"Wir haben bisher noch nichts erreicht":
Martin Stranzl steigt auf Euphorie-Bremse

Burgenländer erwartet hartes, aber faires Match Kein Bangen um Lufthoheit trotz Ausfall von Prödl

"Wir haben bisher noch nichts erreicht":
Martin Stranzl steigt auf Euphorie-Bremse © Bild: Reuters/Zolles

Im derzeit vorherrschenden Trubel vor dem entscheidenden Spiel der EURO-Gruppe B gegen Deutschland ist der österreichische Fußball-Teamverteidiger Martin Stranzl auf die Bremse gestiegen. Zwar lebe die Chance auf den Aufstieg in die Runde der letzten Acht, allerdings habe man bisher keine wirklich zählbaren Erfolge eingefahren, mahnte der Verteidiger von Spartak Moskau.

"Wir haben uns ein bisschen ins Rampenlicht gespielt, diese Leistung gilt es jetzt zu bestätigen oder sogar noch zu toppen, damit wir ins Viertelfinale kommen. Dann kann man von Euphorie sprechen. Aber wenn man der Wahrheit ins Auge sieht, haben wir mit dem einen Punkt bisher nichts erreicht", betonte der Burgenländer, der ausgerechnet am Tag des Duells mit seiner langjährigen Wahlheimat seinen 28. Geburtstag feiert. "Man wird sehen, inwiefern mir das Glück bringt."

Der Abwehrspieler kam bereits als 16-jähriger zu 1860 München und spielte danach auch noch für den VfB Stuttgart. "Allein schon deswegen ist es ein besonderes Spiel, und weil es um alles geht. Die Mannschaft ist in der Lage, Geschichte zu schreiben. Diesen Druck haben wir, und Deutschland hat den Druck, dass sie natürlich wieder Favorit sind."

Aus seiner Zeit bei Stuttgart kennt er unter anderem DFB-Stürmer Mario Gomez. "Damals war er gerade am Sprung in die Kampfmannschaft." Im Gedächtnis sind Stranzl noch diverse Aufeinandertreffen mit Miroslav Klose geblieben. "Er hat einmal gesagt: 'Der Martin Stranzl war mein unangenehmster Gegenspieler, der hat mich nur getreten.' Das war in seiner Anfangszeit bei Kaiserslautern. An den Spruch erinnere mich immer wieder gerne. Irgendwo ist es ein Kompliment zeugt auch von Respekt", sagte der bald 28-Jährige, der diesmal allerdings kein allzu kampfbetontes Match erwartet. "Das Spiel wird hart, aber von beiden Seiten fair geführt werden."

Deutsche gegen Kroatien "nicht schlecht"
Er habe die DFB-Auswahl beim 1:2 gegen Kroatien nicht so schlecht gesehen wie manche deutsche Medien. "Die Deutschen haben einen guten Eindruck hinterlassen, sehr diszipliniert gespielt und sind topfit. Ich würde nicht sagen, dass sie gegen Kroatien schlecht waren", behauptete Stranzl.

Der Verteidiger wehrte sich auch gegen die These, dass der deutsche Kick schlechter als sein Ruf sei. "Der deutsche Fußball wird nicht überschätzt, immerhin sind die Clubs regelmäßig in der Champions League und auch im UEFA-Cup vertreten. Es wäre nicht fair, das zu sagen, nur weil die Deutschen einmal verloren haben", sagte Stranzl und ergänzte: "Aber unser Fußball wird ein bisschen unterschätzt."

"Eine Einheit geworden"
Dies ist jedoch nicht ganz unverständlich, denn "wir haben in den letzten Jahren viele Tiefs durchschritten. Aber wir haben uns davon nicht irritieren lassen und sind eine Einheit geworden", erklärte Stranzl und wurde in seiner Meinung von Emanuel Pogatetz bestärkt. "Wir haben uns aufgrund der vielen Spiele gegen Top-Nationen weiterentwickelt."

Den ultimativen Beweis für diese Aussage können die ÖFB-Kicker am Montag abliefern - allerdings ohne Sebsatian Prödl, der nach zwei Gelben Karten zuschauen muss. Die beiden Verwarnungen für den künftigen Verteidiger von Werder Bremen bezeichnete Stranzl als "naiv. Wenn man sich schon Gelb abholt, dann muss es wehtun oder taktisch wichtig sein".

Im Luftkampf "ausreichend besetzt"
Der Ausfall des kopfballstarken Prödl wiege zwar schwer, dennoch rechnet Stranzl nicht mit einer österreichischen Unterlegenheit in der Luft. "Ich glaube schon, dass wir dahingehend ausreichend besetzt sind."

Nur ein Randthema ist für Stranzl die Aufregung um das "Hosenscheißer"-Zitat von Martin Harnik. "Aber es ist interessant für die Medien, so einen Spruch rauszulocken", sagte der Burgenländer und meinte in Richtung Harnik: "Der eine oder andere muss sich mehr zurückhalten."
(apa/red)

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