Wifo/IHS von

Heimische Wirtschaft auf Kriechspur

Wirtschaft kommt heuer nicht in Schwung - Beschleunigung erst für 2016 erwartet

Wifo/IHS - Heimische Wirtschaft auf Kriechspur © Bild: Mike Kemp Images/Corbis

Österreichs Wirtschaft wächst auch heuer nur schwach, erst für 2016 erwarten die Experten eine Beschleunigung. Wifo und IHS gehen für 2015 von unverändert 0,5 bzw. 0,8 Prozent realem BIP-Anstieg aus. Für 2016 erhöhte das Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag seine Prognose von +1,1 auf +1,3 Prozent, während das IHS bei +1,6 Prozent blieb.

Die in ihren Grundzügen bekannte Steuerreform wird begrüßt, detaillierte Kommentare hebt sich das Wifo für April auf. Positiv seien die zu erwartenden Nettoeffekte. Das IHS hält schon heuer "leichte Vorzieheffekte" für möglich, wenn "die Leute merken, dass sie nächstes Jahr mehr Geld haben werden".

Konjunkturprognose Wifo/IHS
© APA/Martin Hirsch

Der langsame Erholungskurs der Wirtschaft steht aus Sicht der Konjunkturforscher noch auf wackligen Beinen. Österreich sei "von der Überholspur auf die Kriechspur gewechselt" und werde heuer und 2016 schwächer wachsen als Europa, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger. Gehe kein "Reform-Ruck" durch Österreich, könnte das auch noch länger der Fall sein.

"Seit 2013/14 ist uns wegen des Reformstaus die Luft ausgegangen", meinte der wirtschaftspolitische Sprecher des IHS, Helmut Hofer, vor Journalisten: "Wir haben gegenüber dem letzten Mal nicht nach oben revidiert, weil das Wachstum aufgrund der Indikatoren eher schwach bleibt."

Entwicklung hat sich verschlechtert

Seit der Dezember-Prognose habe sich die Entwicklung in Österreich eher verschlechtert, in anderen Ländern eher verbessert, sagte Aiginger. Die Erholung in Österreich werde "später und schwächer" als anderswo ausfallen.

Fürs erste Quartal gebe es noch sehr schlechte Indikatoren, "sicher erst im Sommer tritt eine Erholung ein", so der Wifo-Chef. Mit zwei Jahren weniger Wachstum und weiteren zwei Jahren stärkerer Teuerung würden 2016 "das sechste Jahr in Folge die Reallöhne nicht steigen". Dauere das "Winterloch" zu lang, seien die 0,5 Prozent BIP-Plus 2015 fraglich. Das IHS ist zuversichtlich, "dass die Wirtschaft im ersten oder zumindest im zweiten Quartal doch zulegt", wie Hofer meinte.

Arbeitsmarkt erholt sich nicht

Durch das schwache Wirtschaftswachstum erholt sich der Arbeitsmarkt nicht. Die Beschäftigung wird laut Aiginger 2015/16 um 0,5 sowie 0,6 Prozent wachsen, speziell bei Dienstleistungen, aber auch durch mehr Teilzeit. Die Arbeitslosenrate nach heimischer Definition werde in den beiden Jahren auf 8,4 sowie 9,1 Prozent steigen und auch danach über 9 Prozent bleiben. Das sei "die historisch höchste Arbeitslosenrate in Österreich".

Dass die Inflation 2015/16 nur bei 1,2 Prozent und 1,8 Prozent liegen werde, sei "positiv" - aber noch immer mindestens ein Prozentpunkt höher als im Euroraum, so Hofer. Das Wifo rechnet mit 1,3 und 1,5 Prozent Teuerung.

Das billige Öl und der gegenüber dem Dollar schwache Euro seien "die Triebkräfte, durch die wir für Europa zuversichtlich sind - auch wenn Österreich nicht ganz partizipieren kann", so Aiginger. Österreich sei momentan noch immer in einer Schwächephase, "das Tempo könnte mit Reformen gesteigert werden". Nach der Steuerreform, deren Kommen einmal "positiv" sei, brauche man weitere Maßnahmen, etwa bei Bildung und Föderalismus.

Steuerreform "zum richtigen Zeitpunkt"

Aiginger: "Die Steuerreform kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt, weil sie wieder ein Schub nach vorn sein könnte." Das Ziel "mehr Netto vom Brutto begrüßen wir sehr". In einem Jahr (2016) werde nun "die Progression umgedreht", also den Menschen etwas "dazugegeben wird statt ihnen etwas wegzunehmen". Die Progressionskurve falle aber trotz der Reform nicht.

Für das Budgetdefizit (laut Maastricht) geht das Wifo (nach 2,8 Prozent des BIP 2014) für heuer von 2,2 Prozent Abgang und 2016 von einem Minus von 1,9 Prozent aus. Ein ausgeglichener Staatshaushalt und ein strukturell nahezu ausgeglichenes Budget würden wegen des prognostizierten Konjunkturverlaufs und des wirtschaftspolitischen Rahmens im Prognosezeitraum nicht erzielt.

