Fakten von

Mutmaßlich wieder aufgetauchter
vermisster Wiener lehnt Hilfe ab

Mann verschwand 1998 spurlos - Zeugen wollen ihn in Süditalien erkannt haben

Martin Bohdal? © Bild: Rai 3/Screenshot

Der Obdachlose im süditalienischen Terlizzi, der laut einigen Zeugen der seit 1998 vermisste Wiener Martin Bohdal sein könnte, hat viel Interesse geweckt, seitdem die RAI-3-Sendung "Chi l'ha visto?" ("Wer hat ihn gesehen?") sich mit seinem Fall beschäftigt hat. Der Mann lehnt jedoch jegliche Hilfe ab und lebt weiterhin auf der Straße.

Der Bürgermeister von Terlizzi, der 28.000 Seelen-Gemeinde nahe der apulischen Hafenstadt Bari, in dem sich der Obdachlose aufhält, habe dem Obdachlosen einen Platz in einer von Kapuzinermönchen verwalteten Einrichtung für Bedürftige angeboten. Der Mann, der seit Juni auf einer Bank schläft, weigere sich jedoch, dort zu übernachten, berichteten lokale Journalisten auf APA-Anfrage.

Die RAI-Sendung "Chi l’ha visto?" (Wer hat ihn gesehen?):

Der Mann habe längere Zeit in Neapel verbracht und dann ein Jahr lang auf einem öffentlichen Platz in Bari gelebt, das 26 Kilometer von Terlizzi entfernt ist. Nachdem der Platz im Rahmen einer Polizeikontrolle geräumt wurde, sei der Obdachlose von dort verschwunden und nach Terlizzi gezogen. "Er ist einsam, er meidet die Menschen. Für die Einwohner Terlizzis ist er problematisch, weil er nicht die öffentlichen Toiletten nutzt", berichtete der Journalist Cosma Cacciapaglia. Die Ähnlichkeit mit dem Foto Bohdal, das auf der Webseite der RAI 3-Sendung veröffentlicht wurde, sei groß.

Möglicherweise Gedächtnisverlust

"Es könnte sein, dass der Mann einen schweren Schock erlitten und seitdem das Gedächtnis verloren hat. Es ist leider nicht einfach, mit ihm zu kommunizieren", berichtete Cacciapaglia. Einwohner der Stadt würden ihm Kleider und Lebensmittel schenken.

Martin Bohdal war in der Nacht auf 8. August 1998 am Wörthersee verschwunden. Möglicherweise stürzte er auf dem Weg zur Diskothek "Fabrik" in Saag aus einem Boot. Die Umstände blieben unklar. Anhand von Fotos auf der Website der RAI-3-Sendung "Chi l'ha visto?" ("Wer hat ihn gesehen?") wollen Bewohner von Terlizzi eine Ähnlichkeit zwischen dem Obdachlosen in ihrer Stadt und dem Wiener erkannt haben. Vor allem eine Narbe zwischen den Augen und der Nase weckte ihre Aufmerksamkeit. Der Obdachlose kennt angeblich nur wenige italienische Wörter und lässt sich manchmal Andreas oder Zoltan nennen.

Kommentare

Die meisten Obdachlosen können oder wollen eben nicht resozialisiert werden. Aussteiger aus der kommunen Gesellschaft wollen einfach in Ruhe gelassen werden, und nur weil wir denken, das wäre doch kein Leben, trifft das nur auf uns selbst zu.

Seite 1 von 1