Wien als Zentrale für Eigenblut-Doping? Finnischer Ex-Coach Kyrö bestätigt Berichte

Wiener Blutplasmabank als Anlaufstelle für Sportler Finne sorgte in seiner Heimat für veritablen Skandal

Wien als Zentrale für Eigenblut-Doping? Finnischer Ex-Coach Kyrö bestätigt Berichte © Bild: APA/EPA/Favre

Der ehemalige Trainer der finnischen Langlauf-Damen, Kari-Pekka Kyrö, hat in einem Interview auch die Berichte über Eigenblut-Doping zahlreicher Sportler in einer Wiener Blutplasmabank erwähnt und bekräftigt. Darüber hinaus deutete Kyrö an, dass die Zahl der Kunden aus dem Spitzensport dort wesentlich höher war, als in den Medienberichten vom vergangenen Winter behauptet.

Auf die seinerzeitigen Berichte angesprochen, wonach 31 deutsche und österreichische Biathleten und Radrennfahrer bei der Firma Humanplasma bei Wettkampf-Bedarf in den vergangenen Jahren Eigenblut "tanken" konnten, sagte Kyrö: "Das ist absolut wahr, aber die Zahl 31 steht nur für 30 Prozent der Kundschaft. Auch Recken von unserem Brudervolk waren dort". Bei letzterer Bemerkung handelt es sich um einen ziemlich eindeutigen Seitenhieb auf estnische Langläufer.

Mehrere Anlaufstellen in Mitteleuropa
Kyrö, der in den vergangenen Wochen in Finnland mit Angaben über systematisches Doping im finnischen Ski-Sport über Jahrzehnte hinweg für Aufregung sorgte, sagte in dem Zeitungsinterview weiter, in Wien habe es nur eine Anlaufstelle für Eigenblutdoping gegeben, in Mitteleuropa gebe es insgesamt aber mehrere Anlaufstellen.

Wegen des starken Konkurrenzdrucks und der schwierigen Nachweisbarkeit sei Eigenblut-Zufuhr in den vergangenen Jahren zur zentralen Dopingmethode im internationalen Spitzensport geworden, sagte Kyrö.

Kyrö wurde einige Jahre nach dem größten Dopingskandal im nordischen Skisport bei der WM im finnischen Lahti 2001 als einziger der damals Beschuldigten wegen Medikamentenschmuggels und Betrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Sämtliche andere Funktionäre des finnischen Ski-Verbands wurden mangels Beweisen freigesprochen. Kyrö belastete mit seinen jüngsten Aussagen verschiedene Funktionäre und Sportler nun erneut. Die finnische Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln.

Lopatka fordert Aufklärung
Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka fordert in der Sache Aufklärung. "Ich erwarte mir, dass die Staatsanwaltschaft endlich Ergebnisse ihrer Arbeit öffentlich macht", betonte Lopatka. Blutdoping beschäftige die österreichische Staatsanwaltschaft laut Lopatka bereits seit September 2006.

Seit damals habe es zahlreiche Hinweise auf Blutdoping in Wien durch eine Untersuchungs-Kommission des ÖSV, durch ein Rechtshilfeersuchen der italienischen Justizbehörden und durch einen Brief der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) an das Staatssekretariat vom November 2007 sowie eine anonyme Anzeige aus dem Februar 2008 gegeben.

(apa/red)