Wien-Wahl von

Was die Parteien im
Bildungs-Bereich wollen

Gesamtschule? Gymnasium? Mittlere Reife? Wir haben die Positionen gesammelt.

Ein Bub lehnt den Kopf an die Schultafel © Bild: iStockphoto.com

Es ist schwierig dieser Tage: Aufgrund des völligen Fehlens anderer Themen in der öffentlichen Debatte könnte man glauben, das Ergebnis der Wiener Landtagswahl am 11. Oktober würde bestimmen, wie Österreich künftig mit Flüchtlingen umgeht. Doch eigentlich hat der Wahlausgang darauf keine direkten Auswirkungen. Andere Politikbereiche werden viel unmittelbarer davon beeinflusst, wer im Rathaus das Sagen hat - wie etwa die Bildung. Wir haben uns angesehen, welche Pläne die Parteien für unsere Kinder haben.

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„Kein Kind darf zurückbleiben“, fordert etwa die SPÖ. Verhindert werden soll das unter anderem durch den Ausbau der Frühförderung mit Hilfe von 50 bis 70 zusätzlichen Kindergartengruppen pro Jahr und zusätzlicher Sprachförderung bereits ab dem vierten Lebensjahr. Am Ende seiner Schullaufbahn soll jedes Wiener Kind mindestens zwei Sprachen sprechen. Kindergärtner sollen außerdem künftig eine akademische Ausbildung erhalten. Im Pflichtschulbereich soll der eingeschlagene Weg der Ganztagsbetreuung weiter forciert werden. In bester sozialdemokratischer Tradition wird auch gefordert, dass es keine Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen geben darf.

Der Grüne Regierungspartner hat sich die Bildung als einen der Schwerpunkte auf die Wahl-Fahnen geschrieben, dementsprechend umfangreich ist der dazugehörige Forderungskatalog. Auch hier liegt der erste Schwerpunkt im Bereich der Elementarpädagogik, so soll etwa jedem Kind ab dem zweiten Lebensjahr ein Kindergartenplatz garantiert werden. Für unter Dreijährige soll der Betreuungsschlüssel von derzeit 1:7 auf 1:4 gesenkt werden, zweisprachige Frühforderung für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache ist ebenfalls Teil des Grünen Konzepts.

Grüne Schule: Gemeinsam, aber nicht zwingend ganztägig

Darauf aufbauend setzen die Grünen auf eine gemeinsame Schule für alle bis 14, Ganztagsbetreuung soll ein Angebot, aber keine Pflicht sein. „Brennpunktschulen“ mit einem besonders hohen Anteil an sozial benachteiligten Kindern sollen mehr Mittel erhalten. Insgesamt wollen die Grünen 1.000 zusätzliche Pflichtschullehrer, einen Sozialarbeiter pro Schule und zusätzliches Hilfspersonal von Psychologen bis Sporttrainern. Die Schulen sollen auch autonomer werden, und zwar sowohl in pädagogischer, als auch in personeller und finanzieller Hinsicht. Der Stadtschulrat soll zu einem „Dienstleistungszentrum“ reformiert, Direktoren auf Basis unabhängiger Bewertungen bestellt werden. Nach Schulschluss sollen Kindergärten und Schulen zu Bildungszentren im Grätzel werden, in denen kostenlose Beratungen und Kurse für Eltern stattfinden.

Grünes Plakat
© APA/Hans Klaus Techt Die Grünen fordern mehr Mittel für die Bildung

Schließlich wollen die Grünen auch noch die Lehre durch die Schaffung eines „Wiener Lehrlingsfonds“ stärken, der ausreichende überbetriebliche Ausbildungsstellen schaffen soll. Auch die Lehre mit Matura soll ausgebaut werden.

