Wimbledon von

Aufschlag im Rasen-Mekka

Federer kann wieder die Nummer 1 werden. Murray kämpft gegen Erwartungen der Briten.

Wimbledon - Aufschlag im Rasen-Mekka © Bild: Reuters/Wermuth

Am Montag geht es im All England Lawn Tennis and Croquet Club ins dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres und die Vorzeichen sind in diesem Jahr besondere: Schließlich werden heuer nur 20 Tage später auf der altehrwürdigen Anlage Olympische Medaillen vergeben. Bei den Herren steht alles wieder im Bann des Nummer 1 der Welt zu werden.

Durch das für seine Verhältnisse frühe Wimbledon-Aus 2011 im Viertelfinale hat Federer die besten Möglichkeiten, zusätzliche Punkte zu machen. Mit einem Sieg könnte er wieder auf den Tennis-Thron steigen, allerdings nur, wenn Djokovic spätestens im Halbfinale verliert.

Murray kämpft mit der Erwartungshaltung
Für Andy Murray heißt es einmal mehr "und jährlich grüßt... Fred Perry". Der Schotte kann den Namen der britischen Tennis-Legende insgeheim vielleicht gar nicht mehr hören, denn Perry war bei den US Open 1936 der bisher letzte Major-Sieger für die einstige Tennis-Großmacht. Und in Wimbledon steigt der Aufmerksamkeitsgrad auf für Murray nur schwer erträgliche Maße. Jeder Schritt des Weltranglisten-Vierten wird auf die Waagschale gelegt, in der verzweifelten Hoffnung, dass er dem Land endlich den so ersehnten Wimbledonsieg schenkt.

Mit 25 Jahren wartet Murray schon länger als viele geglaubt haben auf sein Major-Sieg-Debüt, für manche tickt gar schon die Uhr. "Nur weil Federer einen Grand Slam mit 21 gewonnen hat, sollte das keinen Einfluss darauf haben, wann ich einen gewinnen kann", sagte Murray, der zuletzt dreimal en suite im Wimbledon-Halbfinale stand, im Vorfeld. Es sei letztlich alles Einstellungssache. "Es gibt kein gesetztes Zeitlimit. Lendl (sein Coach, Anm.) hat mit 24 sein erstes Major gewonnen und dann acht weitere."

Alle Matches wie eine Lotterie
Ein bisschen geht es bei diesem Turnier wohl auch um den psychologischen Vorteil mit Blickrichtung Olympia. Ein Sieg im Major würde wohl auch viel Selbstvertrauen für die Spiele drei Wochen später bringen. Allerdings wird im Olympischen Turnier - abgesehen vom Endspiel - nur auf zwei Gewinnsätze spielt. Und da es auf Rasen schnell gehen kann, ist die Ausgangslage diesbezüglich doch ganz anders. "Wenn du auf Rasen nicht mit gutem Selbstvertrauen spielst, dann sind alle Matches wie eine Lotterie, besonders wenn es nur über drei Sätze geht", sagte Nadal nach seinem Viertelfinal-Aus in Halle treffend.

Doch Spaniens olympischer Fahnenträger stand in Wimbledon schon fünfmal im Endspiel und siegte 2008 und 2010. Für ihn ist die Niederlage im Vorfeld ebenso wenig ein Dämpfer wie die Final-Niederlage von Federer in Halle gegen Überraschungsmann Tommy Haas. Federer jagt noch immer den Rekord von Pete Sampras (und aus "Urzeiten" William Renshaw/GBR) von sieben Siegen, einer fehlt dem Schweizer noch. Zuletzt triumphierte der Schweizer 2009.

Kvitova fehlen die Erfolgserlebnisse
Bei den Damen wird die erfolgreiche Titelverteidigung für Petra Kvitova ein sehr schwieriges Unterfangen. Ihre Probe für das dritte Major des Jahres ging am Dienstag in Eastbourne mit einem Erstrunden-Aus gegen Jekaterina Makarowa jedenfalls gründlich in die Hose. Übrigens auch für die dort topgesetzte Agnieszka Radwanska, die sich Tswetana Pironkowa ebenfalls in zwei Sätzen beugen musste. Kvitova versicherte, sie denke über gestiegenen Druck nicht wirklich nach. "Nach Wimbledon hatte ich keine guten Matches oder Resultate, aber das ist normal, weil es das erste Mal war und alles neu war."

Scharapowa ist hungrig auf mehr
Für die Tschechin hat sich das Leben seither drastisch verändert. Sowohl die Medienaufmerksamkeit als auch das Erkanntwerden auf der Straße waren zu Beginn ungewohnt. "Ich werde Gänsehaut bekommen, wenn ich erstmals wieder die Wimbledon-Anlage betrete. Ich fühle mich so geehrt, als Wimbledon-Champion zurückzukehren", sagte Kvitova zuletzt in Eastbourne. Sie hält Maria Scharapowa, die ihr im Vorjahr im Endspiel unterlegen war, für die Favoritin. Die French-Open-Siegerin aus Russland hat in Paris ihren Karriere-Grand-Slam komplettiert und schickt sich nun an, acht Jahre nach ihrem internationalen Durchbruch und Triumph in Wimbledon, neuerlich nach dem Pokal zu greifen.

Und Scharapowa hat mit Sicherheit nicht genug. Nach ihrem Paris-Sieg erinnerte sie sich an die Zeit, als eine ihre Karriere bedrohende Schulterverletzung sie weit zurückgeworfen hatte. "Ich hätte sagen können: ich brauche das alles nicht mehr. Ich habe Geld, Ruhm, Siege und Grand Slams. Aber wenn deine Liebe für etwas größer ist als all das, dann stehst du immer wieder in der Früh auf, auch wenn es draußen friert."