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Futuristisches Konzept:
Windturbinen unter Brücken

Heimische Experten lehnen die aus Italien stammende Idee jedoch ab

Fakten - Futuristisches Konzept:
Windturbinen unter Brücken © Bild: Coffice

Wollen wir unsere Energie über kurz oder lang komplett aus erneuerbaren Quellen beziehen, kommen wir auch an einem weiteren Ausbau der Windkraft nicht vorbei. Das Problem dabei: Niemand will Windräder in seiner Nähe. Ein innovatives Konzept aus Italien könnte Abhilfe schaffen, Experten sind jedoch skeptisch.

Auch wenn Strom aus Windkraft in Österreich verglichen mit Wasserkraft eine untergeordnete Rolle spielt, trägt die bewegte Luft ihren Teil zum heimischen Energiemix bei. 1.119 Windräder erzeugen jährlich 5,2 Milliarden Kilowattstunden und decken damit immerhin 8,7 Prozent des Strombedarfs.

Doch die Windparkbetreiber haben ein Problem: Niemand will die riesigen Windräder in seiner Nachbarschaft stehen haben. Einerseits sind sie aufgrund ihrer optischen Wucht vielen ein Dorn im Auge, andererseits gibt es immer wieder Bedenken von Vogelschützern. Und natürlich gibt es regelmäßig Klagen von Anrainern bestehender Windparks über negative gesundheitliche Auswirkungen der gewaltigen Rotoren, deren Infraschall für eine ganze Reihe von Beschwerden, von Kopfschmerzen bis hin zu Stimmungsschwankungen, verantwortlich sein soll.

Futuristisches Konzept

All diese Probleme sollen zukünftig der Vergangenheit angehören, wenn es nach dem italienischen Architekturbüro „Coffice“ geht. Die Römer haben ein Konzept erstellt, in dem sie Windkraftanlagen unter Brücken ansiedeln. Bevorzugt unter baufälligen, jedenfalls wurde die Idee in Hinblick darauf entwickelt.

© Coffice Die Anzahl der Windräder richtet sich nach den lokalen Gegebenheiten

Im Jahr 2010 überlegte die italienische Regierung, was sie mit mehreren nicht weiter benötigten Viadukten tun sollte. Als Alternative zum Abreißen der riesigen Konstruktionen schlugen die Architekten vor, Windräder zwischen die Stützpfeiler der Brücken zu montieren. „Anstatt die außergewöhnlichen Viadukte zu zerstören, könnte man ihnen dadurch ein zweites Leben schenken“, erklärte der Projektverantwortliche bei „Coffice“, Francesco Colarossi, dem Online-Magazin „Co.Exist“ die Idee.

Projekt liegt in Italien auf Eis

Die Rotoren könnten komplett in die bereits bestehenden Brückenstrukturen integriert werden, wodurch nicht weitere, bisher noch unverbaute, Naturlandschaften durch Windparks verschandelt werden müssten. Zwar konnte das Büro mit dem Konzept sogar den zweiten Platz beim internationalen Ideenwettbewerb „Solar Park South“ gewinnen, dennoch liegt das Projekt in Italien mittlerweile aufgrund der Wirtschaftskrise auf Eis. Nun hofft man bei „Coffice“ auf die Aufnahme ihrer Idee in anderen Ländern.

© Coffice Entwurf für eine Windkraft-Brücke in Kalabrien

Heimische Experten sind freilich skeptisch, was die Durchführbarkeit betrifft. Als „liebe Idee“, die aber leider an den Bedürfnissen moderner Windparks vorbei gehe, bezeichnet etwa die IG Windkraft, die Interessensvertretung der heimischen Windenergieindustrie, das Konzept. „Nicht ohne Grund“ würden heutige Windräder bis zu 200 Meter hoch ragen. In dieser Höhe sei der Wind konstanter, folglich der Ertrag höher. Ab 100 Meter Höhe steigt der Ertrag pro weiterem Meter um ein Prozent, so die Faustregel. Zwar sei die Sinnhaftigkeit bei dem einen oder anderen Standort „nicht auszuschließen“, jedoch nur in Sonderlagen, an denen beispielsweise oftmals Föhnwetterlagen zu tragen kommen.

Ablehnung auch bei Umweltschützern

Umweltschützer beurteilen die Situation gleich wie die Windkraft-Lobby. „Aus einem Energieertragsstandpunkt hat es einen Grund, warum Windräder dort stehen, wo sie stehen“, kommentiert der Umweltdachverband das italienische Konzept. Zusätzlich müssten auch gesetzlich festgelegte Mindestabstände beachtet werden – und zwar nicht nur zu Siedlungen, sondern auch zu Infrastruktureinrichtungen wie Straßen oder Leitungen. Und schließlich stelle sich auch die Frage, ob die jeweilige Brücke überhaupt den von den Rotoren ausgelösten Schwingungen standhalten würde.

© Coffice An der Brücken-Oberseite wären zusätzlich Solarzellen denkbar

Am Ende dürften die stromerzeugenden Brücken also wohl nur ein zwar spannendes, aber nicht wirklich sinnvolles Konzept bleiben. Zumindest hierzulande. Anders sieht es da in Spanien aus. Für ein entsprechendes Projekt unter der Juncal-Brücke auf Gran Canaria erstellte die Londoner Kingston-Universität im vergangenen Sommer eine Machbarkeitsstudie, berichtete „Science Daily“. Das Ergebnis: Durch zwei Turbinen mit je etwa 0,25 Megawatt Leistung könnten 450 bis 500 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Folgestudien, wie etwa zur benötigten elektrischen Anbindung wurden in Auftrag gegeben.

Kommentare

strizzi1949

Aha - in Spanien geht das, aber in Italien nicht!? Ich denke, das ist dann ein italienisches Problem und die Windturbinen unter den Brücken können da nix dafür!

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