Fakten von

Fünf skurrile Fakten zur Wien-Wahl

Tingeltangel, Alkoholverbot und die Frage: Wer regierte wirklich am längsten?

Wahlurne © Bild: APA/Hans Punz

Am Sonntag wählt bekanntlich Wien. Wer zur Wahl steht, wie man richtig wählt oder wie man eine richtige Wahlparty feiert, haben wir an dieser Stelle schon erklärt. Darüber hinaus gibt es aber auch noch Dinge zu wissen, die für die Wahlentscheidung vielleicht nicht von essentieller Bedeutung sind, dafür aber zumindest unterhalten. Fünf davon haben wir gesammelt.

THEMEN:

Was ist ein Tingeltangel?

Wiens erster Bezirk hat zwar die wenigsten Einwohner aller Stadtteile, doch die Wahl in der prestigeträchtigen City erhält trotzdem weit mehr mediale Aufmerksamkeit als die der anderen Bezirke. Heuer fallen vor allem die Wahlplakate der Protestliste “Wir im Ersten” auf. In einem stellt sie sich „Gegen die Flut an Tingeltangel im Bezirk!“. Aber was ist überhaupt ein Tingeltangel? Tingeltangel ist den meisten wohl als Bart Simpsons mörderischer Gegenspieler Tingeltangel-Bob bekannt. In Wien ist außerdem noch das Techno-Kollektiv Tingel Tangel ein Begriff. Gemeint ist in diesem Fall aber der kaum mehr gebräuchliche Ausdruck Tingeltangel, der eine abwertende Bezeichnung für ein billiges Tanzlokal, eine Kleinkunst-Darbietung oder ein Varieté meint. Gebräuchlich ist das Wort kaum mehr, die APA hat es beispielsweise seit 1986 gerade einmal 21 Mal verwendet.

Muss man seine Stimme nüchtern abgeben?

Dass hierzulande am Sonntag der Demokratie genüge getan wird, hat zur Folge, dass der eine oder andere möglicherweise schon einmal alkoholisiert im Wahllokal landet. Aber egal, ob die Nacht nie zu Ende gegangen ist oder der Frühschoppen gerufen hat, gewählt werden darf trotzdem. Denn während der Ausschank von alkoholischen Getränken am Wahltag bis 1979 verboten war, gibt es heutzutage diesbezüglich keine Einschränkungen mehr, solange man es alleine in die Wahlkabine schafft. Wir empfehlen übrigens trotzdem, nüchtern zu wählen.

Was gibt es zu verteilen?

Nach der Wien-Wahl werden auch zahlreiche Politposten neu vergeben. So werden nicht nur 23 Bezirksvorsteher (Gehalt 10.042 Euro), sondern auch 46 Stellvertreter (Gehalt 4291 Euro) gewählt. Falls die FPÖ mehr als ein Drittel der Mandate erreicht, kann sie auch ohne Regierungsbeteiligung einen Vizebürgermeister (Gehalt 9441 Euro) stellen. Nicht an der Regierung beteiligte Parteien haben, sofern sie ausreichend Stimmen erhalten, Anspruch auf einen nicht amtsführenden Stadtrat ohne eigenes Aufgabengebiet (Gehalt 8583 Euro). Der zweitstärksten Fraktion steht außerdem ein Vizepräsident des Landesschulrates (Gehalt 5100 Euro) zu. In fast allen Parteien wird es zumindest ein paar Wahlgewinner geben.

Bekommt man einen Ersatz-Stimmzettel?

Im Eifer des demokratischen Gefechts kann man das Kreuz schon einmal an der falschen Stelle machen oder die Vorzugsstimme im falschen Feld eintragen. Ein solcher „Ver-Wähler“ ist aber kein Beinbruch, bei der Wahlkommission gibt es Stimmzettel zur Genüge. Im Fall des Falles einfach bei den netten Damen und Herren vorstellig werden, neuen Zettel holen und der zweiten Runde steht nichts mehr im Wege.

Ist Michael Häupl Wiens längstdienender Bürgermeister?

Nicht ganz. Michael Häupl ist seit 1994, also seit 21 Jahren, Bürgermeister. Unter den 227 Oberhäuptern seit 1282 ist das immerhin Platz zwei. Doch es gab eben einen, der länger regierte: Josef Georg Hörl saß von 1773 bis 1804, also ganze 31 (!) Jahre lang im Rathaus. Er strebe nicht an, diesen Rekord zu brechen, erklärte Häupl einmal. Eingesetzt wurde Hörl von Kaiserin Maria Theresia, er diente aber im Laufe der Zeit unter gleich sechs Monarchen. In seiner Amtszeit wurde 1784 das Allgemeine Krankenhaus eröffnet und die Stadt erstmals gepflastert. Wenn gelegentlich von Häupl als längstdienendem Bürgermeister die Rede ist, ist wohl nur die Zweite Republik gemeint.

Kommentare