausland absetzte und dort vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein Verfahren gegen Kadyrow in Gang brachte.

Witwe: Er wurde bedroht
Wie nun seine Witwe darlegte, wurde Umar Israilov danach mehrmals bedroht. Ihrer Schilderung zufolge war Umar Israilov in Österreich seit dem Sommer 2008 nur mehr bedingt sicher. Dass der tschetschenische Präsident den Tod ihres Mannes zu verantworten hat, steht für die Witwe außer Zweifel. "Jeder, der einen Kopf auf den Schultern hat, hat gewusst, dass das Kadyrows Leute waren, die einen unschuldigen Menschen umgebracht haben," bemerkte sie abschließend.

(apa/red)