Fakten von

Wien-Wahl: Das Ende
vom Wahlkampf-Lied

Bei den Wahlkampf-Abschlüssen versuchen alle Parteien noch einmal, zu mobilisieren

Meinl-Resiinger © Bild: APA/Herbert Pfarrhofer

Die Entscheidung naht. Vor der Wien-Wahl am Sonntag begehen die Parteien ihre traditionellen Wahlkampf-Abschlüsse, auch wenn in Wahrheit natürlich bis zum Wahlschluss weiter um jede Stimme gekämpft wird. Eröffnet haben den Reigen am Donnerstag die ÖVP und die FPÖ, am Freitag folgten die Grünen und die Neos. Am späten Nachmittag mobilisiert dann auch noch die SPÖ ein letztes Mal im großen Stil.

THEMEN:

Mit einer Freiluftparty am Schwedenplatz haben die NEOS am Freitagnachmittag ihren Wahlkampfabschluss begangen. "Ich glaube, es wird ein sehr guter Sonntag sein", betonte Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger in ihrer rund 15-minütigen Rede. Auch Bundesparteichef Matthias Strolz zeigte sich zuversichtlich: "In 50 Stunden wird der pinke Balken hochfahren", rief er vor den jubelnden Anhängern.

Vor zwei pinken Zelten wurde Bier, Popcorn und Zuckerwatte verteilt, dazu tönte laute Musik aus den Lautsprechern. "Ich bin stolz, Kopf einer Bewegung zu sein, die mit 600 Aktiven im Wahlkampf unterwegs war", sagte Strolz, der als erster die Ladefläche des NEOS-Kleintransporters betrat. "Es wird ein Meilenstein für unsere Bewegung sein, wenn wir in 50 Stunden den Schlüssel fürs Rathaus in die Hände gedrückt bekommen", so Strolz. Seine Partei habe bewiesen, dass sie "unglaublichen Mut" habe, Dinge anzusprechen, die angesprochen werden müssten. Meinl-Reisinger werde die nächsten fünf Jahre "mit Beharrlichkeit, Cleverness und Charme dem Häupl im Gnack sitzen", so Strolz.

Bildung als Schlüssel

Meinl-Reisinger wandte sich in ihrer Rede gegen Freunderlwirtschaft und Korruption und hob die Bedeutung von Bildung als Schlüssel zu Integration hervor. Der "eklatante Bildungsnotstand" sei "eine Schande für eine Stadtpolitik, die mit sehr viel Steuergeld Inserate und Plakate druckt, auf denen 'sozial' steht", sagte sie. "Wir haben einen Bürgermeister, der seit 27 Jahren in der Stadtregierung und seit 21 Jahren im Amt ist. Der ist aus einer anderen Zeit", griff sie Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) an. Die "alten Parteien, die nichts mehr zusammenbringen", würden die Menschen zur FPÖ treiben. Sie verstehe die Menschen, die "aus Wut heraus" die FPÖ wählen. "Wenn wir im Gemeinderat sind, wird es keinen Bürgermeister Strache geben", versprach sie aber.

Eine Million Flyer seien im Wahlkampf verteilt und 25.000 Stimmen für das Volksbegehren der NEOS, in dem sie unter anderem die Halbierung der Parteienförderung fordern, gesammelt worden. "Jetzt ist der Startschuss für die letzten Meter. Wir werden weiterhin nicht viel schlafen", sagte Meinl-Reisinger. "Wir sind auf einem sehr guten Weg", schloss sie, bevor gemeinsam zum Lied "Sweet Dreams" getanzt wurde.

Grüne im Kampf um taktische Wähler

Die Grünen haben bei ihrem Wahlkampfabschluss ein letztes Mal versucht, in Richtung SPÖ strebende Wähler doch noch für sich zu gewinnen. Das angebliche Duell zwischen Rot und Blau sei längst entschieden, wer aber weiter Rot-Grün wolle, müsse "die Grünen, und nur die Grünen" wählen, sagte Spitzenkandidatin Maria Vassilakou beim Wahlkampfabschluss.

Michael Häupl (SPÖ) werde Bürgermeister bleiben, prophezeite Vassilakou, und weil er "etwas gemütlich" sei und sich gerne zurücklehne, werde sich die SPÖ nicht ändern. Die Selbstzufriedenheit werde bleiben, nur die Orientierungslosigkeit steigen. Deshalb brauche es starke Grüne, denn das ermögliche, "dieser SPÖ und diesem Bürgermeister Feuer unter dem Hintern zu machen".

