Wirtschaftsexperten schlagen jetzt Alarm:
Schrottprämie bloße Geldverschwendung?

Kurbelt nur die Auto-Produktion in Osteuropa an Steuergelder für zweifelhafte Maßnahme verwendet

Wirtschaftsexperten schlagen jetzt Alarm:
Schrottprämie bloße Geldverschwendung? © Bild: APA/DPA/Ebener

Der Autobauer Ford in Deutschland ist erleichtert. Ursprünglich war auch für das Kölner Werk Kurzarbeit vorgesehen. Das ist nun vom Tisch - zumindest vorläufig. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage müssen im Unternehmen sogar Sonderschichten eingelegt werden. Mehr als 3.300 zusätzliche Autos werden jetzt gebaut und ausgeliefert. Für Unternehmenschef Bernhard Mattes ist klar, wen man dafür zu Dank verpflichtet ist: der Abwrackprämie.

Der Ansturm bei Neuwagenkäufen scheint dem Konzept recht zu geben. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich schnellten die Verkaufszahlen in die Höhe. Bis zum Jahresende wurden in Österreich Mittel für 30.000 Neuwagen zur verfügung gestellt. Diese Grenze wird aller Voraussicht nach schon im Herbst geknackt.

Die Gewerkschaft klatscht Beifall zur Verschrottungsprämie. Die IG-Metall in Deutschland sieht darin ein probates Mittel, um Arbeitsplätze mittelfristig zu erhalten.

Skepsis der Experten
Experten bezweifeln jedoch die ökonomische Sinnhaftigkeit der Prämie. Am schärfsten formuliert es Justus Haucap, Vorsitzender der staatlichen Monopolkommission: "Die Abwrackprämie ist Geldverschwendung auf Kosten des Steuerzahlers." Kern der Kritik ist, dass mit der Prämie vor allem die Produktion in Osteuropa angekurbelt wird. Außerdem vermuten Experten, dass damit keine neue Nachfrage geschaffen wird, sondern die Käufe nur vorgezogen werden.

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich sind Experten skeptisch gegenüber der Prämie. Hier sei die Situation noch spezieller als bei unserem Nachbarn. "Deutsche fahren deutsche Autos, Österreicher fahren Autos aus aller Herren Länder, aber keine österreichischen. Wir kurbeln damit die Wirtschaft anderer Länder an und helfen in selektiver Weise den österreichischen Autohändlern, einer Branche, in der es nicht viele Arbeitsplätze gibt", meint IHS-Chef Felderer.

Neben den zweifelhaften Erfolgen auf der Produktionsseite dürften auch die Auswirkungen am Markt auch schwer abzuschätzen sein. Haucap etwa fürchtet damit einen Verfall der Gebrauchtwagenpreise. "Durch die staatliche Förderung verlieren Millionen Gebrauchtwagen an Wert", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Dies treffe deutsche Premiummarken wie Audi, Mercedes und BMW, weil sich die Nachfrage hin zu kleinen Neuwagen verschiebe.
(red)