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10 Jahre nach Krisenbeginn – Pleitewelle gestoppt

In Westeuropa niedrigste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit 2008.

Wirtschaft - 10 Jahre nach Krisenbeginn – Pleitewelle gestoppt © Bild: apa/Andreas Gebert

In Österreich gab es laut Creditreform 2016 um 2,1 Prozent mehr Firmenpleiten als 2015. Dennoch sei die Zahl mit 5534 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre gelegen.

Zehn Jahre ist es her, dass die internationale Finanzkrise in den USA ihren Ausgangspunkt genommen hat. Die Krise führte auch in Europa zu einem heftigen Konjunktureinbruch – und damit zu einer höheren Zahl an Firmeninsolvenzen. Nun entspannt sich die Lage. 2016 ging die Zahl der Unternehmenspleiten in Westeuropa zum dritten Mal in Folge zurück, berichtete der internationale Gläubigerschutzverband Creditreform am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Konkret verzeichnet man ein Minus von 3,3 Prozent auf 169.455 Insolvenzen. Grund dafür sei, dass die konjunkturelle Erholung in Europa zunehmend in Schwung komme. Dennoch sei die Zahl der jährlichen Insolvenzfälle immer noch höher als vor der Finanzkrise.

5534

In Österreich gab es laut Creditreform 2016 um 2,1 Prozent mehr Firmenpleiten als 2015. Dennoch sei die Zahl mit 5534 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre gelegen.

Für die österreichische Wirtschaft besonders interessant ist der Blick nach Mittel- und Osteuropa. Dort gibt es mit Kroatien, Litauen und Slowenien einige starke Ausreißer, die die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Region im Vorjahr nach oben getrieben haben. In vielen anderen Ländern ist es hingegen zu deutlichen Rückgängen gekommen.

Eine besondere Situation ortet man bei Creditreform in Russland und der Türkei. Dort gibt es auf dem Papier deutlich weniger Insolvenzen. Hier spiele jedoch eine gewisse „Präsidial-Macht“ eine Rolle. In Russland würden viele Betriebe in Schieflage einfach liquidiert und nicht als Insolvenz gezählt. In der Türkei versuche die Regierung Erdogan mit Stützungsmaßnahmen dem Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. Beides wirkt sich naturgemäß positiv auf die Statistik aus. In der Ukraine hingegen widerspiegelt der Anstieg der Firmenpleiten um 45 Prozent den freien Fall, in dem sich die Wirtschaft befindet.

»Ich halte das für eine gesellschaftspolitische Bombe«

Positive Seiten können die Gläubigerschützer Veränderung im Insolvenzrecht abgewinnen, die es in den vergangenen Jahren in mehreren osteuropäischen Ländern gegeben hat: „Die Rechtssicherheit hilft“, sagt Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Es sei immer gut, wenn es ein funktionierendes Insolvenzrecht gibt. Gerade Exporteure, wie es ja viele österreichische Unternehmen sind, stünden vor dem Nichts, wenn ein Geschäftspartner einfach ohne Insolvenzverfahren gelöscht werde.

Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform in Österreich, verweist darauf, dass das Insolvenzrecht ein wichtiges Kriterium für eine Investitionsentscheidung im Ausland sei. Es gehe um einen guten Ausgleich zwischen Schuldner- und Gläubigerinteressen.

Hart ins Gericht geht Weinhofer mit der ab Juli geplanten Lockerung bei den Privatinsolvenzen in Österreich. „Ich halte das für eine gesellschaftspolitische Bombe“, sagt Weinhofer. Bisher würden Gläubiger bei Privatinsolvenzen rund 20 bis 22 Prozent Quote erzielen können. In Zukunft werde ein Großteil zulasten der Gläubiger wegfallen. Weinhofer fordert, dass Gläubiger mehr Zugang zu Bonitätsdaten von Privatschuldnern erhalten sollte, um „Waffengleichheit im Geschäftsverkehr“ herzustellen.

Gläubigerverbände sollten zum Beispiel Zugriff aufs Exekutionsregister erhalten, lautet eine Forderung der Creditreform. Besonders gefährdet durch uneinbringliche Forderungen gegenüber Privaten seien Online-Händler, Banken, Versicherungen, Leasing-Firmen, aber auch Handwerker. Es sei prinzipiell gut, dass mehr Schuldner Zugang zur Möglichkeit einer Privatinsolvenz erhalten, meint Weinhofer. Dies könne aber nicht zu 100 Prozent zulasten der Gläubiger gehen. Weinhofer will nun abwarten, wie die Umsetzung in der Praxis laufen wird.

Kommentare

So ein Schwachsinn! Sich damit vielleicht auch noch rühmen!!Arbeitslose ohne Ende, Ausländer belegen Plätze für uns Österreicher! Zuerst wir und was übrig bleibt an Ausländer!! Eine Sauerei!

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