Fairtrade: Alles nur Greenwashing?

Das Gütesiegel ist beliebt und steht zugleich in der Kritik.

Wiener Neustadt ist seit 10 Jahren stolze Fairtrade-Gemeinde. Man schmückt sich gerne mit der Auszeichnung und möchte Vorbild für die Beschaffung von Produkten mit dem Fairtrade-Gütesiegel sein. Das Siegel steht allerdings in der Kritik.

von Wirtschaft - Fairtrade: Alles nur Greenwashing? © Bild: FAIRTRADE Österreich/Kato

Das Logo prangt auf Bananen, Kaffee oder Schokolade und liefert immer ein wenig gutes Gewissen mit. Das Fairtrade-Siegel steht für einen bewussten Einkauf und man sieht es immer häufiger. Auch Städte werben gerne mit dem Logo. So auch Wiener Neustadt, die seit 10 Jahren eine Fairtrade-Gemeinde ist und vor wenigen Tagen ihr Jubiläum feierte. „Wir in Wiener Neustadt nehmen den Status der Fairtrade-Gemeinde ernst“, heißt es von Seiten der Stadt, „wann immer wir Produkte verwenden, die regional nicht zu beschaffen sind, verwenden wir faire Produkte“. So unterstütze man gleichermaßen die regionalen Produzenten sowie auch die fairen Arbeitsbedingungen der Menschen in sogenannten Entwicklungsländern. Die Auszeichnung habe zudem positive Auswirkungen auf die Gemeinde, denn man verbinde mit Wiener Neustadt dadurch „nicht nur infrastrukturelle und kulturelle Besonderheiten sondern auch Engagement für Nachhaltigkeit, was das Image der Stadt ohne Zweifel positiv stärkt“.

Schickes Images durch Greenwashing?

Mit dem Siegel schmücken sich Städte gerne, denn damit lässt sich leicht das Image aufpolieren. Greenwashing nennt sich das dann. Genau das steht in der Kritik. In Deutschland hat sich die Gewerkschaft für Nahrung-Genuss-Gaststätten nach der 500. Vergabe des Titels „Fairtrade-Town“ nun kritisch geäußert. Denn das Siegel würde gerne angenommen werden, ohne auf die Einhaltung gewerkschaftlicher Standards im Fairen Handel vor Ort einzugehen. „Wer Starbucks das bekannteste Fairtrade-Siegel verleiht, muss auch den Mund aufmachen, wenn unfaire Löhne gezahlt werden“, hieß es von Seiten der Gewerkschaft gegenüber der deutschen Zeitung TAZ.

„Eine „Fairtrade-Gemeinde“ ist kein Siegel, sondern ein Titel zur Motivation“, erläutert Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Eine Stadt wird somit auch nicht wie ein Produkt kontrolliert. Die Gemeinden erhalten diesen Titel als Würdigung für ehrenamtliches Engagement, das dort zum Thema fairer Handel stattfindet. In Wiener Neustadt wird beispielsweise der Weltladen von Ehrenamtlichen betrieben und dies stellt laut der Stadt einen „wesentlichen Wert für die Bürgergesellschaft“ dar. Eine Fairtrade-Gemeinde soll sich dafür einsetzen, dass diese Produkte für die Bevölkerung leicht verfügbar und in betrieben, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen verwendet werden.

Fairtrade-Siegel gibt es nur für Produkte

Für den Fairtrade-Geschäftsführer ist es wichtig zu betonen, dass „Fairtrade ein Produktsiegel und kein Handelssiegel ist“. Man könne nicht die Arbeitsbedingungen der gesamten Lieferkette zertifizieren. Fairtrade sieht sich in erster Linie verantwortlich für die Verbesserung der Bedingungen im globalen Süden. Um die Umstände bei uns vor Ort zu kontrollieren gäbe es andere Instanzen, wie Gewerkschaften. Mit denen arbeite man in Österreich zusammen. Die Kritik, dass man mit dem Siegel auch Unternehmen unterstütze, die in anderen Bereichen nicht den Idealen des fairen Handels nachgehen, weist Fairtrade von sich. „Wir glauben, dass es wichtig ist Unternehmen zu belohnen, auch wenn es nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit betrifft“. Es wäre somit unmöglich ein Unternehmen wie beispielsweise Nestlé zu zertifizieren, ein einzelnes Produkt hingegen schon.

Fairtrade ist nicht gleich Fair Trade

Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben dazu, wann ein Produkt als „fair“ gilt. Der Begriff ist nicht geschützt und so kann theoretisch jeder Hersteller sein Produkt als „fair“ deklarieren. Was genau „Fair Trade“ ist liegt im eigenen ermessen. „Fairtrade“ wiederum ist eine eingetragene Marke. Das Logo kennzeichnet Produkte bei denen bestimmte Kriterien des fairen Handels eingehalten werden. Es handelt sich um ein Sozialsiegel, das garantiert, dass Kleinbauern auch bei schwankenden Weltmarktpreisen einen kostendeckenden Preis für ihre Waren erhalten. Langfristige Handelsbeziehungen werden angestrebt und ökologische Bewirtschaftung wird gefördert.

Allerdings wurde 2011 der notwendige Mindestanteil an fair gehandelten Zutaten für das Fairtrade-Siegel von 50 auf 20 Prozent gesenkt. Zudem müssen auch alle anderen Zutaten nur fair gehandelt werden, wenn dies erhältlich ist. Für den Konsumenten ist dies nur schwer durchschaubar und diese Einschränkungen stehen oft in der Kritik. Dass der Einzelhandel häufig besser an dem Logo verdient, als der Produzent tut hier sein übriges. Trotzdem ist das Siegel wichtig. „Für uns ist es von Bedeutung, dass es den Bauern im globalen Süden, also den schwächsten Gliedern in der Kette, besser geht“, betont Kirner und ergänzt: „Das heißt nicht, dass diese bald einen Mercedes vor der Tür stehen haben, aber ihren Familien soll es gut gehen und sie sollen fair bezahlt werden“.