Wiens Radfahrer gewinnen an Tempo:
Geschwindigkeit auf Radwegen nimmt zu

Steigerung ist legal und nicht besorgniserregend Häufigster Unfallgegner von Radfahrern ist der Pkw

Wiens Radfahrer gewinnen an Tempo:
Geschwindigkeit auf Radwegen nimmt zu © Bild: APA/Pfarrhofer

Im Vergleich der vergangenen Jahre sind Wiens Radfahrer immer flotter geworden. Mehr als ein Drittel radelt mit 20 bis 30 km/h, vor elf Jahren (1998) waren es nur 23 Prozent. Das hat eine aktuelle Tempomessung des ÖAMTC am Ringfahrradweg ergeben. Der Großteil (88 Prozent) ist aber gemütlich unterwegs mit Geschwindigkeiten zwischen zehn und 24 Stundenkilometern, etwa zwei Prozent fahren schneller als 30 km/h. Bedenklich: Acht von zehn der beobachteten Radler hatten keine Helm auf und immer mehr sind mit zugestöpselten Ohren unterwegs oder hantieren während der Fahrt mit dem Handy.

Die beobachtete Steigerung beim Tempo sei aber nicht besorgniserregend. "Die Radler bewegen sich damit auch auf legalem Boden, denn es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Fahrradwegen", sagte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Weniger erfreulich für die Verkehrsexpertin war aber die Tatsache, dass knapp 80 Prozent ohne Helm unterwegs waren. "Dieses Verhalten ist typisch für Radfahrten in der Stadt." Außerdem radelten sieben Prozent der 550 beobachteten Fahrer mit zugestöpselten Ohren oder waren mit dem Handy beschäftigt. Das blockiere laut der Psychologin einen wichtigen "Verkehrssinn". Radfahrer nehmen sich dadurch die Möglichkeit adäquat auf Gefahren zu reagieren.

Eine weitere Unsitte: Viele Radler wählten nicht den für sie bestimmten Radweg. Einige radelten am Gehsteig, andere fuhren unerlaubterweise gegen die Einbahn auf der Nebenfahrbahn. "Mit so einem Verhalten werden unnötigerweise Gefahrensituationen heraufbeschworen", sagte die Expertin. Da Radfahrer nicht motorisiert sind, nähern sie sich leise und werden von Fußgängern oft sehr spät wahrgenommen.

Kenntnisse der Rechte und Pflichten wichtig
Aber auch Fußgänger sind nicht immer Unschuldslämmchen. Manche gehen wissentlich, manche ohne Absicht auf einem Radweg und zwingen so Radler zu plötzlichen Ausweichmanövern. Für mehr Sicherheit empfiehlt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin allen Verkehrsteilnehmern mehr Rücksicht sowie die Kenntnis der wichtigsten Rechte und Pflichten im Straßenverkehr.

Der häufigste Unfallgegner von Radfahrern ist übrigens der Pkw, wie eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt. Diese sind in 54 Prozent der Crashs involviert. Neun von zehn dieser Unfälle passieren im Ortsgebiet. Bezüglich tödlicher Verletzungen seien Lkw die mit Abstand größte Gefahr für Radfahrer.

(apa/red)