Das Bildungskonzept der FPÖ ist im Vergleich dazu deutlich übersichtlicher. Schwerpunkt der freiheitlichen Bildungsutopie ist der deutsche Spracherwerb, der durch eigene Klassen vor der Einschulung sowie Deutsch als verpflichtende Pausensprache sichergestellt werden soll. Darüber hinaus wird der Erhalt des Systems aus Hauptschulen und Gymnasien gefordert und die Zentralmatura soll wieder individuellen Abschlussprüfungen weichen. Schließlich soll der Stadtschulrat verschlankt und die Lehre durch damit einhergehende Matura aufgewertet werden.

ÖVP setzt aufs Gymnasium

Kernpunkt des Bildungsprogramms der ÖVP ist es, das Gymnasium nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen: „Alle AHS-reifen Kinder sollen die Chance auf einen AHS-Platz haben.“ Parallel soll die Neue Mittelschule durch ein Kurssystem in den Hauptfächern und ein verstärktes Supportsystem zur Wiener Mittelschule weiterentwickelt werden. Ansonsten teilt sich die Volkspartei einige zentrale Forderungen mit den Grünen: Verstärkte Förderungen für Brennpunktschulen, Direktoren-Bestellungen nach Qualifikation anstatt nach Parteibuch und „echte“ Autonomie für die Schulen. Leistungstests an jedem Schulstandort sollen zu mehr Transparenz und Wettbewerb führen.

ÖVP-Plakate
© APA/Helmut Fohringer Die ÖVP kämpft ums Gymnasium

Für die Neos wird die „Basis für einen erfolgreichen Bildungsweg bereits vor der Schule gelegt“, folglich setzt die Partei auch bereits in der Elementarpädagogik an. Kindergärtner sollen künftig eine akademische Ausbildung erhalten, der Betreuungsschlüssel verbessert werden: Bei den Ein- bis Dreijährigen soll künftig ein Pädagoge auf maximal drei Kinder kommen.

Im Pflichtschulbereich setzen die Neos auf die Vielfalt des Angebots, am Ende des neunten Schuljahres soll aber an allen Schultypen die mittlere Reife als gemeinsamer Abschluss stehen. Um die Schul-Vielfalt zu erhalten bzw. noch auszubauen, sollen die Schulen pädagogisch, personell und finanziell weitestgehende Autonomie erhalten. Der Stadtschulrat wird abgeschafft und durch eine „Bildungsserviceagentur“ ersetzt, die für einheitliche Standards sorgen soll. Sofern sich Privatschulen allgemeinen Ziel- und Qualitätsvorgaben unterwerfen, werden sie den öffentlichen in der Finanzierung gleichgestellt, wodurch es zu einer besseren sozialen Durchmischung kommen soll. Wie die Grünen und die Volkspartei fordern auch die Neos die besondere Förderung von Brennpunktschulen. Schließlich sollen zusätzliche Lehrer, Sozialarbeiter und Verwaltungsassistenten angestellt und der Unterricht ab der vierten Klasse Volksschule durch einen Laptop für jedes Kind digitalisiert werden.

Die Kleinen

Wien anders setzt ebenfalls bei den Kleinsten an und fordert das Recht auf einen kostenlosen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr. Im Pflichtschulbereich wird eine Gesamtschule mit einer Klassenhöchstgröße von 18 Schülern forciert, außerdem sollen die Förderungen für reform- und alternativpädagogische Projekte erhöht werden. Im Bereich der privaten Bildungsträger wird ein Ende der Bevorzugung konfessioneller Kindergärten und Schulen gegenüber Einrichtungen in freier Trägerschaft gefordert.

Die Liste „Wir wollen Wahlfreiheit“ setzt ihren Schwerpunkt wie die Freiheitlichen im Bereich des Spracherwerbs. Alle Parteien sollen an einem Strang ziehen und Deutsch als „Grundvoraussetzung für ein solides Fundament in der Arbeitswelt“ anerkennen. Schließlich würden in der Sprache aber nicht nur Geschäfte abgewickelt, sondern auch „Kultur und Werte vermittelt“.

