Wien von

Schuldsprüche in Prozess
um illegalen Welpenhandel

Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Tierquälerei - nicht rechtskräftig

Drei der geretteten Hundewelpen aus Wien Donaustadt gestorben © Bild: Wiener Tierschutzverein

Wegen des Verkaufs von kranken und viel zu jungen Hundewelpen sind am Donnerstag zwei Wiener wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Tierquälerei von einem Schöffensenat schuldig gesprochen worden. Obwohl die beiden einschlägig vorbestraft sind, betrieben sie ihren Handel auch während dieses Verfahrens weiter. Zwei Jahre, acht Monate davon unbedingte Haft, lautete das Urteil.

"Sie machen einfach munter weiter", sagte Richter Stefan Romstorfer nach der Urteilsbegründung. Das Richterspruch ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, Verteidiger Werner Tomanek erbat sich drei Tage Bedenkzeit.

Am letzten Verhandlungstag kam zutage, dass der Angeklagte noch während des laufenden Verfahrens weiterhin regen Handel mit den Hundewelpen betrieben hatte. Zwei Zeugen berichteten, dass sie sich im Jänner auf ein Internetinserat des Beschuldigten gemeldet hätten, in dem er Staffordshire-Bullterrier angeboten hatte. Bei einem Treffen im Wiener Bezirk Donaustadt saß ein Hund im Auto des Mannes und machte laut Zeugin "einen matten Eindruck". Die beiden Frauen verweigerten den Kauf des Tieres und erstatteten beim Veterinärdienst der Stadt Wien (MA60) Anzeige.

"Komische" Situation

Die Verkaufssituation sei "komisch" gewesen. "Er (der Verkäufer, Anm.) konnte mir die Zuchtanstalt nicht sagen und mir die Mutter des Tieres nicht nennen. Und er hat überhaupt nicht gefragt, wo der Hund hinkommen wird", sagte die Frau im Zeugenstand. "Das ist nicht üblich, wenn man einen Hund kauft. Ich hab das Gefühl gehabt, er wollte nur schnell Geld machen." Die Zeugin erkannte in dem Angeklagten jenen Mann wieder, der ihr den Hund verkaufen wollte. Zudem habe sie sich das Nummernschild des Fahrzeuges gemerkt. "Ich kenne diese Frau überhaupt nicht", wies der Beschuldigte die Vorwürfe zurück.

"Natürlich war er es", sagte Verteidiger Tomanek nach einer kurzen Verhandlungspause. "Aber es gehören immer zwei dazu. Die, die Rassehunde kaufen und die, die die Hunde aus dem Auto aus verkaufen", meinte der Anwalt. "Es gibt einen Markt dafür, das ist schlimm genug."

Zwei Zeugen aus der Slowakei - Hundezüchter, die die kranken Tiere angeblich an die beiden Wiener weitergegeben haben - tauchten erst gar nicht zur Verhandlung auf. Bei der Polizei sagte das slowakische Pärchen aus, nicht mit Welpen zu handeln und nur zufällig mit mehreren Jungtieren nach Wien gefahren zu sein. Als die beiden in der Bundeshauptstadt aufgegriffen wurden, stellte ein Veterinärmediziner fest, dass die Malteserwelpen in dem Auto völlig gesund waren. Der Plan der Angeklagten, den Mann und die Frau als "slowakische Hundemafia" hinzustellen, sei laut Staatsanwalt "gründlich in die Hose gegangen".

Tiere schwer krank

Die Anklage warf dem Paar vor, seit 2012 Hundewelpen aus der Slowakei bezogen und übers Internet angeboten zu haben. Sechs Welpen unterschiedlichster Rassen wären bereits verkauft worden - und zwar zu Preisen zwischen 190 und 450 Euro. Die Tiere seien offenbar schwer krank gewesen und nur wenig später verstorben bzw. hätten eingeschläfert werden müssen.

Aufgeflogen waren die Beschuldigten durch die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Sie hatten sich als Testkäufer ausgegeben und so den Fall ins Rollen gebracht. Nachdem sie Hinweise von Geschädigten erhalten hatten, haben Tierschützer ein Treffen vereinbart. Sie filmten das Verkaufsgespräch in einer Wohnung mit 13 Welpen mit versteckter Kamera, gaben vor, noch Geld vom Bankomaten holen zu wollen - und kehrten mit Polizei und Amtstierarzt zurück.

Umwelt- und Tierschutzstadträtin Ulli Sima (SPÖ) zeigte sich nach dem Schuldspruch erfreut. "Das Urteil ist ein klares Signal an illegale Welpenhändler: Sie müssen mit Haftstrafen rechnen." Laut der Wiener FPÖ-Stadträtin Veronika Matiasek sei es "erfreulich, dass die Justiz nun endlich härter durchgreift, nur drakonische Strafen und informierte Käufer können dafür sorgen, dass sich dieser Geschäftszweig auf Kosten armer Hunde nicht weiter etabliert."

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