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Wiener Budget 2015: Mehr Schulden

Allerdings geringerer Anstieg als 2014 - Neuverschuldung bei rund 221 Mio. Euro

Schulden © Bild: Thinkstock

Wien macht weiterhin jedes Jahr neue Schulden, allerdings sollen es im Jahr 2015 wieder weniger werden: Geplanten Einnahmen von 12,52 Mrd. Euro stehen Ausgaben von 12,74 Mrd. Euro gegenüber. Damit wird die Neuverschuldung bei rund 221 Mio. Euro und damit bei 68 Mio. weniger als 2014 liegen, wie Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Montag bei der Präsentation des Budgetvoranschlags erklärte.

Der wachsende Schuldenberg liegt vor allem an den Investitionen, die Wien tätigt. 1,72 Mrd. Euro und damit genau so viel wie im Jahr 2014 fließen etwa in die Bereiche Gesundheit, Bildung und Infrastruktur. Rund 84 Prozent davon können aus dem laufenden Budget gestemmt werden, der Rest muss extern finanziert werden.

"Trotz und wegen der Krise werden wir auf einem offensiven Investitionskurs bleiben", betonte Brauner, die die Gelegenheit auch nutzte, um erneut auf die erfolgreiche antizyklische Wirtschaftspolitik der Hauptstadt hinzuweisen. Rechnet man die Unternehmen der Stadt, die Stadtwerke und die Wien Holding dazu, sollen 2015 sogar 2,9 Mrd. Euro an Investitionen getätigt werden.

Was wäre, wenn...?

Um die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu illustrieren, setzte die Finanzstadträtin an dieser Stelle auf ein Was-wäre-wenn-Gedankenspiel: Bei einer normalen Wirtschaftsentwicklung und ohne Finanzkrise könnte Wien auf 820 Mio. Euro höhere Einnahmen zurückgreifen, wie Klemens Himpele, Leiter der für Wirtschaft, Arbeit und Statistik zuständigen Magistratsabteilung 23, ausführte. Der Gesamteinnahmeausfall der Krisenjahre liege bei 2,5 Mrd. Euro.

Auch die wachsende Stadt stelle das Budget vor Herausforderungen: Mehr Wiener bräuchten auch mehr U-Bahnen, Schule und Spitäler, um die Lebensqualität zu erhalten, erklärte Brauner. Diesen Investitionen in die Zukunft stehe aber immer der "Hemmschuh" Stabilitätspakt im Weg. Erneut forderte die Finanzchefin, in Zukunft nachhaltige Investitionen aus den strengen Maastricht-Kriterien ausnehmen oder zumindest über längere Zeit abschreiben zu dürfen. Berechnet man die Neuverschuldung nach dem Maastricht-Saldo, beträgt diese im kommenden Jahr 298,14 Mio. Euro.

Erstmals Bewegung auf europäischer Ebene

Zum ersten Mal ortete die Finanzstadträtin Bewegung auf europäischer Ebene: "Ich bin sehr optimistisch, dass die neue Kommission hier zu Änderungen bereit ist. Ich hoffe, schon in Jahresfrist." Für Wien würde etwa schon die Ausnahme der Investitionen in U-Bahnausbau und Krankenhaus Nord eine deutliche Annäherung an das für 2016 vorgeschriebene ausgeglichene Budget bedeuten, rechnete Brauner vor. Sollte sich der Stabilitätspakt bis 2016 nicht flexibler gestalten, werde man sich natürlich an das Gesetz halten und auf "Plan B", nämlich PPP-Modelle, die Kooperation mit privaten Partnern, setzen.

Sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben der Stadt werden 2015 leicht steigen: Wien rechnet mit einem Plus an Einnahmen von 473,36 Mio. Euro. Diese kommen vor allem aus Verwaltungseinsparungen und Effizienzsteigerungsmaßnahmen, so die Finanzchefin. So habe man beispielsweise auf Online-Anmeldungen, papierlose Rechnungen oder die Zusammenführung einzelner Einheiten von Verwaltungsgerichtshof bis Spitalskonzept gesetzt.

Lobende Worte vonseiten Brauners

"Obwohl in den letzten zwölf Jahren 200.000 Wiener dazugekommen sind, bewältigen wir unsere Aufgaben mit demselben Personalstand", so Brauner. Die Zahl der bei der Stadt Wien Beschäftigten (inklusive Krankenanstaltenverbund, Wiener Wohnen und Wiener Kanal) ist für 2015 mit 59.105 Menschen (plus 0,5 Prozent) beziffert. Neuaufnahmen gebe es vor allem im Bereich der Kindergärten.

Die Ausgaben steigen um 405,36 Mio. Euro auf 12,74 Mrd. Euro, dabei seien aber vor allem auch die nachfragewirksamen Ausgaben "von Bleistift bis U-Bahn" gestiegen, wie Brauner betonte. Teurer als 2014 kommen die Stadt vor allem die Ressorts Gesundheit, dessen Budget u.a. durch den Bau des KH Nord von 3,49 auf 3,64 Mrd. Euro steigt, und Bildung, wo beispielsweise der beitragsfreie Kindergarten mit 700 Mio. Euro zu Buche schlägt.

Mit Ende 2014 wird die Stadt einen voraussichtlichen Schuldenstand von 4,88 Mrd. Euro und damit um 244 Mio. Euro mehr als noch Ende 2013 haben. Allerdings sei die Pro-Kopf-Verschuldung der Hauptstadt mit 2.662 Euro pro Wiener vergleichsweise gering, meinte die Finanzchefin.

Kommentare

frechheit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die jährlichen Ausgabensteigerungen übersteigen bei weitem die Einnahmen. Es sollten rasch ausgabenseitige Maßnahmen getroffen werden (Quelle: Rechnungshof)
Anmerkung: Die Wiener(Innen) verdienen nichts anderes! Sie haben sich diese Typen selbst gewählt.

christian95 melden

Wien macht gleich doppelt Schulden!
Einmal als Bundesland und ein weiteres Mal als Gemeinde. Wozu braucht sich Wien gleich 2x verwalten.
Bei 8 Mio Einwohnern wird in Österreich weiterhin JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt und von Parteigünstlingen bürokratisch verwaltet. Für die Bürger schafft man ein "zentrale Personenregister" um die Amtswege zu vereinfachen.

christian95 melden

Wenn für die Bürger so ein zentrales Register möglich ist, dann auch für die Politik! Nur mehr EINE Stelle die Gesetze produziert, eine Stelle die Schulden macht usw. (dazu braucht man keine 92 Regierungsmitglieder und über 770 Abgeordnete). Wo uns die EU ohnehin schon 80% der Vorschriften vor gibt.

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