Wiener Staatsoper von

Die Netrebko als Alleinkünstlerin

Donizettis "Anna Bolena" mit phantastischer Protagonistin in mediokrer Konstellation

Anna Bolena © Bild: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Die Premiere vor vier Jahren war lehrreich: Startheater, so begriff man nach der österreichischen Erstaufführung von Donizettis „Anna Bolena" an der Wiener Staatsoper, muss nichts Schlechtes sein. Anna Netrebko in der Titelrolle, Elina Garanca als Seymour und, überraschend, die noch wenig bekannte Elisabeth Kulman als Smeton erbrachten den Beweis, dass große Künstler auch in szenisch und musikalisch bedeutungslosem Umfeld Herausragendes schaffen können. Anlässlich der Wiederaufnahme ist die Produktion nun beim Startheater im schlechtesten Sinn eingetroffen: Die Netrebko hält als weitgehend Einzige einen lähmend dirigierten und mittelmäßig besetzten Abend in Betrieb.

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Die muffige Pragmatik der Inszenierung von Eric Génovèse war schon 2011 ein Ärgernis. Nun kommt der Dirigent Andriy Yurkevych dazu, der die an sich nur partiell inspirierte Partitur postsowjetischer Langeweile ausliefert. Ekaterina Semenchuk ist eine respektabel singende Seymour, als Gegenspielerin der Netrebko bleibt sie chancenlos. Der nämlich gelingt es, auch im historischen Vergleich mit den Besten Augenhöhe zu halten. Die Netrebko ist intensiv wie die Callas, verfügt aber über die schönere Stimme. Trotz gewonnener Dramatik hat sie sich Geschmeidigkeit und Höhensicherheit bewahrt und das dunkle Leuchten intensiviert. Ihre Perfektion erinnert an die Sutherland, die aber im Vergleich kalt wirkt. Sie hat Aura, Präsenz und darstellerische Wahrhaftigkeit.

Anna Bolena
© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Neben ihr halten sich Margarita Gritskovas Smeton, Luca Pisaronis Heinrich VIII. und Dan Paul Dimitrecus Rochefort wacker. Wo die Direktion den Tenor Celso Alberti gefunden hat, darf unergründet bleiben, wenn sie ihn nur eilends dorthin zurückschickt.

Anna Bolena
© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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