Wiener Festwochen von

Verregnete Eröffnung

Wenig Besucher, aber gute Stimmung "auf dem Rathausplatz, wo es regnet"

Eröffnung der Wiener Festwochen © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Die Regenfront kam pünktlich, doch immerhin nicht stürmisch. Daher verzichteten die Wiener Festwochen auf die im Raum gestandene Absage der traditionellen Open-Air-Eröffnung und testeten am Freitagabend die Wetterfestigkeit der Wienerinnen und Wiener. Wohl nicht viel mehr als tausend Live-Besucher wohnten dem von ORF 2 und 3sat übertragenen Event "auf dem Rathausplatz, wo es ein bisschen regnet" (Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in seiner Eröffnungsansprache) bei. Doch der "wienerisch-regnerische Abend", wie ihn Moderator Nicholas Ofczarek nannte, erwies sich als überraschend stimmungsvoll.


Verantwortlich dafür war das Motto "Wien, Wien, nur du allein?", eine überaus stimmige Auswahl unterschiedlichster Facetten des Wienerlieds und hoch motivierte Künstler, die es wie Michael Schade schafften, trotz Dauerregens Wien als "Stadt meiner Träume" zu besingen oder "Freunde, das Leben ist lebenswert" zu jauchzen.

Tatsächlich konnte im Publikum, das sich mit von Sponsoren verteilten orangenen und hellblauen Regenumhängen gegen die nasse Witterung gewappnet hatte, manches Schunkeln, ja sogar einige Walzerdrehungen gesichtet werden. Dass bei den Mitsing-Versuchen von den ausgeteilten Wienerlied-Textbüchern nur wenig Gebrauch gemacht wurde und auch der Applaus ein wenig schütter klang, lag nicht an der mangelnden Begeisterung: Zahlreiche Hände wurden für das Halten von Regenschirmen benötigt.

Zukünftiger Chef war da

Ofczarek, der sich derzeit im Burgtheater vis-a-vis als Praterstrizzi "Liliom" bewährt, fand in seiner Moderation (Buch: Gerald Votava) den richtigen wienerischen Ton, flocht kulturhistorische Exkurse über Wiener Typen oder verdiente Sänger und Dichter ein, und träumte in einem bearbeiteten Nestroy-Couplet von den Festwochen als Ganzjahresveranstaltung, bei der die Fremdenangst mit Kultur bekämpft werde.

Die Strottern, der Stubnblues samt Willi Resetarits, Michael Schade und Angelika Kirchschlager, Ernst Molden und Ursula Strauss, die Philharmonia Schrammeln sowie Fatima Spar und ihre Band sorgten für viele Klangfarben, in denen der Swing ebenso vertreten war wie die Operette, bei denen ein a capella gesungenes kroatisches Volkslied aus dem burgenländischen Stinatz ebenso Platz hatte wie eine Bob-Dylan-Umdichtung von Ernst Molden: "daun bin i ealösd". Letzteres bekam das Publikum als Dacapo mit auf den Heimweg - die vielleicht erste Zugabe in der Geschichte der Festwocheneröffnungen hatten sich die Unentwegten redlich verdient.


Bis 16. Juni zeigen die Wiener Festwochen insgesamt 40 Produktionen aus 40 Ländern. Der scheidende Intendant Luc Bondy, von dem in den kommenden Wochen zwei Inszenierungen zu sehen sein werden, ließ sich bei dem an die Eröffnung anschließenden Fest entschuldigen. Gekommen war dagegen der künftige Festwochen-Chef Markus Hinterhäuser, der sich wie die übrigen Gäste darüber erfreut zeigte, dass das Fest vom Arkadenhof des Rathauses ins Trockene verlegt worden war.

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