Die Liste „Gemeinsam für Wien“ fordert schließlich mehr Kindergartenplätze und einen gestärkten Dialog mit den Eltern. Bildungsbenachteiligungen sollen ausgeglichen, Potentiale aller Schüler gefördert und die Anzahl der Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache gesenkt werden. Dadurch sollen alle Schüler ihre „Schul-, Lehr- und Studienabschlüsse, vor allem auch die Matura“, erreichen.

Kommentare

Die Wahrheit sieht eher traurig aus. Eltern kommen nicht zu Elternsprechtagen weil viele zwangsweise verhindert sind. Zusätzlich wird es immer schwieriger zu lehren, weil die Kinder aus unterschiedlichen wirtschaftlich starken Familien kommen. Von der Sprachbarriere sprechen wir gar nicht.

giuseppeverdi melden

Warum herrscht in Wien ein Lehrermangel der anderen Art. Ganz einfach: Soviel Lehrer kannst du in keine Klasse stellen, dass alle Schüler, die da drinnen sitzen, die Sprache verstehen und dem Unterricht folgen können. Und wer bleibt auf der Strecke dabei? Natürlich unsere Kinder, weil im Unterricht nichts weiter geht, weil man Rücksicht auf die Ausländer nehmen muss. Daher geben auch so viele...

giuseppeverdi melden

...Politiker ihre Kinder in Privatschulen, geben das aber nicht zu. Da wird dann die Chance auf eine bessere Schulbildung im Volk gleich in der Grundschule zum erliegen gebracht. Und Karrieregeile Lehrer reden im Fernsehen, wenn sie befragt werden, von einem tollen Modell der Integration. Sie bekommen dafür eine Direktorenstelle und machen Karriere auf dem Rücken und der Zukunft unserer Kinder.

giuseppeverdi melden

Kritische Lehrer - sofern es die überhaupt noch gibt - werden unter Disziplinarandrohung zum Schweigen gebracht. Das ist das verfilzte Parteiensystem in Österreich und zwar nicht nur unter Rot/Schwarz, sondern auch unter Blau. Und ab und zu wird auch einer unter vielen von einer anderen Partei etwas, damit man sagen kann, man würde ohnehin bei den Besetzungen gerecht vorgehen!

christian95 melden

Die Blauen trifft keine Schuld über die Zustände an den Wiener Schulen.

giuseppeverdi melden

Lieber christian95: Ich weiß dass Sie ein Erzblauer sind. Das ist mir aber egal. Aber ich lebe in Kärnten und ich sage Ihnen, dass es die Blauen, später Orangen da - was Postenbesetzungen im öffentlichen Dienst anbelangte alos auchg bei den Lehrern - so schlimm getrieben haben, wie ich es in der 2.Republik noch nie merlebt habe. Ich bin Wechselwähler also sind mir die Blauen gleich egal wie.....

giuseppeverdi melden

... alle anderen auch. Aber zu sagen, die Blauen trifft keine Schuld kann ich nur als "verbohrt" ablehnen und zeugt nicht von politischen Weitblick Ihrerseits!

neusiedlersee melden

die obige Information für sehr glaubwürdig. Wen kann man jetzt noch wählen? Ich will mir eine Kanditatur nicht antun. Vielleicht wählen wir den Karli Habsburg. Der hat einen seligen Opa und einen sehr g'scheiten Vater gehabt. Vielleicht rettet der Österreich. Mind. 20 Generationen Regierunserfahrung kommen dazu. Wenn ihm der Orban noch die ungar. Krone anbietet. Wär das nix?

Roy2010
Roy2010 melden

Gar keine Zukunft!

neusiedlersee melden

Die Zukunft haaben wir schon hinter uns.

giuseppeverdi melden

Wir haben auf Grund der Politik von Rot und schwarz keine Zukunft mehr!

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