"Wir haben null mitgekriegt": Nachbarn von mutmaßlichen Entführer sind geschockt

"Hier kümmert sich keiner um den anderen" Täter soll eher ein Einzelgänger gewesen sein

"Wir haben null mitgekriegt", zeigt sich ein älteres Ehepaar fassungslos. Die beiden wohnen in der Heinestraße 39. Haus 60 wurde großräumig abgesperrt. Laufend trafen Kriminaltechniker ein, die die Räumlichkeiten untersuchten. Zwei Burschen kommen auf dem Moped: "Geil", sagte der eine. Sie haben vom dem Polizeieinsatz gehört und sind rasch in ihren Heimatort gefahren.

Aber wirklich gekannt dürfte den mutmaßlichen Täter kaum jemand haben. "Er war ein Einzelgänger", schildert ein älterer Mann, der schon dessen Eltern und Großeltern gekannt hatte. Der Vater des Verdächtigen sei mit 40 Jahren an Krebs gestorben, mit dem Sohn habe er keinen Kontakt gehabt. "Dem Auto nach zu urteilen hat er gut verdient", aber was er gearbeitet hatte, weiß der Mann nicht.

"Unvorstellbar", schüttelt ein junger Bulgare den Kopf, der seit sechs Jahren mit seiner Familie in Strasshof wohnt. Er hätte niemals gedacht, dass solche Vorfälle in westlichen Ländern passieren könnten.

Mit den "Neuen" wird nicht geredet
"Hier kümmert sich keiner um den anderen", hat eine Hundebesitzerin einen Erklärungsversuch für etwas, das sie selbst für unvorstellbar hält: Dass niemand etwas bemerkt hat. "Die 'Pioniere', die schon 35 Jahre und länger da leben, reden mit den 'Neuen' nicht", meint die temperamentvolle Frau - nach Eigendefinition "unbeliebt", weil sie sich eben "um alles kümmert".

Seit fünf Jahren wohnt sie in der Nachbarschaft. Von Wolfgang P. weiß sie nur, dass er sich vor einem Jahr einen neuen Zaun hat machen lassen und ein teures Auto fuhr. Der weiße Kleinbus des Mannes sei jahrelang am hinteren Gartenweg geparkt gewesen. Die Fragen, wie man ein solches Doppelleben unbemerkt führen kann und auch, was so jemand empfindet, bleibt - natürlich - auch für sie unbeantwortet. "Eine Tragödie", meint ein 80-Jähriger zu dem unfassbaren Geschehen.

(apa/red)