Das IHS sieht die Lage neben Konsolidierung und schwacher Konjunktur auch stark durch die Unsicherheiten bei der Hypo/Heta-Abwicklung geprägt. Für 2015 und 2016 rechnet man mit einem Defizit von 2,1 bzw. 1,8 Prozent des BIP. Wegen der unsicheren Konjunktur und allenfalls nötiger zusätzlicher Mittel für Banken bestünden aber beträchtliche Prognoserisiken. Die sieht das IHS auch durch geopolitischen Spannungen (Ukraine, Syrien, Irak).

1,5 und 1,7 Prozent Plus für EU erwartet

Die Steuerreform haben beide Institute noch nicht in ihren Prognosen berücksichtigen können. Das IHS sagt aber, selbst ohne Steuerreform würde das Ziel eines strukturellen Null-Defizits im Jahr 2016 eine weitere Absenkung des Defizits um gut 1/2 Prozentpunkt erfordern.

Den Euroraum sieht das Wifo 2015/16 um 1,1 und 1,3 Prozent wachsen, etwas über der EZB-Prognose. Für die EU erwartet man 1,5 und 1,7 Prozent Plus - bei Deutschland sollen es 1,3 und 1,6 Prozent sein, da die Binnennachfrage hier stärker und die Exporte günstig seien, so Aiginger.

Das IHS ist für die Eurozone mit 1,2 und 1,5 Prozent Wachstum für 2015/16 etwas optimistischer als das Wifo, "weil Deutschland mit jeweils 1,8 Prozent relativ kräftig wachsen wird", wie Hofer erläuterte.

Kommentare

Gestatten Sie mir eine Frage Christian: Was hält Sie eigentlich noch in diesem Land? Außer zur FPÖ haben Sie noch kein einziges positives Wort zu diesem Land, diesen Menschen, dieser Kultur, dieser Geschichte und dieser Lebensqualität verloren. Ihre Beiträge lesend, wähnt man sich tatsächlich in Nordkorea. Zahlt Sie die F so gut, daß Sie selbst beginnen die Fakten zu verkennen?

Niemand erwähnt, dass wir mit unserem Wirtschaftswachstum schon Schlusslicht in der EU sind.
Das kleine Österreich leistet sich aber gleich zwei Wirtschaftsforschungsinstitute; ein Rotes und ein Schwarzes. Beide loben unsere Regierung über die geplante Steuerreform,- no na.

Ronald Gabauer
Ronald Gabauer melden

Leider haben wir keine Merkel, die glaube ich nie schlafen geht. Unsere Politiker dagegen befinden sich anscheinend im Wachkoma.
Jetzt haben sie sich zu einer Steuerreform durch gerungen und wollen uns weismachen das uns 2016 um ca. 80 Euro mehr im Monat bleibt.
Wer's glaubt, wird selig. Man hofft die Gegenfinanzierung erledigt sich durch erhöhtes Wachstum. Und wenn nicht, zahlen wir.

christian95 melden

Statt einer Merkel haben wir gleich auf 10 Ebenen (Bund und Ländern) wo SPÖ+ÖVP für uns Politik manchen und sich immer wieder gegenseitig verwalten. Das kleine Österreich hat weiterhin 92 hochbezahlte Regierungsmitglieder und über 770 Abgeordnete..... Das alles muss jemand bezahlen. Daher haben wir auch eine der höchsten Steuerquoten weltweit.

christian95 melden

Bei der Merkel haben manche Bundesländer doppelt so viele Einwohner wie ganz Österreich. Bei uns aber ist man schon ab 400.000 ein eigenes Bundesland mit Landtag & Co.

christian95 melden

Neulich haben wir erlebt, JEDES Bundesland und der Bund, also gleich 10 verschiedene Ärztearbeitszeiten werden verhandelt und praktiziert! Diese Bürokratie wird immer mehr ausgebaut.

Bei unseren Experten in der Regierung und der Höhe der Steuern
kein Wunder!

christian95 melden

Die Wirtschaft liegt danieder, jedes Monat haben wir neue Rekordarbeitslosenzahlen ... das ist offensichtlich noch zu wenig.
Jedes Monat werden noch zusätzlich 1.000e neue Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger importiert. Um das alles zu finanzieren müssen wir immer höhere Steuern bezahlen.

christian95 melden

Man stelle sich vor unter einen Sozial- oder Wirtschaftsminister HC Strache würden jedes Monat solche Hiobsbotschaften kommen. Ob dabei ÖGB, AK, WK usw. dazu auch so laut schweigen würden?

Nudlsupp melden

Lautes Schweigen? Ist ja fast so wie aggressives Zuwarten oder leidenschaftlich hetero zu sein. Der Rest ist an Schwachsinn und Dichterei kaum zu überbieten mein lieber H. Christian Andersen.

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