Grüne Handschrift

Bei der Veranstaltung im Dachgeschoß eines Wiener Hotels mit Blick über die Innenstadt verwies die Grüne auf Erreichtes, von der 365-Euro-Öffi-Jahreskarte, der erhöhten Kinder-Mindestsicherung, der Abschaffung des kleinen Glücksspiels bis zur verkehrsberuhigten Mariahilfer Straße.

Maria Vassilakou
© APA/Herbert Neubauer Maria Vassilakou verwies auf grüne Erfolge der vergangenen fünf Jahre

Für die nächsten Jahre versprach sie "ein Wien, das sich nicht fürchtet, auch wenn ein neuer Wind bläst", denn "wenn er bläst, kann man zwei Dinge bauen: Mauern oder Windräder". Auch Öffi-Ausbau, leistbares Wohnen und beste Bildung stellte sie in Aussicht. "Aber dafür brauche ich eure Stimme", so die sichtlich gerührte Grüne, die allen Wahlhelfern für ihren Einsatz dankte.

Unterstützung erhielt sie von Bundessprecherin Eva Glawischnig. Sie sei stolz auf Vassilakou, denn die habe sich aus Gründen der Haltung als Gegenpol zur FPÖ präsentiert. "Bitte nicht in die Irre führen lassen von einem Duell, das ausschließlich aus taktischen Überlegungen und nicht aus Fragen der Haltung geführt wird." Auf die SPÖ sei in vielerlei Fragen kein Verlass, etwa in der Abgrenzung gegen Rechts. Dennoch sprach sich auch Glawischnig für die Fortführung von Rot-Grün aus.

Strache beschwor "blaues Wunder"

Mit einer Kundgebung am Stephansplatz hat die FPÖ bereits am Donnerstagabend den Abschluss ihres Wien-Wahlkampfs begangen. Bei Regen und teilweise vom Glockengeläut des Doms überlagert, beschwor Parteichef Heinz-Christian Strache einmal mehr "das blaue Wunder" einer möglichen FPÖ-Mehrheit. Unterstützt wurde er von City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, die von der ÖVP zur FPÖ gewechselt war.

Fast eine Stunde lang dauerte Straches Rede, in der er alle seine traditionellen Themen - von der "Ausgrenzung" der FPÖ durch die "Gutmenschen" über das "Aussackeln" der Bürger durch "staatliche Raubritter" bis zu seiner Vorliebe für "anständige" Ausländer und seinen Anmerkungen zur "Völkerwanderung" der Flüchtlinge - abdeckte. "Tauschen wir diese Politiker aus, bevor diese Politiker die eigene Bevölkerung austauschen", sagte er.

Strache
© APA/Roland Schlager Strache setzte wie gewohnt auf Angstmache

Die Freiheitlichen seien "für alle anständigen Menschen mit Charakter da". Nun biete sich die historische Chance, Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) in die Politpension zu schicken, eine Veränderung in Wien zu erreichen und die Stadt sicherer und gerechter zu machen. "Wir wollen nicht erleben, dass am 11. Oktober dieser rot-grüne Leidensweg verlängert wird", sagte Strache. "Wir werden es gemeinsam schaffen. Ich spüre es."

Stenzel: "Nicht schämen"

Zuvor hielt Stenzel eine Brandrede für den FPÖ-Kandidaten. Sie wolle für einen Machtwechsel in Wien ihr Bekenntnis ablegen, und man werde Strache "vom Stephansplatz ins Rathaus katapultieren", versprach sie. Wien brauche einen Klimawandel, "das rot-grüne Tief gehört weggefegt". Sich zur FPÖ zu bekennen, sei nicht mutig, sondern eine Selbstverständlichkeit. "Sie sollen sich nicht schämen", empfahl sie den freiheitlichen Wählern, denn die FPÖ sei eine "bürgerfreundliche Partei mit großer sozialer Kompetenz".

Zum Abschluss wurde die Bundeshymne gespielt, während vor den Reden noch John Otti das Publikum mit dem Donauwalzer, aber auch mit "Engel" von Rammstein unterhalten hatte. Auch Fahnen wurden geschwenkt und blaues Konfetti in Richtung des Publikums geschossen. Über die Zahl der Teilnehmer divergierten die Angaben erheblich: Laut Polizei waren es 500, laut FPÖ über 6.000. Bei der Gegendemonstration zählte die Exekutive 350 bis 400 Personen, alles verlief friedlich, hieß es.

