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„Ishavara“ : Religion trifft Trash

Tianzhuo Chen zeigt seine Performance-Show „Ishavara“ zum Auftakt der Wiener Festwochen im Museumsquartier

Wiener Festwochen - „Ishavara“ : Religion trifft Trash © Bild: Wiener Festwochen

Trash, Kitsch, Destruktion sind probate Mittel, etwas unter dem Label Kunst zu verkaufen. Der Chinese Tianzhuo Chen zeigt, wie das funktioniert: man nehme ein großes Quantum an Religion, hier der hinduistischen, würze dies mit ein paar Mythen und Bildern aus dem wirklichen Leben und glaciere dies mit dröhnenden Techno-Rhythmen.

Chinesische Schriftzeichen flankieren die Bühne. Die Laute eines Saiteninstruments, einer Art von Pipa, dringen durch die verdunkelte Halle E im Museumsquartier. Ruhe, (Ent)-Spannung wird suggeriert. Der Vorhang öffnet sich. Die Musikantin wird sichtbar, im Hintergrund prangt ein rot erleuchtetes Neonkreuz, das eine zierliche, weibliche Gestalt trägt. Eine Figur spielt mit einem Schirm, den das Symbol für „yin yang“ ziert.

Schnitt: auf dunkler Bühne hält jene junge Frau, die zuvor am Kreuz verharrte, einen Monolog auf Chinesisch. Die Übersetzung liefert ein Beipacktext, der im Dunkel freilich nicht lesbar ist. Ärgerlich! Weshalb man auf Übertitel verzichtet, bleibt unerklärlich. Später lässt sich nachlesen, dass sie von Selbstmord- und Mordphantasien erzählt.
Dritte Szene: dröhnende Rave-Klänge, monotoner Techno-Sound, Bilder wie aus einem Drogenrausch, versprechen eine „Magical Mystery Tour“ durch Weltreligionen. Das Konterfei eines Mannes, der seine Zunge herausstreckt, erinnert an die Ästhetik der britischen Komiker „Monty Python“.

Tango und Schweinehälften

Ein paar Tango-Tänzer, eine Prometheus-Szene, mit echter Schweinehälfte, ein Bildzitat, sehr wahrscheinlich „Judith und Holofernes“, eine überdimensionale, aufblasbare Puppe, die am Ende ihrer Szene zerstört wird, ein Derwisch in blau-weißem Rock, Figuren, die reinigende Bäder nehmen und am Ende wieder jene beschirmte Gestalt und die Klänge des Saiteninstruments sind nur einige der Ingredienzien, die Tianzhuo Chen in seine Performance packt. Dass erst das Programmheft erschließt, dass„Ishvara“ vom buddhistischen Lebens-Kreislauf „Samsara“ erzählt, mindert nicht die Eindrücklichkeit einiger Bilder. Dass mit zusätzlichem Techno-Gedröhn das Publikum „hypnotisierend“ eingelullt werden soll, trägt aber nicht zu deren Kraft bei.

Die Frage, ob der 1985 in Peking geborene Performer zu den gefragten Erscheinungen auf dem Kunstmarkt zählt, weil er ein guter Trash-Handwerker ist oder weil die Themen des bekennenden Buddhisten derzeit gern diskutiert werden, wird er mit seiner Arbeit in den nächsten Jahren selbst beantworten müssen.

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