Wiener Terror-Prozess wird fortgesetzt:
Mohamed M. fühlt sich verhandlungsunfähig

Hat nach eigenen Angaben seit 19.12. nicht gegessen Sachverständiger stellt guten Allgemeinzustand fest

Wiener Terror-Prozess wird fortgesetzt:
Mohamed M. fühlt sich verhandlungsunfähig © Bild: APA/Hochmuth

Nachdem er von einem Internisten für verhandlungsfähig erklärt worden ist, erwägt nun der Terror-Verdächtige Mohamed M., seinen Hungerstreik abzubrechen. Sollte der Prozess-Fahrplan "halten", kommen nämlich auf den 23-Jährigen in den nächsten zehn Tage sieben weitere Verhandlungstage zu. Dem Vernehmen nach soll er befürchten, dem dicht gedrängten, ausschließlich aus Verlesungen bestehenden Programm nicht folgen zu können, falls er weiter auf regelmäßige Mahlzeiten verzichtet.

Mohamed M. (23) und seiner nach islamischem Recht angetrauten Ehefrau Mona S. (22) wird vorgeworfen, sich in einer terroristischen Vereinigung - nämlich der al-Qaida - betätigt zu haben sollen. Zu Beginn des Verhandlungstags erklärte Mohamed M., er fühle sich in Folge seines Hungerstreiks nicht mehr verhandlungsfähig.

"Bin zu schwach"
"Ich kann nicht verhandeln, weil ich schwach bin. Ich bin sehr geschwächt", deponierte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben seit 19. Dezember in seiner Zelle im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus keine feste Nahrung mehr zu sich genommen hat. Er will damit auf Behinderungen seitens der Sicherheitsbehörden und des Gerichts aufmerksam machen, die es ihm nach seiner Darstellung unmöglich machen, seine Schuldlosigkeit zu beweisen.

Mohamed M. befinde sich in gutem Allgemein- und Ernährungszustand, stellte der als medizinischer Sachverständige beigezogene Internist Günter Steurer fest, nachdem er ihn untersucht hatte. Verhandlungsfähigkeit sei jedenfalls gegeben und werde weiter bestehen bleiben, meinte Steurer.

Keine organischen Beschwerden festgestellt
Der Gutachter konnte beim Angeklagten keine organischen Beschwerden feststellen: "Der Puls und die Lungenfunktion sind stabil. Die Sauerstoffsättigung beträgt 98 Prozent." Der Mann sei "bei seiner Größe noch immer leicht übergewichtig".

Nach Auskunft von Verteidiger Lennart Binder hat sein Mandant aufgrund seines Hungerstreiks über 15 Kilogramm abgenommen und wiegt nun knapp 90 Kilo. Für Steurer liegt dessen ungeachtet kein dramatischer Gewichtsverlust vor, zumal Mohamed M. zuvor "massiv übergewichtig und gefährdet" gewesen sei: "Der nunmehrige Gewichtsverlust entspricht einer therapeutischen Gewichtsabnahme in einem Rehab-Zentrum."

Steurer bezweifelt, dass Mohamed M. im Gefängnis gar keine Nahrung zu sich nimmt: "Wenn man zwei Wochen überhaupt nichts isst, nimmt man mehr ab." Es erscheine "unwahrscheinlich, dass er null Nahrung zu sich nimmt".

Diese Aussage deckte sich mit der Darstellung von Helene Pigl, der Leiterin der Justizanstalt Josefstadt, die zuvor auf APA-Anfrage betont hatte: "Gewisse Dinge isst er ja. Obst, Gemüse. Er hat noch 90 Kilo. Er hat kontrolliert abgenommen, es gibt sicher keine gesundheitlichen Schäden."

(apa/red)