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Kreuzer Griechenland ohne Rettungsboot

Martin Kwauka über die Gefahr, dass ein Euro-Staat unkontrolliert pleitegeht.

Wirtschaft - Kreuzer Griechenland ohne Rettungsboot © Bild: FORMAT

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Kreuzfahrtschiff auf hoher See. Plötzlich fällt Ihnen auf, dass nirgendwo Rettungsboote zu sehen sind. Sie fragen den Kapitän, der zufällig vorbeikommt, wo diese verborgen sind. Seine Antwort: Es gibt gar keine. Bei diesem Schiff sei es nämlich komplett ausgeschlossen, in Seenot zu geraten. Es sei vollkommen unsinkbar, deshalb gebe es nicht einmal einen Plan für den Fall der Fälle.

Die Gefahr ignoriert. Bei einem Schiff ist eine derart unverantwortliche Leichtsinnigkeit völlig ausgeschlossen. Auch bei Flugzeugen sind die Piloten auf jeden nur denkbaren Vorfall intensiv vorbereitet. Bei der Schaffung der Eurozone hat man dagegen nach dem Motto gehandelt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Möglichkeit der Pleite eines Mitgliedsstaates wurde einfach nicht vorgesehen. Die EU stellte deshalb auch keinerlei Regeln auf, was im Falle einer Insolvenz mit den Staatsschulden passiert.

Wenn die Euro-Politiker rechtzeitig Gesetze für die Pleite eines Mitgliedslandes aufgestellt hätten, könnte das Verfahren so ablaufen, dass sich der Schaden für die Nachbarstaaten und damit für die gesamte Eurozone halbwegs in Grenzen hält. Stattdessen wird erst jetzt nach vielen teuren Rettungspaketen versucht, einen echten Plan B zu entwickeln – möglicherweise zu spät. Dieser sträfliche Leichtsinn könnte sich bitter rächen. Es droht Griechenland im schlimmsten Fall eine unkontrollierte Pleite wie bei der amerikanischen Lehman-Bank am 15. September 2008. Damals erfassten die Schockwellen innerhalb von wenigen Stunden die gesamte Finanzwelt. Die Steuerzahler müssen noch jahrelang den Gürtel enger schnallen, um die dadurch aufgeschütteten Schuldenberge abzutragen. Man kann nur hoffen, dass Griechenland nicht noch mehr Chaos anrichtet.