Wiener Witwe erdrosselt: Verdächtiger Rumäne wird wegen Mordes angeklagt

Prozess über vier Jahre nach Tat in Wien-Hietzing Opfer und Täter lernten sich beim Ausgehen kennen

Über vier Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod hat nun die Staatsanwaltschaft Wien im Fall Elisabeth K. Mordanklage gegen einen 29-jährigen Rumänen erhoben. Der Mann steht unter dringendem Verdacht, die lebenslustige Witwe am 26. Juni 2002 in ihrer Wohnung in Wien-Hietzing gewürgt und mit einer Pyjamahose erdrosselt zu haben, nachdem es zu sexuellen Handlungen gekommen war. Dem von Verteidiger Helge Doczekal vertretenen Angeklagten, der die Vorwürfe abstreitet, drohen zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

Die rüstige, seit Jahren verwitwete Pensionistin hatte mit ihrem außergewöhnlichen Lebenswandel für Gesprächsstoff in der Nachbarschaft gesorgt: Sie verbrachte die Nächte gern in Discos und Bars, wo sie die Gesellschaft junger Männer suchte. In einem Lokal lernte sie den jungen Rumänen kennen, der als Tourist nach Wien gekommen war.

Der damals 25 Jahre alte Mann hatte sich zuletzt in Deutschland aufgehalten, nachdem er zuvor als Hilfsarbeiter, auf einer Schweinefarm und auf einem Markt in Budapest gearbeitet hatte. Das eigenartige Gespann - Elisabeth K., die offiziell 66 Jahre alt war, stand in Wahrheit knapp vor ihrem 72. Geburtstag, wie sich nach ihrem Tod herausstellen sollte - wechselte noch in zwei Bars, wo die Frau ihren Begleiter auf Getränke einlud. Sie trug ein Beautycase mit, wobei der Mann bemerkt haben dürfte, dass sich darin ein Geldkuvert befand: Die Pensionistin hatte am Nachmittag bei ihrer Hausbank 440 Euro behoben.

Schließlich schlug die 71-Jährige vor, der Mann möge sie doch in ihre Wohnung begleiten. "Dort kam es zu sexuellen Handlungen, im Zuge derer der Beschuldigte die deutlich Ältere plötzlich als sexuell aufdringlich empfand. Da sie ihn überdies zum Bleiben bewegen wollte, während er die Wohnung möglichst schnell verlassen wollte, beschloss er, sich ihrer zu entledigen", skizziert die Anklageschrift das weitere Geschehen.

Zunächst soll der Mann mit einem Hocker wuchtige Schläge gegen den Kopf seines Opfers geführt haben. Dann schlang er laut Anklage eine Pyjamahose um ihren Hals und zog heftig zu. Anschließend durchsuchte er die Wohnung, steckte die Münz- und Briefmarkensammlung ein und brach das Beautycase auf, fand das Kuvert und entnahm das Bargeld.

Dabei dürfte ihm entgangen sein, dass sein Blut ins Innere des Kuverts tropfte - Elisabeth K. hatte ihm offenbar bei ihren Abwehrversuchen Verletzungen zugeführt. Als die Tochter am 1. Februar 2002 die bereits stark verweste Leiche der Pensionistin entdeckte, stießen die Kriminalisten auf die verräterische DNA-Spur. Der Rumäne hatte zudem darauf vergessen, die Kippen seiner gerauchten Zigaretten zu entsorgen.

Ein im Zuge des gerichtlichen Vorverfahrens vorgelegtes DNA-Gutachten förderte zu Tage, dass die sicher gestellten genetischen Fingerabdrücke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit dem Erbmaterial des Angeklagten überein stimmen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine unverwandte Person die gleichen DNA-Merkmale aufweisen würde, beträgt mehr 1:7.000.000.000", heißt es dazu in der Anklage.

Der mutmaßliche Täter wurde Anfang Februar 2006 in Deutschland auf Basis eines Europäischen Haftbefehls verhaftet, als er die Grenze Richtung Osten überqueren wollte. Er wurde umgehend an Österreich ausgeliefert. Seine Verhandlung wurde für Mitte Oktober im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts ausgeschrieben und ist auf zwei Tage anberaumt.

(apa)