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Wien-Wahl: Das Video-
Rennen um das Rathaus

Eine Werkschau der außergewöhnlichsten Wahlkampf-Clips der Parteien

Wiener Rathaus © Bild: istockphoto.com

Videos sind mittlerweile bei allen Parteien Teil des Standard-Instrumentariums der Wahlwerbung. Auch im Vorfeld der kommenden Landtagswahl in Wien wurden bereits mehrere Stunden an Bewegtbild produziert. Und wenn diesmal auch (noch) die ganz großen Peinlichkeiten vergangener Wahlkämpfe fehlen, gibt es in den Youtube-Kanälen der Parteien doch bereits die eine oder andere Perle zu entdecken. Eine - naturgemäß subjektive - Werkschau.

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Beginnen wir traditionell mit dem Amtsinhaber. Wer den Youtube-Kanal der SPÖ aufsucht, wird von einem emotionalen Video begrüßt, in dem Wähler auf einem quer durch die Stadt geschossenen Fußball Bedürfnisse wie "Toleranz" oder "Jobs" notieren. Am Ende wird der Ball der Wünsche von Bürgermeister Michael Häupl aufgenommen. So weit, so schmalzig.

Insgesamt setzt die Wiener SPÖ aber auf ein breites Video-Angebot. Von Interviews mit prominenten Vertretern des Häupl'schen Unterstützungskomitees über Schicksalsgeschichten verschiedener Menschen in der Stadt reicht das Angebot bis hin zu Clips, die den Spitzenkandidaten in den Mittelpunkt rücken - wie etwa diesem skurrilen Stück, in dem er 45 Sekunden lang einfach nur seinen eigenen Wahlkampffolder liest und dazwischen Krawatten anprobiert.

Ein weiteres Highlight des roten Bewegtbild-Wahlkampfs ist der Kanal "Politik mit G'spür", in dem Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler einerseits einen Blick hinter die Kulissen des Wahlkampfs gewährt, andererseits aber auch schon einmal unter dem fetzigen Titel "Was sagen die Jungen, oida?" Jungwähler befragt.

Ziemlich unspektakulär präsentiert sich der Video-Wahlkampf der FPÖ. Die Freiheitlichen unterhalten bereits seit drei Jahren unter dem Namen "FPÖ-TV" ein regelmäßiges Youtube-Propaganda-Magazin, das sich zu Wahlkampfzeiten natürlich auch intensiv mit selbigem beschäftigt. Abgesehen davon gibt es aktuell aber nur eine Besonderheit: Vor zwei Wochen erschien ein Clip, in dem Heinz-Christian Strache zur Abwechslung einmal nicht als Wutbürger, sondern betont präsidial inszeniert wurde und eine "Grundsatzerklärung zum Asylnotstand" abgab. Was das Schachbrett und der Rosenstrauß mit Flüchtlingen und dem Umgang mit ihnen zu tun haben, blieb unglücklicherweise ein freiheitliches Geheimnis. Wien-Wahl-spezifisch herrscht auf dem Kanal abseits des obligatorischen Musik-Beitrags des Spitzenkandidaten aber gähnende Leere.

Ein wenig mehr ins Zeug legt sich da schon die ÖVP. Auf dem Youtube-Kanal der Wiener Volkspartei wird der Besucher gleich einmal von einem durch die Stadt marschierenden Spitzenkandidaten Manfred Juraczka begrüßt, der die zentralen Wahlkampf-Forderungen präsentiert. Solides Handwerk - genauso wie etwa die Vorstellung der Kandidaten für die Gemeinderatswahl. Es gibt aber auch speziellere Inhalte, wie zum Beispiel den Bericht über eine Diskussion zwischen Parteichef Juraczka und dem Münchner Vizebürgermeister, in dem jedoch sinnigerweise kein gesprochenes Wort zu hören ist. Stattdessen werden zu fetzigen House-Beats hauptsächlich hübsche Stadtbilder und gut gelaunte Funktionäre gezeigt, die am Dach der Urania Bier trinken und Brötchen essen.

Ebenfalls sehenswert ist ein zweiteiliges "Roadmovie", in dem eines der Hauptthemen des ÖVP-Wahlkampfs aktionistisch dargestellt wird: Die nach VP-Ansicht verfehlte Verkehrspolitik der aktuellen Stadtregierung am Beispiel der Mariahilfer Straße.

Die Grünen präsentieren auf ihrem Kanal einerseits recht nüchterne Videos, die die Unterschiede der Partei zu den Mitbewerbern darstellen - und andererseits etwas abseitigere Clips, in denen der Unterschied zwischen einem Miethai und einem Tier thematisiert wird oder Breakdancer auf Defizite im Bildungssystem aufmerksam machen sollen. Der Zusammenhang erschließt sich nicht zwingend.

Das wahre Highlight des Grünen Videowahlkampfs ist aber mit Sicherheit Christoph Chorherr, der zwei sinnentleerte Minuten lang fröhlich mit einem kleinen Mädchen in seinem Lastenfahrrad durch Wien kurvt. Alles wird gut.

Die Neos stellen auf Youtube wiederum überwiegend ihre TV-Spots und die Parlaments-Reden ihrer Abgeordneten online, entsprechend unaufgeregt ist der Kanal auch. Einziger Lichtblick im Rennen um Aufmerksamkeit ist ein zweieinhalbminütiger Clip von Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger, in dem sie sich gegen vermeintliche Lügen der Grünen wehrt, das aber irritierenderweise oftmals verhaspelnd und mit einer Unmenge bemalter A4-Zettel bewaffnet.

Harmlos witzig ist schließlich eine Reihe von Spots, in denen Kabarettist Alexander Scheurer im Auftrag der Stadt im Stil der ORF-Comedy-Serie "Echt fett" dazu aufruft, am 11. Oktober seine Stimme abzugeben und nicht andere für sich wählen zu lassen. Eine Botschaft, der man sich unabhängig von der Parteipräferenz dann auch vollinhaltlich anschließen kann.

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