Wirtschaftskrise heizt Migration weiter an:
Weltweit bereits über 200 Mio. Migranten

Suche nach Arbeitsplätzen verschärft sich zunehmend Deutschland ist Hauptziel, meiste Migranten aus Polen

Wirtschaftskrise heizt Migration weiter an:
Weltweit bereits über 200 Mio. Migranten © Bild: APA/EPA/Paquet

Die internationalen Migrationsströme nehmen durch die fortschreitende Globalisierung und die aktuelle Wirtschaftskrise in den nächsten Jahren weiter zu. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Organisation für Migration (IOM) in ihrem Jahresbericht 2008, der in Genf veröffentlicht wird. Weltweit gibt es derzeit mehr als 200 Millionen Migrantinnen und Migranten.

Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit, wie die IOM in ihrem Jahresbericht 2008 festhält. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Defizite trieben die Menschen aus ihrer angestammten Umgebung, heißt es in dem Report, der sich vorwiegend mit der Mobilität der Arbeitskräfte beschäftigt.

Seit 1965 ist die Zahl der Migranten weltweit um das zweieinhalbfache gestiegen. Der Frauenanteil liegt bei knapp 50 Prozent. Zwischen 2000 und 2005 wanderten jedes Jahr 3,3 Millionen Menschen in die Industrieländer, die Immigranten hätten seit 2005 zum europäischen Bevölkerungswachstum 85 Prozent beigetragen, heißt es in dem Bericht.

Wachsendes Bedürfnis an Arbeitskräften in Industrieländern
In den nächsten 50 Jahren werden die Industrieländer laut IOM noch ein wachsendes Bedürfnis an Arbeitskräften haben. Als Gründe nennt die Organisation die sinkenden Geburtsraten und die Alterung der arbeitstätigen Bevölkerung. Die IOM rief die betroffenen Länder auf, eine umsichtige Migrationspolitik in die Wege zu leiten, die sowohl den eigenen Bedürfnissen an Arbeitskräften als auch den Interessen der Migranten gerecht werde.

Gerade in Rezessionszeiten sei eine solche Migrationspolitik von vordringlicher Bedeutung. Die Finanzkrise in Asien in den 1990er Jahren habe schließlich gezeigt, dass auch in Krisenzeiten ein struktureller Bedarf an fremden Arbeitskräften bestehe.

Luxemburg weist laut IOM-Bericht in Europa mit 37,3 Prozent den höchsten Migranten-Anteil an der Gesamtbevölkerung auf. Auf Platz zwei ist Liechtenstein (33,5 Prozent) und an dritter Stelle kommt die Schweiz (22,9 Prozent). In Europa lebten im Jahr 2005 insgesamt 44,1 Millionen Migranten, gut neun Millionen mehr als 1995.

Haupteinwanderungsland Deutschland
Haupteinwanderungsland ist laut IOM Deutschland mit 10,1 Millionen Migranten, gefolgt von Frankreich (6,5 Mio) und Großbritannien (5,4 Mio). Die IOM betont, dass die meisten Immigranten in Europa nicht aus fernen Entwicklungsländern kommen, sondern aus anderen europäischen Regionen abwandern. An der Spitze der "Auswanderungsländer" steht dem Bericht zufolge Polen. 2005 emigrierten 324.000 Menschen aus Polen in ein anderes europäisches Land.

Die von Zuwanderung betroffenen Länder konkurrieren zunehmend um die verfügbaren hoch qualifizierten Arbeitskräfte. Aber auch für mittel und schlecht qualifizierte Arbeitskräfte gebe es, so die IOM, in den Industrieländern künftig einen Markt, weil einheimische Arbeiter für Bereiche wie Landwirtschaft, Bau und Gastgewerbe immer schwerer zu finden seien. Gäbe es keine Immigration, würde der Anteil der Arbeitstätigen an der Gesamtbevölkerung bis 2050 um 23 Prozent sinken, hält die IOM fest.
(apa/red)