Economy Class von

In anderen Sphären

Rainer Fleckl © Bild: News/Ian Ehm

In der Affäre rund um die Misswirtschaft im Wiener Tennis wird eine Frage wohl nie beantwortet werden: Was treibt den Präsidenten eines gemeinnützigen Sportverbandes um, wenn er vier Verbandsautos privat nutzt, darunter einen Porsche 911 und einen Audi A6 allroad? Oder, besser: Was bedenkt er nicht, wenn er sich allem Anschein nach in anderen Sphären bewegt, völlig entrückt von der Basis?

Fragen wie diese beschäftigen scharfsinnigere Mitglieder des Wiener Tennisverbandes (WTV), die bei der Generalversammlung Ende März Aufklärung zu den zweifelhaften Finanzgeschäften des Ex-Präsidenten verlangen. Franz Sterba, bis Anfang Jänner insgesamt 25 Jahre lang an der WTV-Spitze, soll in seinem kleinen Verband ein System etabliert haben, das auf Intransparenz und Chaos aufgebaut war. Das erschließt sich aus einem Prüfbericht der BDO, nach dessen Durchsicht der interimistische Wiener Tennisverbandsboss Ernst Wolner, mit Sterba seit Jahrzehnten gut bekannt, zugeben muss, dass er "derartiges nicht für möglich gehalten" hätte. "Auch wenn bis zum Schluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung zu gelten hat."

Konkret stellten die Prüfer bei Durchsicht der Buchhaltungen des WTV und der verbandseigenen Tennis Wien Leistungszentrum GmbH "Bartransaktionen in einem unüblich häufigen und oftmals auch unüblich hohen Ausmaß fest". Bei vielen Bartransaktionen sei es schlichtweg nicht möglich gewesen, "die tatsächlichen Zahlungsempfänger festzustellen", da -in den fünf geprüften Geschäftsjahren ab 2010 -"im Ausmaß von Euro 127.890,72 Bartransaktionen nur auf 'Eigenbelegen' basierend durchgeführt wurden". Darüber hinaus vermisst die BDO eine ordnungsgemäße Buchhaltung, offenbart eine Auszahlung der Tennis Wien GmbH (165.000 Euro), die offenbar nicht im WTV Eingang fand, und hält fest: "Weiters kam es laut der uns von Dr. Sterba erteilten Auskunft zu einer 'Sphärenvermischung' seines Privatvermögens mit Finanzmitteln des WTV."

Die BDO bewertet "die festgestellten Schäden eindeutig" mit insgesamt 192.000 Euro. In Summe sei -diverse Annahmen zur Autonutzung etc. miteinkalkuliert - von einem Gesamtschaden "in Höhe von 342.599 Euro auszugehen". Ein Betrag, den Sterba vehement verneint. Er bestreitet die schweren Vorwürfe und teilt News mit, dass er zum Bericht derzeit nur eines konkret sagen könne: "Dass die darin enthaltenen Zahlen zum Teil auf nicht erklärten, völlig aus der Luft gegriffenen Annahmen der BDO beruhen." Der aufgrund der Mängel in der Buchhaltung festgestellte Fehlbetrag werde jedoch selbstverständlich von ihm ersetzt - "und in den nächsten Tagen an den WTV überwiesen".

Nun ist der Staatsanwalt am Zug. Und Sportminister Hans Peter Doskozil gefordert. Warum nicht die Amtszeit von Verbandsfunktionären auf zwei Perioden beschränken?