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Das traurige Leben des Prater-Ponys

Im "1. Wiener Ponny Caroussel" laufen die Pferde bei Rekordhitze im Kreis

Ponys im Prater ziehen Gäste im Karussell. © Bild: Matt Observe

Das Pony weiß nicht viel vom Leben, doch in seiner Welt kennt es sich aus. Sie dreht sich immerzu, und das Pony dreht sich in ihr mit. Seine Welt ist das "1. Wiener Ponny Caroussel", das sich im Prater neben dem Schweizerhaus befindet. Aus ihr gibt es kein Entrinnen.

Das Pony weiß, welches Pferd stets vor ihm geht und welches gleich daneben. Und wenn es im Karussell von Menschen mit roten T-Shirts eingespannt wird, weiß es auch, was gleich passiert. Es wird enge Kreise ziehen, immer wieder - sechs Stunden lang und rund 250 Mal.

Ungewöhnlich ist an diesem Tag nur eines: die drückende Hitze.

34 Grad zeigt das Thermometer, als ein News-Team am Sonntag, 20. Juli, den Arbeitstag des Ponys beobachtet und dokumentiert. Das Fazit: Sechs Stunden lang bekommt es kein Wasser. Es wird nicht ausgetauscht, die Laufrichtung nie geändert.

Monotonie und Lärm

Ein paar Schritte trabt das Pony an, dann ertönt blechern aus der Orgel der Radetzkymarsch. Nebenan hupen Kinder, die mit Autos über die Kinderautobahn brettern.

Die Lärmbelästigung ist einer der Kritikpunkte von Tierschützern am "Ponny Caroussel", dazu kommen Monotonie und einseitige Belastung der Gelenke. Der Wiener und der Österreichische Tierschutzverein kämpfen seit langem erfolglos gegen den nostalgischen Betrieb aus dem 19. Jahrhundert. Das Veterinäramt der Stadt Wien, die MA 60, stellt dem Familienunternehmen Jahr für Jahr eine Bewilligung aus auf Grundlage von Tierschutzgesetz, Tierhaltungsverordnung und "nach penibler Prüfung", wie es in einem Schreiben von Abteilungsleiter Walter Reisp an den Tierschutzverband heißt. Für News war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Tierarzt Hans Christ, der das Karussell mehrmals im Auftrag des Tierschutzvereins begutachtet hat, ahnt, wie es zu einer positiven Beurteilung kommen kann: Weil das Tierschutzgesetz schwammig sei, die Psyche der Tiere eine untergeordnete Rolle spiele. "Nach über 25 Jahren Berufserfahrung kann ich aber deutlich sehen, dass die Tiere durch die fürchterliche Monotonie der Arbeit abgestumpft sind", sagt Christ. Und weiter: "Wenn sie bei der Hitze nichts zu trinken bekommen, ist das eine absolute Schweinerei!"

Die Galeeren-Sklaven

Eine Karussell-Fahrt dauert zwischen 1:50 Minuten und 2:10 Minuten, kostet zwei oder drei Euro, je nachdem, ob es sich um einen Platz in der Kutsche oder auf dem Rücken eines der Vierbeiner handelt. Oft wird unser Pony in den sechs Stunden von strahlenden Eltern fotografiert, manchmal wird es von den Kindern liebevoll gestreichelt.

Die Mensch-Tier-Beziehung liegt Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, besonders am Herzen: "Man tut hier auch Kindern etwas Schlimmes an", sagt sie. "Sie bekommen ein Zerrbild von Pferden vermittelt. Es ist, als ob man einen Galeerensklaven herzeigen und sagen würde: Das ist ein Beispiel eines guten Arbeiters."

Die rätselhaften Auflagen

Nicht zuletzt wegen der vielen Beschwerden - übrigens auch von Touristen - soll es für das Karussell Sonderauflagen geben. Da sich die zuständige MA 60 auch in diesem Punkt zugeknöpft zeigt, fragt News bei der Karussell-Betreiberin Isabel Groschopf nach. Sie räumt gleich mit einem Gerücht auf, nachdem die Auflagen einen Wechsel der Pferde alle drei bis vier Stunden vorsehen: "Die maximal erlaubte Arbeitszeit beträgt sechs Stunden."

Mit den News-Beobachtungen konfrontiert, sagt sie: "Wenn es sehr heiß ist, bekommen die Ponys einmal Wasser angeboten, die meisten trinken aber nichts." Jedes der Ponys habe zwei Mal die Woche frei, könne sich auf der Koppel bewegen. Vormittags werde es spazieren geführt, nach dem Einsatz im Karussell gäbe es wieder Auslauf. News konnte derlei trotz mehrerer Besuche nicht beobachten. Groschopf relativiert schnell: "Pro Pferd sind das ja auch nur etwa 15 Minuten zum Grasen."

Nach sechs Stunden hat unser Pony seine Schicht beendet. Viele Kinderaugen hat es zum Leuchten gebracht.

Die seinen aber sind völlig leer.

Kommentare

Dantine melden

Nicht einmal ein Hinweis wird hier mehr gegeben, wann eine Höchstzahl erlaubter Buchstaben erreicht wird - der Text wird einfach nicht übernommen, oder gekürzt! OHNE HINWEIS!!!

strizzi49 melden

Gebe Ihnen vollkommen Recht! Da hat wohl einer, der KEINE Ahnung vom Computer hat, wieder einmal entschieden (wie so oft)! Der Begriff "Kundenservice" ist hier ein Fremdwort!

HerrSchmidt melden

Lieber Andreas Fehlmann! Würde sich ein Computerspezialist mit meinen Fähigkeiten für diese Position eignen?!

HerrSchmidt melden

und ponys raus aus dem Prater das is eine Sauerei...gsd regnets jz. bald

7Fellow7 melden

Gibt es keine Tierschutzorga die dort mal eine Demo organisieren kann, damit die "KARUSSELL-KUNDEN" mal etwas zum "NACHDENKEN" bekommen ? Gibt es zu dieser Tierquälerei irgendwo eine Petition wo man sich beteiligen kann ?

Jedes Jahr im Sommer derselbe Artikel!!
Und jedes Mal derselbe Text - wahrscheinlich sogar buchstabengetreu derselbe!
Und jedes Mal die selben Kommentatoren, die dasselbe schreiben!
Nur sehr wenige, wie auch ich, denken darüber nach, oder wissen gar wirklich Becheid!
6 Stunden ohne Pausen und ohne Auswechslung - dazu bräuchte es keine 34°!

Jeder der eine Fahrt beim Pony Carousell kauft unterstützt diese Schweinerei, man sollte einfach nicht mehr hingehen, dann wird es früher oder später für den Betreiber schlecht aussehen mit seinem Geschäft.

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