Wiener Festwochen von

Kraftwerk: 3D-Spektakel

Die deutschen Elektro-Legenden eröffneten im Burgtheater ihren "Katalog"-Reigen

Wiener Festwochen - Kraftwerk: 3D-Spektakel © Bild: APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET

Wie viel man mit einer statischen Performance doch bewegen kann: Wenn die "Mensch-Maschine" Kraftwerk den nostalgisch-verklärten Blick in die Zukunft wagt, versammelt sich Jung wie Alt, um die deutschen Elektro-Pioniere hochleben zu lassen. Zum Auftakt des Konzertreigens "Der Katalog" verschmolz am Donnerstagabend im Wiener Burgtheater pointiert serviertes "Boing Boom Tschak" mit Retro-Visuals.

Was insofern natürlich stimmig ist, als die Gruppe um das mittlerweile einzig verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter ihr offizielles Debüt bereits vor knapp 40 Jahren vorgelegt hat. Entsprechend gab bei dieser Retrospektive, die u.a. bereits im New Yorker Museum of Modern Art und der Londoner Tate Modern zu sehen und hören war, die "Autobahn" den Anheizer. Mit 3D-Brillen ausgerüstet gab sich das Festwochen-Publikum in der Folge gut zwei Stunden druckvollem Elektro sowie an den Cover-Artworks angelehnten Visuals hin.

© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Kraftwerk im Burgthater

Neben einem possierlichen Rennen zwischen einem VW-Käfer und einem Mercedes Benz mit Oldtimer-Flair durften dabei weder der "Trans Europa Express" noch die in die Popgeschichte eingegangenen "Roboter" fehlen, die optisch wie akustisch das Theater erfüllten. Das Haus am Ring wurde bei "Spacelab" schließlich selbst gewürdigt, wobei das in ein schlichtes Rendering überführte Burgtheater sich hier einer UFO-Landung ausgesetzt sah.

© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Kraftwerk im Burgthater

Doch auch wer dem raumgreifenden Leinwandspektakel weniger Beachtung schenkte (oder gar die aus dünnem Karton gefertigten 3D-Brillen als etwas unangenehm empfand), kam bei den ersten beiden Konzerten von Kraftwerk voll auf seine Kosten. Neben den jeweils in voller Länge erklingenden Alben - gestern war es neben "Autobahn" noch "Radio-Aktivität" - gibt das stoisch hinter seinen Konsolen fixierte Quartett an den insgesamt vier Tagen seines Gastspiels natürlich auch einen Querschnitt durch sein gesamtes Oeuvre zum Besten.

© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Kraftwerk im Burgthater

Folglich kann man sich beim "Model" in romantische Stimmung bringen, zur "Tour de France" in die imaginären Pedale treten oder sich bei "Computerwelt" über die inhaltliche Konsistenz von Kraftwerks dystopischen Entwürfen auch mehrere Jahrzehnte nach Entstehen wundern. Natürlich haftet diesem Konzertereignis dabei eine streng museale Note an, aber das mindert keineswegs den Unterhaltungsfaktor. Und am Zuspruch des Publikums scheint das Setting für Kraftwerk, ob nun ehrwürdiges Theaterhaus, weltbekanntes Museum oder Open-Air-Festivalbühne, sowieso nichts zu ändern.

© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Kraftwerk im Burgthater
© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Kraftwerk im Burgthater

Zu markant ist bis heute der Einfluss des ursprünglich von Hütter und Florian Schneider ins Leben gerufenen Projekts, das über die Jahre wenig an seiner Anziehungskraft eingebüßt hat. Von synthetisch fabriziertem Rock über knackigen Hip-Hop bis zur naheliegenden Verschmelzung treibender Technosounds mit melodiösem Unterfutter reichen die Auswirkungen ihres Schaffens. Wobei die strenge, visuelle Komponente hier noch gar nicht berücksichtigt ist. In jedem Fall ist den Festwochen mit diesem Konzertereignis, das noch bis Sonntagabend zu erleben ist, ein großer Coup gelungen.

© APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET Audio Operator Ralf Hütter

Kommentare