"Wir haben Wahlkampf": VP-naher ÖBB-Chef Martin Huber weist SP-Angriffe zurück

Zu Goldmann: "Angemessenheit war überschritten" Bundesbahnen sollen zu "Top-Bahn Europas" werden

ÖBB-Chef Martin Huber verteidigt die Auftragsvergaben der Bahn an Mitglieder des ÖBB-Aufsichtsrates. Die Angriffe der SPÖ (Stichwort: Familiengeschäfte) führt der VP-nahe Manager auf den laufenden Wahlkampf zurück. Die Mitarbeiter der ÖBB will Huber bis 2008 auf unter 40.000 reduzieren, wie er am Samstag in der Ö1-Radioreihe "Im Journal zu Gast" sagte. Das Ziel laute, bis 2010 zur "Top-Bahn Europas" zu werden.

Huber war im Zuge der Debatte um Personenverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann unter Beschuss gekommen. Der SP-nahen Goldmann war vorgeworfen worden, Firmeninfrastruktur für private Zwecke (den Verein Opernwerkstatt Wien) verwendet zu haben. Dabei wurde bekannt, dass ÖBB-Aufsichtsräte gleichzeitig als Auftragnehmer der Bahn auftreten und dass Hubers Frau in der Telekom-Immobilienentwicklung tätig ist, obwohl Telekom-Vorstand Rudolf Fischer im ÖBB-Aufsichtsrat sitzt. Fischers Frau arbeitet wiederum in der ÖBB-Unternehmenskommunikation.

"Jetzt haben wir Wahlkampf, hier wird teilweise übergespielt", weist Huber die diesbezüglichen Vorwürfe der SPÖ zurück. Auch die Auftragsvergaben an ÖBB-Aufsichtsräte verteidigt der Bahn-Chef. Wären alle Aufsichtsräte von ÖBB-Aufträgen ausgeschlossen, dann würde man bald keine kompetenten Aufsichtsräte mehr finden, meint Huber. Die Auftragnehmer seien Bestbieter gewesen: "Wenn es zum Wohl des Unternehmens ist, dann ist es auch moralisch vertretbar."

Das Vorgehen gegen Goldmann (der Managerin wurde zwischenzeitlich mit fristloser Entlassung gedroht) begründet Huber mit der Dimension des Falles. Dass Goldmann lediglich Firmenmittel im Wert von maximal 2.000 Euro privat beansprucht habe, weist er zurück: "Es war mehr." Wieviel will er allerdings nicht sagen, aber: "Die Angemessenheit war aus unserer Sicht überschritten."

Zu seinem Verhältnis zu Goldmann meinte Huber: "Wenn es Teamspieler gibt, die aus dem Team ausscheren und in die andere Richtung gehen, dann ist das ein Problem für den Konzern und nicht akzeptabel." Ein vorzeitiges Ausscheiden der ÖBB-Personenverkehrschefin aus ihrem Vertrag schloss Huber jedoch aus.

Was die Entwicklung der Bahn angeht, rechnet Huber damit, dass der Mitarbeiterstand bis 2008 auf unter 40.000 gesenkt werden kann. Außerdem sei man derzeit "mitten in der Erneuerung der Nahverkehrszüge" und wolle bis 2010 die "Top-Bahn Europas" werden. Außerdem werde es ab Dezember einen "Sprinter" von Wien nach Graz mit geben, der mit einem einzigen Aufenthalt in Bruck/Mur die Fahrzeit zwischen den beiden größten österreichischen Städten deutlich reduzieren werde.
(apa)