Interview von

Willi Resetarits: "Die
Mehrheit ist die, die jammert"

Interview - Willi Resetarits: "Die
Mehrheit ist die, die jammert" © Bild: lukasbeck.com

Willi Resetarits kennt die Steiermark von allen Seiten. Der Vorzeigekünstler über seine Art des Wanderns in Aussee, das Glück der Pensionisten und die Pubertätsgesichter in Greisen.

Aufgewachsen an der Grenze in Stinatz, nun der Liebe wegen oft in Aussee: Willi Resetarits kennt die Steiermark, salopp gesagt, von rechts unten nach links oben. Wie war denn als Kind Ihr erster Eindruck von den Steirern?
Ich war im Haus der Großeltern und da hat mir irgendwas nicht gepasst. So habe ich beschlossen, mit zweieinhalb Jahren zu emigrieren und so habe ich mich aufgemacht nach „Steire“, ins Steirische. Über eine Wiese mit Streuobst. Und wie ich das großelterliche Anwesen nach ungefähr 50 Metern verlassen musste, ist mir ein bisschen mulmig geworden. So habe ich dort dann gewartet, bis mich wer zurückholt.

Und wie war es später, als Sie sich über die Grenze wagten?
Der kindliche Steiermark-Bezug war, dass es in Stinatz kein Freibad gegeben hat. Das haben wir Kinder sehr bedauert, aber in Neudau hat es eines gegeben. Dort sind wir im tiefen Becken fast ertrunken, da keiner schwimmen konnte. Wo hätten wir es lernen sollen? Im Waschtrog am Freitag?

Wie haben die steirischen Kinder auf die Fremden aus der Nähe reagiert?
Gut. Erst später hat es kleine Rivalitäten gegeben, weil Stinatz traditionell viele Wirtshäuser hatte und da sind halt die steirischen Burschen gekommen. Sie hörten, dass die Stinatzerinnen fesch und möglicherweise willig sind. Das war aber nur die Legende.

Jetzt haben Sie eine andere steirische Heimat.
Der Ostbahn-Kurti ist adoptiert worden. Im Ausseerland. Meine Frau ist von dort, wir haben uns langsam angenähert, weil sie ein riesengroßer Ostbahn-Kurti-Fan war. Was aber nicht heißt, dass sie den Kurtl haben wollte, sie wollte nur die Konzerte. Das hat halt hübsch eine Zeit gedauert, bis wir draufgekommen sind: Nein, da muss mehr sein. Wir müssen zusammengehen.

Ist ja auch schön, wenn das seine Zeit dauert.
Ja, und so bin ich ein irgendwie eingeheirateter Ausseer geworden. Aber das gilt nicht viel. Und das trifft sich gut bei mir, weil ich mich auch nicht anbiedere. Wir lieben es, im Ausseerland irgendwo ein Jagdhaus zu haben, wo man nur am Forstweg hinkommt und uns diskret zu verhalten. Ich bin nicht der Ausseer Wiener, der sich die Lederhosen anschneidern lässt oder so quasi immer darauf schielt, ob er vielleicht ganz kurz einmal am Stammtisch sitzen darf, weil er sich dann geadelt fühlt.

Sie wandern lieber.
Die Landschaft verändert sich langsam, weil ich langsam gehe. Und dann riechst du die Walderdbeeren, bevor du sie siehst. Ist das nicht herrlich? Dort zu sein ist ein Erlebnis. Ob ich
jetzt den Gipfel besteige oder nicht, das ist zweitrangig. Auch wenn ich gerne ein Ziel habe. Aber ich bin sehr stark. So wie andere kurz vorm Gipfel des Himalaya umdrehen, so freut
es mich manchmal nicht, dass ich bis nach hinten auf den Türkenkogel gehe.

Das ist die komplette Freiheit – dieses Umdrehenkönnen.
Stimmt. Und nicht zu vergessen: Ich bin ja auch gerne müde.

»Meine Philosophie bei Entweder-oder-Fragen lautet meist: beides«

Gehen ist wieder sehr in Mode gekommenen, als etwas Spirituelles.
Darf ich etwas sagen? Gegangen wird schon seit den Urmenschen. Das ist kurz in Vergessenheit geraten, als die Vollmotorisierung gekommen ist. Natürlich als Flachlandbewohner spüre ich auch den Reiz, wenn man im leicht welligen Gelände geht, weil es für mich den Beat viel besser transportiert. Wenn ich irgendwie ein paar Zeilen schon habe und an der Musik arbeite, an einem Lied, dann gehe ich. Das Gehen bietet den Grundbeat, wo ich dann sozusagen die Melodie und den Text anpasse. Also ich singe ja nur quasi die Wörter und so kommen die Melodien zusammen. Ich glaube, das ist sozusagen wie der Herzschlag, wie der Puls ist auch der Schritt irgendetwas, das uns definiert.

Gehen Sie lieber alleine oder in der Gruppe?
Meine Philosophie bei Entweder-oder-Fragen lautet meist: beides. Wenn ich mit lieben Menschen gehe und wir kommen ins Reden, dann kommt es mir bergauf nicht so steil vor. Aber auf der anderen Seite gehe ich sehr viel alleine auch in der Gruppe, weil ich in der Ebene ein Tiger bin, immer vorne. Kaum wölbt sich die Landschaft ins Steile, gehen die anderen vorne und ich hinten alleine.

Sie haben Sport studiert und kurz vor der Lehramtsprüfung aufgehört.
Weil ich mein Lebtag natürlich immer ganz viel Musik gemacht habe, von klein auf. Aber aus irgendeinem Grund ist mir nicht die Idee gekommen, dass man daraus einen Beruf machen
darf. Das wirkte lange wie eine Entweihung der Musik.

