Wiener Grüne von

Diese Fünf kämpfen
um die Spitzenkandidatur

Das Match um die Führung der Wiener Grünen wird zum Fünfkampf: Denn neben Klubchef David Ellensohn (56), Sozialsprecherin Birgit Hebein (51) und Wirtschaftssprecher Peter Kraus (31) haben sich noch zwei Außenseiter für die Spitzenwahl qualifiziert: Der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan (32) und die Ärztin Marihan Abensperg-Traun (42) schafften ebenfalls die nötigen Unterschriften.

Fünf Personen haben damit die Chance, die Wiener Grünen als Spitzenkandidat in die nächste Wien-Wahl, die regulär 2020 über die Bühne geht, zu führen und schon vorher die Nachfolge von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou anzutreten. Sie hat ihren Rückzug spätestens bis zum Frühsommer angekündigt.

Vier Bewerber gescheitert

Um auf den Wahlzettel zu kommen, brauchten die ursprünglich neun Bewerber jedenfalls die Zustimmung von 100 Personen, wobei 50 davon von Parteimitgliedern kommen mussten. Wer schon mehr als zwei Perioden in ununterbrochener Reihenfolge ein Mandat im Gemeinderat und Landtag innehat, benötigte 200 Unterstützungserklärungen, 100 davon von Grün-Mitgliedern. Mit gestrigem Dienstag war die entsprechende Frist abgelaufen. Vier Bewerber sind daran gescheitert. Die fünf Kandidaten, die die erste Runde erfolgreich überstanden haben, wurden am Mittwoch in einer Pressekonferenz präsentiert.

Benjamin Kaan

Wer sind nun die beiden völlig unbekannten Quereinsteiger? Kaan, 1986 in Korneuburg geboren, sitzt seit 2015 für die Meidlinger Grünen in der Bezirksvertretung und war zuvor Mitarbeiter der damaligen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek. Im Hauptberuf selbstständiger Unternehmer in der Bio-Lebensmittelbranche, will Kaan nun die Chance einer Veränderung der Partei nutzen. Denn zuletzt habe grün-intern zuweilen durchaus Frust eingesetzt. Zur Regierungsrolle der Wiener Grünen bekennt er sich: "Gestalten ist wichtiger als Oppositionsarbeit."

© APA/Robert Jaeger Benjamin Kaan (li) und Peter Kraus (re)

Marihan Abensperg-Traun

Bisher gar keinen Konnex zum Parteiapparat hat Abensperg-Traun. Sie ist Medizinerin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH. Unter "bisherige Tätigkeit" für die Grünen verbucht die 1976 geborene Niederösterreicherin ihre "große Sympathie in Bezug auf grüne Werte" und "regelmäßiges und treues Wählen". Inhaltlich will sie Begrünungsmaßnahmen gegen Hitze in der Stadt, den Öffi-Ausbau und niederschwellige Anlaufstellen für medizinische Betreuung im Grätzel forcieren. Mit der SPÖ wünscht sie sich eine "Koalition mit Augenmaß": "Es kann nicht so sein, dass wir grüne Werte verraten."

© APA/Robert Jaeger Marihan Abensperg-Traun und David Ellensohn

David Ellensohn

Vorstellen durften sich heute freilich auch die drei bekannteren Gesichter im Rennen um die Nummer eins. Klubobmann Ellensohn sprach von den Grünen als "erfolgreiche Projektpartei", die vieles in der Stadtregierung durchsetzen habe können. Er will den Ökos aber wieder mehr das Gesicht einer "Protestpartei" geben, "die sich anlegt mit den Großen - mit Novomatic, Immobilienhaien und der Bundesregierung".

© APA/Robert Jaeger Marihan Abensperg-Traun und David Ellensohn

Birgit Hebein

Im Gegenmodell zu Türkis-Blau sieht auch Hebein die Rolle der Grünen: "Wir können den Spaltern und Zerstörern nicht unser leiwandes Wien überlassen." Ihre Herzensangelegenheit sei die Sozialpolitik, sie wolle wieder Begeisterung für die grüne Idee auslösen, umriss sie ihre Mission. Ihre kurze Vorstellungsrunde nutzte Hebein zudem für einen Aufruf zur Teilnahme an der morgigen Demo gegen die Bundesregierung und zur Unterstützung des Frauenvolksbegehrens.

© APA/Robert Jaeger David Ellensohn und Birgit Hebein

Peter Kraus

Kraus will vor allem die Themen leistbares Wohnen, die Schere zwischen Arm und Reich und einen Plan gegen Hitzeinseln in der Stadt forcieren. Überhaupt würde er das grüne Regierungsressort in ein "echtes Klimaschutzressort" umbauen, weil dies die zentrale Herausforderung für die Zukunft sei. Es solle keine Straße mehr in Wien ohne Bäume geben. "Und ich will raus aus Öl und Gas", so Kraus. Wenn Rot-Grün als attraktives Gegenmodell zu Türkis-Blau positioniert werden soll, "müssen wir besser werden als in den vergangenen zweieinhalb Jahren", zeigte sich der Gemeinderatsmandatar nicht ganz zufrieden mit der derzeitigen Stadtregierungsperformance.

© APA/Robert Jaeger Benjamin Kaan (li) und Peter Kraus (re)

Wer das Rennen macht, wird Ende November feststehen. Entschieden wird die Sache via Briefwahl, die am 8. November startet. Davor gibt es zwecks Präsentation neben Online-Formaten auch vier Hearings mit allen fünf Kandidaten. In moderierten Runden werden sie zu verschiedenen Themenblöcken befragt. Das Auftakt-Event findet am kommenden Dienstag, 9. Oktober, im Odeon-Theater statt und wird auch via Facebook übertragen. Besuchen können die Veranstaltungen nicht nur Parteimitglieder, sondern auch alle anderen Interessierten, wenn sie angemeldet sind.

Wählen selbst können ebenfalls externe Personen, wenn sie sich bis 18. Oktober auf www.spitzenwahl.wien registrieren. Bisher haben das bereits 1.520 Menschen getan. Die Zahl der Parteimitglieder der Wiener Grünen beträgt rund 1.800. Gut möglich also, dass mehrheitlich Nicht-Mitglieder über die Zukunft der Partei entscheiden.

Kommentare

Rudolf Prager

Dass sich so viele Interessenten finden zeigt nur, wie lächerlich diese Partei war und immer noch ist.
Wollen doch alle nur an den Rand des Fressnapfes wo viel Geld zu bekommen ist.
Das Kotzen kommt mir.

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