Williams-F1-Team wird Rot-Weiß-Rot: Österreicher Wolff wird Teil-Gesellschafter

Englischer Rennstall verkauft Minderheitsanteil Investor aus Wien Keyplayer bei geplantem Umbau

Williams-F1-Team wird Rot-Weiß-Rot: Österreicher Wolff wird Teil-Gesellschafter © Bild: Reuters

Mit einem Überraschungs-Coup hat der österreichische Finanzinvestor und Autorennfahrer Christian "Toto" Wolff aufgewartet. Der 37-jährige Wiener hat sich mit einer eigens gegründeten Beteiligungs-Gesellschaft einen Minderheitsanteil am britischen Formel-1-Team Williams Grand Prix Engineering Ltd (Williams F1) gesichert und wird auch in den sechsköpfigen Vorstand des in Grove beheimateten Rennstalls, der zuletzt 500 Angestellte und 90 Mio. Euro Budget hatte, eintreten.

Wolff ist seit über einem Jahrzehnt als Finanzinvestor und noch länger als Autorennfahrer in der Szene bekannt. 1998 gründete er mit dem stark auf Technologie-Startups ausgerichteten Unternehmen Marchfifteen eines der ersten Venture-Capital-Unternehmen in Mitteleuropa, das sich um Finanzierungen in Frühphasen kümmert und das er später in Marchsixteen überführte. Auch die Williams-Beteiligungsgesellschaft figuriert unter dem Dach von Marchsixteen.

Als Rennfahrer feierte der in der Schweiz lebende Österreicher vor allem 2006 sehenswerte Erfolge, als er Vizemeister in der österreichischen Rallye-Meisterschaft sowie Sieger des 24-Stunden-Rennen von Dubai wurde. Im April 2009 stellte er auf der Nürburgring-Nordschleife mit einem 500 PS starken Porsche GT3 zunächst einen Streckenrekord auf, ehe er beim Versuch die 7-Minuten-Schallmauer und den Rekord von Niki Lauda zu knacken bei 260 km/h einen schweren Unfall hatte. Wolff kam dabei relativ glimpflich davon.

Williams gibt erstmals seit 1977 und damit dem Bestehen des letzten reinen F1-Privatteams Anteile ab. Der seit 1986 querschnittgelähmte Teamchef und Namensgeber Frank Williams (67) hält 70 Prozent, Firmen-Mitgründer Patrick Head (63) bisher 30 Prozent. "Ich werde nicht ewig leben", erklärte Sir Frank, dass er aus rein privaten Gründen Anteile abgegeben hat und dabei ist, die Zukunft zu ordnen. Er werde aber dennoch die Kontrolle über das Unternehmen behalten, betonte Williams.

Gunst der Stunde
Wolff nutzte die Gunst der Stunde und steigt nach eigenen Angaben deshalb in die Formel 1 ein, weil sich dort durch die zahlreichen Umstrukturierungen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - gefallene Kosten, höhere Einnahmenchancen - drastisch geändert haben.

"Möglichkeiten für eine F1-Beteiligung hat es immer schon gegeben. Bisher sind aber Privatteams mit 150 Millionen gegen Werks-Giganten mit Budgets von 300 Millionen angetreten. Jetzt gibt es durch das "Ressource Restriction Agreement" ein echtes Budget-Cap, die Teams werden nun wie echte Firmen hin auf Profitabilität geführt", erklärte Wolff gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Ihm gefalle, dass sportlicher Erfolg nun mehr denn je unmittelbar verbunden sei mit Wirtschaftlichem.

Williams ist ein Traditionsteam in der Formel 1 und feierte einst Riesenerfolge. Der letzte WM-Titel durch Jacques Villeneuve (1997) liegt allerdings noch länger zurück als der letzte GP-Sieg durch den Kolumbianer Juan Pablo Montoya im Jahr 2004. Für Wolff trägt die Hoffnung auf neue Erfolge zwei Namen: Nämlich jene der beiden Fahrer, Vizeweltmeister Rubens Barrichello und der junge Deutsche Nico Hülkenberg, seines Zeichens GP2-Champion. "Hülkenberg fährt auf dem Niveau von Lewis Hamilton", ist Wolff überzeugt.

Die große Vergangenheit war mit ein Grund, warum Wolff bei Williams andockte. "Williams hat eine Riesentradition. Man führt dort das Team aber gerade in die Next-Generation. Sie wollten auch nicht nur einen Investor, sondern einen, der was vom Geschäft versteht." Er sehe seinen Direktoren-Job im Vorstand deshalb durchaus auch so, dass er auch bei strategischen Entwicklungen mitsprechen werde.

Die Höhe der Beteiligung liege zweistellig, also zwischen 10 und 49 Prozent und sei langfristig, bestätigte Wolff, dass eine Aufstockung seiner Anteile vorstellbar sei.

(apa/red)