Wiener Derby wartet mit viel Brisanz auf:
Angst vor Krawallen bei Austria gegen Rapid

Rapid-Racheaktionen für "Koch-Vorfall" denkbar Netz vor Rapid-Sektor, nicht aber vor Austria-Tribüne<br>Bei neuen Ausschreitungen droht Klubs "Verbannung"

Wiener Derby wartet mit viel Brisanz auf:
Angst vor Krawallen bei Austria gegen Rapid

Der grün-weiße Anhang war in den vergangenen Monaten im Vergleich zum violetten Gegenüber vergleichsweise gesittet. "Weil sie seit den Urteilen von Kapfenberg wissen, dass sie unter Beobachtung stehen", berichten Insider. Im Juni 2007 hatten Rapid- und Dinamo Zagreb-Fans am Rande eines Freundschaftsspiels in Kapfenberg für heftige Ausschreitungen gesorgt.

Revanche für Koch?
Szenekenner sind aber nicht sicher, ob die Rapid-Fans die Ereignisse des jüngsten Derbys im Hanappi-Stadion auf sich beruhen lassen. Am 24. August war ein Knallkörper aus dem Austria-Sektor direkt neben Rapid-Goalie Georg Koch detoniert und hatte bei dem Schlussmann schwere Gehörschäden verursacht, von denen sich Koch noch immer nicht erholt hat. "Das hat den Austria-Fans sicher zu denken gegeben", so der Favoritner Stadthauptmann Michael Lepuschitz.

Vor der Osttribüne hängt derzeit zwar kein Netz, aber sollte etwas geworfen werden, haben Verein und Polizei bereits damit gedroht, solche Sicherungen zu installieren. Vor dem Auswärtsblock auf der Tribüne West wurde sehr wohl ein Netz aufgehängt. Aus dem Anhang der Grün-Weißen wurde bereits Revanche für die Koch-Aktion angekündigt, so Lepuschitz.

Zu dem Vorwurf, dass vor der neuen Osttribüne des Austria-Anhangs kein Schutznetz mehr installiert ist, meinte Austrias Markus Kraetschmer: "Als unsere Fans auf der Westtribüne waren, hingen auch keine Netze. Das ist ein Vertrauensvorschuss an unsere Fans. Uns ist bewusst, dass das Derby eine Nagelprobe ist."

Reihe von Vorfällen
Wie Koch standen auch in den vergangenen Jahren des öfteren Torhüter im Mittelpunkt von Ausschreitungen. Im Derby am 26. Mai 2005 im Happel-Stadion fügte Austria-Keeper Joey Didulica dem Rapid-Stürmer Axel Lawaree mit einer Brutalo-Attacke schwere Kopfverletzungen zu. Unschöne Szenen brachte die "Revanche" am 22. Oktober 2005 in Favoriten, als im Rapid-Sektor eine Didulica-Attrappe auf einem Galgen aufgehängt wurde und der Kroate mit Leuchtraketen unter Beschuss genommen wurde.

Die Violetten standen den grünweißen Anhängern am 4. März 2007 am Verteilerkreis um nichts nach. Sie trafen mit einem Feuerwerkskörper Schlussmann Helge Payer. Während der Rapidler weiterspielte, demolierten die Gäste-Besucher die Osttribüne, rissen Sitzbänke aus ihren Verankerung und schleuderten sie gegen Polizisten.

Kein Wunder also, dass das 287. Derby unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ablaufen wird. Ein neuerlicher Eklat könnte dazu führen, dass Lokalduelle künftig vielleicht nur noch im "neutralen", weder von Austria noch Rapid geliebten Prater-Oval ausgetragen werden müssen. Beide Seiten waren im Vorfeld des Derby bemüht, an ihre Fans zur Besonnenheit aufzurufen.

Rapid-Fans in der ehemaligen violetten Heimstätte
Das Derby findet diesmal unter geänderten Vorzeichen statt. Die Ost-Tribüne, auf der bisher die Fans der Gastmannschaft standen, wurde renoviert und ist nun die Heimtribüne. Die Rapid-Fans stehen nun auf der Westtribüne, die früher die Heimstätte des Austria-Anhangs war. Das bedeutet für die Exekutive auch geänderte Zugangswege für die Fangruppierungen, die man in jedem Fall voneinander fernhalten will.

Die Idealversion für die Polizei wäre, dass sich die Grün-Weißen am Reumannplatz versammeln und dann über den Laaerberg zum Horr-Stadion ziehen, ohne dabei überhaupt zum Favoritner Verteilerkreis zu kommen. Aber, so ein Beamter zur APA: "Die Frage ist, ob sich der Rapid-Anhang an entsprechende Abmachungen hält, wenn solche zustande kommen." Durchaus möglich sei auch, dass sich die Hütteldorfer Fans in mehrere Gruppen aufteilen.

Trotz der unklaren Vorzeichen glaubt die Polizei nicht, dass es wirklich brenzlig werden könnte, und zählt darauf, dass der Rapid-Anhang so besonnen bleibt wie in den vergangenen Wochen. Und der violette Anhang steht ebenfalls unter Beobachtung. Eine ursprünglich angedachte Sperre des Verteilerkreises dürfte jedenfalls nicht mehr zur Debatte stehen.
(apa/red)

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