Wikileaks-Prozess von

35 Jahre Haft für Manning

Militärgericht legte jetzt das Strafmaß fest. Staatsanwaltschaft forderte 60 Jahre.

Bradley Manning © Bild: REUTERS/Jose Luis Magana/Files

Der Wikileaks-Informant und US-Soldat Bradley Manning ist zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Richterin Denise Lind hatte das Strafmaß am Mittwoch auf dem Militärstützpunkt Fort Meade im US-Bundesstaat nahe Washington verkündet. Im Vorfeld hatte Lind bereits festgelegt, dass von der Strafe knapp dreieinhalb Jahre abgezogen werden. Sie begründete dies damit, dass Manning bereits seit Mai 2010 hinter Gittern sitze und dabei neun Monate in Einzelhaft verbringen musste. Eine Entlassung Mannings vor Ablauf seiner Strafe ist rechtlich möglich.

Wegen der Weitergabe von Hunderttausenden Militärdokumenten und Depeschen der US-Diplomatie an die Enthüllungswebseite Wikileaks war Manning Ende Juli in 20 von 22 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden, unter anderem wegen Geheimnisverrats, Spionage, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig erklärt worden.

In dem am schwersten wiegenden Punkt "Unterstützung des Feindes" (aiding the enemy) wurde er dagegen freigesprochen. Richterin Lind ordnete außerdem an, den Soldaten im Rang eines "Private First Class" unehrenhaft aus der Armee zu entlassen. Die Militärrichterin entsprach mit dem Urteil nicht der Forderung der Anklage, die mindestens 60 Jahre Haft verlangt hatte.

Dokumente Wikileaks zugespielt

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im April 2010 mit der Veröffentlichung von geheimen US-Militärdokumenten haben 2010 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Wikileaks veröffentlichte damals ein Militärvideo, das zeigt, wie bei einem US-Hubschrauberangriff im Irak rund ein Dutzend Zivilisten getötet werden. Das Video war Wikileaks von Manning zugespielt worden. Auch weitere, im Laufe des Jahres von der Internet-Plattform veröffentlichte US-Militärdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen dürften von ihm stammen.


Im Mai 2010 wurde der Geheimdienst-Analysten Manning wird im Irak festgenommen und zunächst zwei Monate in Kuwait festgehalten. Dann saß er bis April 2011 im Militärgefängnis Quantico im US-Staat Virginia in Einzelhaft, bevor er unter gelockerten Haftbedingungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wurde.

Im Dezember 2011 begann die juristische Aufarbeitung mit einer Anhörung im Militärstützpunkt Ford Meade, der eigentlich Prozess hatte im Juni begonnen. Dem früheren wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak massenhaft Dokumente aus Computern gezogen und Wikileaks zugespielt zu haben.

Bürgerrechtler kritisieren Haftstrafe

Die Strafe von 35 Jahren Haft, die am Mittwoch über den US-Soldaten und Wikileaks-Informanten Bradley Manning, verhängt wurde, wird von Bürgerrechtlern als unverhältnismäßig kritisiert. Sie fürchten, dass das Urteil andere Menschen davon abhalten könnte, Informationen über Missstände an die Medien weiterzugeben. Aufgrund des harten Vorgehens gegen Informanten "werden Journalisten in den USA bald immer weniger in der Lage sein, Fehlverhalten von Regierung und Behörden aufzudecken", erklärte Michael Rediske von "Reporter ohne Grenzen".


In einer Stellungnahme der Enthüllungsplattform Wikileaks auf Twitter heißt es, der Fall Bradley Manning sei ein "wesentlicher strategischer Sieg", angesichts des möglich gewesenen Strafausmaßes. Manning kann in weniger als neun Jahren auf Bewährung freikommen.

"Ein trauriger Tag"

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU spricht von einem "traurigen Tag". Wenn ein Rechtssystem nicht zwischen Verrat und der Weitergabe von Informationen unterscheide, um eine öffentliche Debatte anzustoßen, führe das zu ungerechten Ergebnissen. Der Öffentlichkeit werde so wichtige Informationen vorenthalten, erklärte die ACLU. Manning werde härter bestraft als andere, die für Folter von Gefangenen verantwortlich seien.

Ähnlich reagiert Amnesty International. Die USA sollten lieber Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem "Kampf gegen den Terror" nachgehen, erklärte Widney Brown für die Organisation. "Bradley Manning hat aus dem Glauben heraus gehandelt, er könne eine wichtige öffentliche Debatte über die Kosten des Krieges anstoßen". Das Anti-Spionage-Gesetz der USA müsse dringend überarbeitet werden, forderte sie.

Gnadengesuch an Obama

Der US-Soldat Bradley Manning muss für die Weitergabe vertraulicher Dokumente an Wikileaks dreieinhalb Jahrzehnte hinter Gitter. Doch er darf hoffen: Bei guter Führung könnte er deutlich früher frei sein. Mannings Verteidiger David Coombs kündigte an, Obama formell um eine Begnadigung seines Klienten zu bitten. "Jetzt ist die Zeit, um Mannings Leid zu beenden", sagte er. Das Weiße Haus kündigte an, die Petition wie alle anderen Petitionen auch zu prüfen.

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