Wien von

Wirtschaftskammer
veranstaltet Iran-Forum

Irankritisches Bündnis "Stop the Bomb" übt heftige Kritik an der Veranstaltung

Wirtschaftsbund-Obmann Christoph Leitl © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) veranstaltet am Dienstag in Wien ein Forum zum Iran. Man werde dabei "neueste Informationen zur wirtschaftlichen Lage, zu Geschäftschancen, zur geltenden Sanktionsrechtslage und zu den Perspektiven im Irangeschäft aus erster Hand" erhalten, verspricht die WKÖ. Das irankritische Bündnis "Stop the Bomb" übt heftige Kritik an der Veranstaltung.

Die Veranstalter des Forums "Doing Business in Iran" weisen auf der WKÖ-Homepage auf die "einmalige Position" des iranischen Marktes hin - angesichts der "günstige Lage" an der "neuen Seidenstraße", kombiniert mit einer "sehr jungen und in städtischen Gebieten trendbewussten Bevölkerung von 76 Mio Menschen, einem massiven Investitionsrückstau in allen Bereichen und starken (wenn auch durch die Sanktionen derzeit noch nicht im vollen Ausmaß verfügbaren) Finanzmitteln".

Österreich-Exporte im Iran besonders geschätzt

Auch die politischen Rahmenbedingungen würden "spätestens seit dem vor kurzem abgeschlossenen Joint Comprehensive Plan of Action die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und dem Iran neu beleben". Österreichische Produkte und Dienstleistungen würden im Iran besonders geschätzt und es böten sich "hervorragende Marktchancen". Nachfrage bzw. Nachholbedarf bestehe vor allem in den Bereichen Industrieausrüstung, Infrastruktur, Abfallwirtschaft, Umwelttechnik, Medizintechnik und Lebensmittel.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hatte vor Kurzem in Brüssel seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die internationalen Sanktionen gegen Teheran bald aufgehoben würden. Im Iran sieht Leitl "Österreich in einer sehr guten Startposition, wie auch in Russland".

Kritik seitens "Stop the Bomb"

Scharfe Kritik am Iran-Forum der WKÖ übte "Stop the Bomb" am Montag in einer Aussendung. Trotz aufrechter Sanktionen und erst kürzlich verhängter Milliarden-Strafen bei Verstößen sowie laufender Verfahren veranstalte die Wirtschaftskammer erneut ein "Werbeseminar für den Iran-Handel". Anscheinend sollten Unternehmer dabei mit der "falschen Behauptung über einen vor kurzem abgeschlossenen Joint Comprehensive Plan of Action" zu riskanten Geschäften mit dem iranischen Regime verleitet werden.

Tatsächlich sei jedoch weder ein Abkommen mit dem Iran abgeschlossen noch unterzeichnet. Ein "Joint Comprehensive Plan of Action" solle erst auf der Grundlage der Lausanner Erklärungen erreicht werden, zu der äußerst unterschiedliche Interpretationen der USA, Frankreichs, der EU und des Iran vorlägen. Klar sei lediglich, dass weiterhin schwerwiegende Differenzen bestünden, insbesondere bezüglich der Aufhebung von Sanktionen.

So arbeitet das Regime

Die iranische Wirtschaft und insbesondere der Außenhandel stünden größtenteils unter staatlicher Kontrolle eines Regimes, das die eigene Bevölkerung massiv unterdrücke, den Holocaust leugne, Israel mit der Vernichtung drohe, Homosexuelle hinrichte, den "weltweiten Terror" finanziere und die internationale Seefahrt behindere, wie sich vergangene Woche durch die iranische Attacke auf das Schiff Maersk Tigris gezeigt habe. Es sei äußerst befremdlich, "dass solch ein Regime für die WKÖ offenbar ein bevorzugter Handelspartner sein soll".

"Stop the Bomb"-Aktivisten wollen am Dienstag vor der Wirtschaftskammer in Wien die Teilnehmer des Seminars über den "Charakter des iranischen Regimes und die Gefahren von Iran-Geschäften informieren".

Kommentare

christian95 melden

In der ÖVP geht es drunter und drüber!
Wieder einmal beweist Leitl (ÖVP OÖ) dass er der bessere Wirtschaftsminister wäre (gegen Mitterlehner ÖVP OÖ).
Dann gibt es auch noch einen Erwin Pröll (ÖVP NÖ) der sich ebenfalls als besserer Parteiobmann und zukünftiger Bundespräsident fühlt.

christian95 melden

Zufällig bringen sich beide "möchte-gern-Bundespräsidenten" Pröll und Leitl in Stellung..... (Siehe News Innenpolitik)

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