Wimbledon Herren Finale von

Die Machtübernahme

Novak Djokovic schießt Rafael Nadal mit 6:4, 6:1, 1:6, 6:3 vom Tennis-Thron

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    Novak Djokovic: Die neue Nummer 1 der Welt holt auch den Einzel-Titel in Wimbledon

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    Rafael Nadal und Novak Djokovic vor dem Spiel und für den guten Zweck

Sieger in Wimbledon und Nummer eins in der Welt - Novak Djokovic hat die Macht im Herrentennis übernommen. Nur 2:28 Stunden benötigte der neue Tennis-König um Rafael Nadal mit 6:4,6:1,1:6, 6:3 endgültig und eindrucksvoll vom Thron zu stoßen. Dass Roger Federer nicht über das Viertelfinale hinausgekommen ist, untermauert den Machtanspruch des 24-jährigen Serben nur zusätzlich.

"Das ist der beste Tag meines Lebens. Wimbledon ist mein Lieblingsturnier, das Turnier, das ich immer gewinnen wollte", sagte der überwältigte Djokovic bei der Siegerehrung. "Ich denke, ich träume immer noch." Nach seinem Sieg, mit dem er sein schon bisher unglaubliches Tennisjahr krönte, ließ sich der 24-Jährige auf den Heiligen Rasen fallen, jubelte dem angereisten Staatspräsidenten Boris Tadic in der Royal Box zu und verschenkte drei Schläger an Fans im Publikum.

Höhepunkt seiner Jubelorgie war der Moment, als sich Djokovic etwas von den heiligen Halmen in den Mund schob und genüsslich darauf kaute. "Das ist eine Wachablösung in den Grand-Slam-Endspielen", kommentierte der Deutsche Boris Becker, der selbst drei Mal auf dem heiligen Rasen triumphiert hatte.

Die Ära-Djokovic beginnt
Djokovic zementierte mit seinem dritten Grand-Slam-Titel - zwei Mal hatte er bisher in Australien gewonnen - die aktuellen Machtverhältnisse. 48:1 Erfolge - diese unfassbare Bilanz steht für den Serben nach der Hälfte der Saison zu Buche. Nadal musste nach einer der bittersten Pleiten seiner Karriere dagegen einsehen, dass eine neue Ära begonnen hat. "Glückwunsch an Novak für den Sieg und seine fantastische Saison. Er war heute der bessere Spieler", sagte der geschlagene Spanier. "Ich kann mir vorstellen, wie sich Novak heute fühlt."

Der serbische Seriensieger ließ nach einer kurzen Phase des Abtastens keine Zweifel aufkommen, wessen Stunde im Welttennis geschlagen hat. Djokovic hatte seinen Fans einen "D-Day" versprochen - und der neue Weltranglisten-Erste behielt Recht.

Bei den langen Grundlinien-Rallyes der beiden derzeit weltbesten Tennisspieler hatte Djokovic zumeist das bessere Ende für sich. Und als sich Nadal beim Stand von 5:4 eine erste kleine Schwäche beim eigenen Aufschlag erlaubte, schlug der "Djoker" eiskalt zu und holte sich mit einem Weltklasse-Stopp nach 41 Minuten den ersten Satz. Der fünfte Final-Sieg über Nadal in diesem Jahr nahm seinen Lauf.

Djokovic regiert authoritär
Was sich in der Folge auf dem Centre Court des All England Club abspielte, dürfte Nadal noch schlaflose Nächte bereiten. Chancenlos wie selten zuvor musste sich der zehnfache Grand-Slam-Champion im zweiten Satz seinem Schicksal ergeben. Alles schien Djokovic bei der Wachablösung im Herren-Tennis zu gelingen: herrliche Stopps, gefühlvolle Volleys und gnadenloses Power-Tennis von der Grundlinie.

Djokovic spielte sich in einen Rausch. Immer wieder pushte sich der 24-Jährige, schlug sich mit beiden Fäusten auf die Brust und feuerte sich mit lauten "Come On"-Rufen an. Nur zu Beginn des dritten Durchgangs war der Sohn eines Skiprofis kurz unkonzentriert - Nadal ging mit 3:0 in Führung und holte sich den Satz.

Doch danach stand der Mallorquiner im fünften Wimbledon-Finale in Serie - 2009 fehlte er - wieder auf verlorenem Posten. Nach rund zweieinhalb Stunden war Nadals dritte Niederlage im 13. Grand-Slam-Finale perfekt. Es blieb ihm nichts anderes übrig als Djokovic, der gut 1,2 Millionen Euro einstrich, zum achten Turniersieg des Jahres zu gratulieren.