Wirtschaftsvertreter und Sozialpartner: Kurzporträt von Leopold Maderthaner

Setzte sich vehement für EU-Beitritt ein Erst Spendenaffäre beendete steile Karriere

Der im Alter von 71 Jahren verstorbene frühere Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Leopold Maderthaner, hat von 1990 an eine Dekade lang die Sozialpartnerschaft maßgeblich mitgeprägt. Der Unternehmer, der 47 Jahre lang eine Leuchtreklamen-Firma in Niederösterreich führte, war auch 22 Jahre lang ÖVP-Parlamentarier, zwölf Jahre im Bundesrat und zehn im Nationalrat. Beendet hat seine Karriere eine "Spendenaffäre".

Nach zwei Funktionsperioden an der Spitze der Wirtschaftskammer hatte Maderthaner im Jahr 2000 auf eine Wiederkandidatur verzichtet, nachdem er in Medienberichten über nicht ordnungsgemäß deklarierte Spenden ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. Demzufolge soll Maderthaner im Jahr 1994 Spenden für die Verleihung eines Kommerzialrattitels entgegengenommen und die Gelder auf einem privaten Konto geparkt haben, wofür er die zahlbare Schenkungssteuer erst im Nachhinein, nach Bekanntwerden der Causa, entrichtet haben soll. Eine anonyme Strafanzeige gegen Maderthaner hatte die Staatsanwaltschaft Wien aber fallen gelassen, sie hatte keinen Grund zur strafrechtlichen Verfolgung gefunden.

Maderthaner wurde am 9. September 1935 in Hausmening im Bezirk Amstetten in Niederösterreich geboren. Nach Absolvierung der HTL St. Pölten, Fachrichtung Elektrotechnik, und vierjähriger Tätigkeit in der Industrie (Siemens), gründete er 1959 die Firma "Neon-Maderthaner" - wie er selbst sagte "mit 2.000 Schilling und einem alten Kombi." Der Betrieb entwickelte sich bald zu einem führenden Unternehmen für die Erzeugung von Lichtreklamen und beschäftigte rund 40 Mitarbeiter. Erst im März des Vorjahres hat der schon von seiner Erkrankung gezeichnete Maderthaner das Unternehmen verkauft. Ein Farbengroßhändler übernahm den Betrieb, der in den letzten Jahren Verluste geschrieben haben soll, führte ihn aber als Leuchtreklame-Firma weiter.

Als Interessensvertreter engagierte sich Maderthaner ab 1968 in verschiedenen Funktionen zunächst in der Handelskammer Niederösterreich. 1986 wurde er zum Präsidenten der Handelskammer Niederösterreich gewählt. Auf politischer Ebene war er als Bezirksobmann des ÖVP-Wirtschaftsbundes und seit 1984 als Bezirksparteiobmann der ÖVP tätig. Von 1972 bis 1985 gehörte der Vater von vier Töchtern auch dem Stadtrat von Amstetten an. 1979 wurde er vom Land Niederösterreich in den Bundesrat entsandt, von wo er im März 1989 in den Nationalrat überwechselte. Dem Nationalrat gehörte Maderthaner von 1989 bis 1995 und dann wieder ab Jänner 1996 bis 2001 an.

Am 30. September 1989 wurde Maderthaner auf der 13. Generalversammlung des Österreichischen Wirtschaftsbundes zum neuen Präsidenten und damit zum Nachfolger des legendären Rudolf Sallinger gewählt. Im Dezember 1990 schließlich löste er Sallinger auch an der Spitze der damals noch Bundeswirtschaftskammer genannten Interessensvertretung ab. Abgelöst wurde er schließlich im Juni 2000 durch Christoph Leitl.

Maderthaner repräsentierte gemeinsam mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch ein Jahrzehnt lang die österreichische "Ersatzregierung" in den bewegten Zeiten vor und während des österreichischen EU-Beitritts. Die beiden waren dem Langzeit-Duo der Sozialpartnerschaft, Rudolf Sallinger und Anton Benya, gefolgt. Die Sozialpartner setzten sich massiv für einen EU-Beitritt ein und riefen gemeinsam zum "Ja" bei der EU-Volksabstimmung 1994 über einen Beitritt auf. Leitl würdigte Maderthaner auch als einen "wichtigen Wegbereiter für Österreichs Aufbruch nach Europa".
(APA/red)