Wiener Derby von

Um mehr als nur um die Ehre

Austria in Richtung Titel unterwegs - Rapid schwelgt in Revanchegelüsten

Wiener Derby, Ortlechner gegen Boyd © Bild: GEPA/Brem

Die Frühjahrssaison der Bundesliga beginnt gleich mit einem echten Knüller. Rapid empfängt heute (16.00 Uhr/live im NEWS.AT-Ticker) im mit 17.000 Zuschauern ausverkauften Hanappi-Stadion die Austria zum 304. Wiener Derby und will sich bei dieser Gelegenheit beim Erzrivalen für die jüngsten Tiefschläge revanchieren.

Die vergangenen sieben Duelle mit den seit elf Runden ungeschlagenen "Veilchen" endeten aus Rapid-Sicht mit vier Niederlagen und drei Unentschieden. In dieser Saison war man beim 0:3 vor eigenem Publikum und beim 0:2 in der Generali Arena chancenlos, was maßgeblich zu den Fan-Protesten im Herbst beitrug. "Für uns ist das ein sehr wichtiges Spiel. Mit einem Sieg können wir für gute Stimmung und viel Selbstvertrauen im Club und im ganzen Umfeld sorgen, und das ist auch unser Ziel", erklärte Trainer Peter Schöttel.

Austria-Trainer Stöger, der den ersten Titel seit 2006 als klares Ziel definiert hat, kommt der Hauptstadt-Gipfel durchaus gelegen: "Da gibt es nicht viel zum Nachdenken." Leistung muss sofort gebracht werden. "Super, dass die erste Partie das Derby ist. Da muss alles abgerufen werden, und es besteht nicht die Gefahr wie gegen einen kleinen Gegner, den man sowieso schlagen muss", meinte Stöger am Freitag zum Duell mit dem Tabellendritten, der zehn Punkte hinter den Favoritnern rangiert.

Der Stachel der jüngsten Niederlagen gegen die Austria sitzt bei Kontrahent Schöttel noch immer tief. "In den letzten beiden Derbys haben wir nicht gezeigt, was wir können, aber wir sind guter Dinge, dass uns das am Sonntag gelingt. Wir haben ein Heimspiel und wollen unbedingt gewinnen."

Beide Teams komplett

Schöttel steht der komplette Kader zur Verfügung - welche Aufstellung er daraus bastelt, ließ der 45-Jährige offen. Mit Branko Boskovic, der im zentralen Mittelfeld beginnen könnte, und Marcel Sabitzer verfügt der Coach im Vergleich zur Herbstsaison über zwei zusätzliche hochkarätige Optionen. "Sabitzer war vom Vorbereitungsstart weg sehr dominant, war aber leider zuletzt krank", sagte Schöttel und deutete an, dass der von der Admira geholte Flügelspieler zunächst auf der Bank sitzen könnte. Seinen Stammplatz fix hat auf jeden Fall Steffen Hofmann, der sich nach einigen Verletzungen in der Herbstsaison wieder im Vollbesitz seiner Kräfte fühlt. "Wir sind jetzt ein bisschen stärker und routinierter geworden, deshalb bin ich fürs Frühjahr optimistisch."

Den Aufstellungs-Spekulationen misst Schöttel ohnehin keine große Bedeutung bei. "Ich glaube nicht, dass wir uns gegenseitig in irgendeiner Form überraschen könnten. Wir spielen ja viermal in einer Saison gegeneinander."

Dennoch hofft Stöger zumindest bei seinem "geschätzten Freund in Hütteldorf“ auf einen rauchenden Kopf: "Wir wollen es ihm nicht so leicht machen", wehrte der Austria-Coach Fragen zur Aufstellung ab. Und die drängen sich förmlich auf. Zwar muss der davon sichtlich genervte Stöger nicht mehr zur Akte des nach Thailand gewechselten Roland Linz Stellung nehmen, dafür aber steht Heimkehrer Nacer Barazite wieder in den violetten Reihen - der linke Offensivplatz ist durch die Sperre von Dauer-Antreiber Tomas Jun frei.

Die Qual der Wahl

Dass abgesehen von Jun alle Kicker verfügbar sind, macht den Aufstellungspoker nicht leichter. Auch Goalgetter Philipp Hosiner und Marko Stankovic, die zuletzt erkrankt waren, bzw. der am Knie blessierte Tomas Simkovic finden sich im Kader wieder. Während Heinz Lindner wohl sein 100. Bewerbsspiel für die Austria absolvieren wird, und auch die Abwehrreihe mit Koch, Rogulj, Ortlechner und Suttner eine Bank zu sein scheint, sind im Mittelfeld bzw. Sturm mehrere Alternativen denkbar. Nicht zuletzt im Angriff machte Roman Kienast mit vier Treffern im letzten Test gegen Ruzomberok auf sich aufmerksam.

Die traditionellen Startprobleme der Rapidler - in den jüngsten vier Saisonen schafften die Grün-Weißen zum Auftakt des neuen Kalenderjahres keinen einzigen Sieg und holten nur einen Punkt - können Steffen Hofmanns Zuversicht nicht trüben. "Es wird ein ganz heißes Spiel. Es ist zwar etwas komisch, wenn man gleich zu Beginn gegen die Austria spielt, weil man noch nicht wirklich weiß, wo man steht. Aber wir wissen auf jeden Fall, dass wir die Austria schlagen können."

Seit elf Runden sind die Austrianer ungeschlagen, große Teile des Anhangs träumen schon vom ersten Titel seit 2006. Auch Stöger selbst gab neuerlich den "Teller" als klares Ziel aus. "Dem ist alles unterzuordnen." Angesichts des auf seiner Elf lastenden Drucks, dank des Sieben-Punkte-Vorsprungs quasi unaufhaltsam auf den Titel zuzusteuern, gab sich Stöger zuversichtlich. "Darüber haben wir viel gesprochen", erklärte der 45-Jährige, der seine Spieler nach über einem halben Jahr Zusammenarbeit auch charakterlich gut einschätzen zu können glaubt. "Ich kenne diese Situation. Wir müssen die Burschen darauf hinweisen, dass es nicht ganz so wichtig ist, was im Umfeld gesprochen wird."

SK Rapid Wien - FK Austria Wien:
(Hanappi-Stadion, Sonntag, 16.00/live ORF eins, SR Grobelnik).

Rapid: Königshofer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Gerson, Schrammel - Pichler, Boskovic - Trimmel, Hofmann, Burgstaller - Alar
Ersatz: Novota - Katzer, Heikkinen, Kulovits, Sabitzer, Wydra, Grozurek, Schaub, Starkl, Boyd

Austria: Lindner - F. Koch, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Simkovic, Holland, Mader - Gorgon, Hosiner, Stankovic
Ersatz: P. Grünwald - Rotpuller, Leovac, Dilaver, A. Grünwald, Vrsic, Barazite, Kienast
Es fehlt: Jun (gesperrt)

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