ÖVP im Eiltempo

Auf Bausch, Pomp und lange Reden wurde dieses Mal beim ÖVP-Wahlkampfabschluss am Donnerstagvormittag verzichtet. Ursprünglich war geplant, das Event mit einer Bühne beim Michaelerplatz zu begehen, doch das regnerische Wetter machte der Partei einen Strich durch die Rechnung. Kurzerhand wurde umdisponiert und die Bühne vor dem Wiener ÖVP-Büro aufgebaut. Mit Luftballons geschmückt, mit Funktionären in gelben Westen umstellt und mit Falcos "Vienna Calling" vom Band, wurde der Endspurt eingeläutet.

Manfred Juraczka
© APA/Herbert Pfarrhofer Manfred Juraczka war nach zehn Minuten schon wieder fertig

Auch auf Programmpunkte und lange Reden wurde verzichtet. ÖVP-Wien-Chef Juraczka, der erstmals als Spitzenkandidat in eine Wahl geht, schaffte es, in rund fünf Minuten seine Botschaften unters Volks zu bringen. "Machen wir uns nichts vor, wir sind in diesem Wahlkampf durchaus durch einige Gewitterfronten geflogen", stellte er eingangs fest. Es sei nicht so einfach gewesen, beim Thema Flüchtlinge den Menschen den Verstand ans Herz zu legen. Man musste gegen Illoyalität und den "Verrat an den eigenen Werten" kämpfen, erinnerte er - ohne die Sache explizit beim Namen zu nennen - an den Übertritt von City-Bezirkschefin Ursula Stenzel zur FPÖ. Und man habe miterleben müssen, "was es heißt, in einer Stadt zu leben, wo eine linke Medienmaschinerie kaum ein gutes Haar an bürgerlichen Werten lässt", ließ er die vergangenen Wochen Revue passieren.

Angriffe auf die Konkurrenz

Auch die politische Konkurrenz wurde mit Worten bedacht: SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl werde am Sonntag für fünf Jahre Rot-Grün und "die fehlende Leadership" durch SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann "seine Abreibung kriegen". FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hingegen werde von den "diffusen Ängsten in dieser Stadt" profitieren. Aber es gebe keine einzige Umfrage, die wirklich zeige, dass mit einem Bürgermeister Strache zu rechnen sei, relativierte er: "Er spricht durchaus oft richtige Probleme an. Sein großes Problem ist nur, was die Antworten betrifft. Da bleibt er alle Erwartungen schuldig."

Und für das Politikverständnis der Grünen gab es kein Verständnis von Juraczka: "Ist es nicht wirklich verrückt, wenn wir bei 150.000 Arbeitslosen in dieser Stadt keine anderen Sorgen haben, als darüber zu streiten, wie die Radwege angestrichen werden?"

Abschließend feuerte der Parteichef seine Funktionäre an, bis zur Landtags- und Gemeinderatswahl am Sonntag noch einmal ordentlich für die Volkspartei zu werben: Es blieben noch drei Tage, um den Wienern zu erklären, wofür die ÖVP stehe. Außerdem soll im Endspurt Platz drei gegen die Grünen gesichert werden. Denn wenn es nach Juraczka geht, soll am 12. Oktober, am Tag nach der Wahl, der im Wahlkampf vielbeworbene "Kurswechsel" eingeläutet werden. Weg von Rot-Grün, um Wien neu zu regieren: "Effizient, professionell und transparent." Worte, die von den ÖVP-Mitglieder und -Mandataren und einigen neugierigen Passanten goutiert wurden. Unter die Zuhörer hatten sich auch Kollegen aus der Bundespolitik gemischt: Familienministerin Sophie Karmasin und Staatssekretär Harald Mahrer.

Kommentare

christian95 melden

Die Grünen verhalten sich mit nicht einmal 15% der Stimmen so als ob sie 80% erhalten hätten.
Schockierend wie einer Dame eine so hochbezahlte Funktion in den Kopf steigen kann und sie dabei so überheblich wird.

Zwiegespraech
Zwiegespraech melden

Gratuliere H. C. Strache zum Erdrutschsieg! Er ist und bleibt der beste Facebook Bürgermeister!!! Bravo!!!

Seite 1 von 1