Das Studium quasi vorm Ziel zu beenden – war das eine Flucht?
Mir wurde klar: Wenn ich jetzt nicht die Brücken hinter mir abbreche, dann geht das schlecht aus für mich. Musik hat mir so viele Freude gemacht – ein Sicherheitsnetz wäre da mehr Hindernis als Hilfe gewesen.

Also der bewusste Abriss einer Brücke, die in die falsche Richtung führte.
Ein halbes Jahr lang hatte ich gezögert. Ich dachte an meine Eltern: Sie hatten so viel auf sich genommen, dass die Buben in Wien auf die Schule gehen und dann studieren können, damit sie es einmal besser haben im Leben. Aber ich wusste, ich muss die Eltern jetzt einfach enttäuschen. Und zudem war schon das Jahr 1968 und Rebellion lag in der Luft. Ich habe mich getraut, dank der Rolling Stones. Ja, die Eltern waren enttäuscht. Aber auch wenn mein Vater früh gestorben ist: Beide haben noch mitbekommen, dass ich von der Musik leben konnte.

Wie konnte sich der Revoluzzer vom sterbenden Vater verabschieden?
Wir sind noch draufgekommen: Wir könnten uns gut vertragen, weil wir eigentlich sehr ähnlich sind. Diese Ähnlichkeit hat halt zu Konflikten geführt. Und dann ist er gestorben, bevor wir noch lange Gespräche führen konnten. Die sind aber nötig, denn die Eltern gehen meist vor einem, da gehört viel besprochen. Das war mir nicht möglich. Mit der Mutter habe ich noch länger geredet. Auch nicht alles, aber sehr viel. Und sie hat bei Konzerten mit mir gesungen, kroatische Lieder.

Man forscht nicht nur in der eigenen Familie, sondern auch in der Geschichte. Sie tun das auch beim Wandern. So haben sie den „Igel“ gesucht – ein Versteck der Partisanen vor den Nazis in Aussee.
Ja, das ist mein Thema. Das habe ich gern. Ich gehe auch gerne an Stellen, wo man überhaupt nichts mehr sieht. Aber man weiß, was dort einmal war. Der Weg zum Igel hin über dieses Geröllfeld mit Bäumen und wo man rauf und runter geht, hat mir ganz, ganz viel klar gemacht. Es ist mühselig rauf und runter, glitschig, nass. Das hat mir gezeigt: Das waren junge Leute damals. Wie fit die waren, obwohl sie kaum was zu essen hatten! Sie haben viel riskiert, ein Nazi beim Schwammerlsuchen hätte alles entdecken können. Natürlich bin ich ein Bewunderer von Menschen im Widerstand.

»Ich habe so viel Glück im Leben«

Zeiten, die man sich heute kaum vorstellen kann in ihrer Härte.
Und doch gibt es so viel Verbitterung heute. Die Menschen, die jetzt die Pension genießen, sind die Generation, die es am besten erwischt hat von der ganzen Welt. Österreich ist das lebenswerteste Land in der gesamten Menschheitsgeschichte. Diese Menschen werden alt, die sind schon lang in der Pension, weil sie sind früh in Pension gegangen. Aber die haben
kein Bewusstsein dafür, wie gut sie es erwischt haben. Und machen den ganzen Tag genau drei Dinge: sudern, sudern, sudern. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Eine Cousine von mir, die mit der Mindestpension auskommen muss. Aber die Mehrheit derer, denen es gut geht, ist die, die jammert.

Sie selbst jammern nicht.
Ich habe so viel Glück im Leben und ich freue mich jeden Tag darüber. Interessant ist aber auch: Die Menschen, die zu Recht verbittert sein würden, weil ihnen das Schicksal übel mitgespielt hat, die sind es oft gar nicht.

Im Vorjahr haben Sie Ihren 70. Geburtstag gefeiert, mit zwei Konzerten und fast allen Bands, in denen Sie je gespielt haben.
Es ist alles so gut gelaufen. Da war alles drinnen, was ich gemacht habe. Da waren alle Musiker, die ich gerne habe, und alle Bands. Ich hatte das erledigt
und es war schön und in gewisser Hinsicht dachte ich: Wenn ich jetzt sterben muss, kann ich das akzeptieren.

Zum Glück freilich sind Sie lebendig und aktiv. Sie spielen in verschiedenen Besetzungen – als Ostbahn Kurti, mit der „Molden-Bande“ und jetzt im Herbst auch sehr intensiv mit dem Stubnblues. Aber Sie scheinen sich auf jede „Partie“ sofort einstellen zu können.
So geht Musik mit Menschen, die man mag. Bei den Konzerten zum Geburtstag habe ich auch mit meiner ersten Mittelschülerband gespielt. Wir hatten uns zum Teil seit 52 Jahren nicht mehr gesehen. Der Schlagzeuger hat aus den USA kommen müssen, er ist mittlerweile emeritierter Psychologieprofessor. Und er hatte seit einem halben Jahrhundert keinen einzigen Schlagzeugstecken in die Hand genommen. Er musste für die Proben nach Österreich fliegen.

Und was passierte?
Wir haben uns in einem kleinen Café draußen an einem schönen Frühlingstag getroffen, alle haben Zeit gehabt. Dann sind da halt so ein paar Greise dahergekommen und dann binnen vier Sekunden hast du aus dem greisen Gesicht die Pubertätsgesichter rauskommen sehen. Nach 52 Jahren ohne Begegnung waren wir sofort Teenager. Wir haben deppert
geredet, ein Seidl nach dem anderen getrunken, der Schmäh ist gelaufen. Wir waren wieder wie Kinder.

Kommentare

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