Wien-Wahl 2015 von

Lange Schlangen vor Wahllokalen

Viele mussten warten. Beteiligung um 14 Uhr aber nur um 1,2 Prozent über 2010.

Wien-Wahl 2015 - Lange Schlangen vor Wahllokalen © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Viele Wähler berichten in sozialen Medien von langen Schlangen und Wartezeiten vor ihren Wahllokalen. Aus den offiziellen Zahlen lässt sich eine deutlich höhere Beteiligung bisher aber noch nicht ablesen: Um 14 Uhr lag sie laut Stadtwahlbehörde bei 37,84 Prozent, das sind 1,2 Prozent mehr als 2010 zur gleichen Zeit. Plus: Fünf Fakten zur Wahlbeteiligung.

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Vor vielen Wiener Wahllokalen bildeten sich bei den heutigen Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen lange Schlangen. In den sozialen Medien meldeten viele Journalisten, die selbst wählen waren, Wartezeiten zwischen 10 und 30 Minuten. In anderen Sprengeln blieb der Andrang hingegen eher im Schnitt der letzten Jahre.

Einige sprachen vom größten Andrang, den sie bisher in ihren Wahllokalen gesehen hatten:

Insgesamt lag die Wahlbeteiligung um 10 Uhr jedoch erst bei 9,57 Prozent und damit sogar ganz leicht unter jener von 2010 zur selben Zeit (9,59 Prozent), wie die Stadtwahlbehörde mitteilte. Um 14 Uhr hatte sich das bereits gedreht, jedoch auch nicht ganz so dramatisch, wie viele Bilder vermuten lassen würden: 37,84 Prozent hatten gewählt, 2010 waren es 36,62 Prozent. Bis 17 Uhr kann noch gewählt werden.

Fünf Fakten zur Wahlbeteiligung

Noch bis 2004 herrschte in Österreich teilweise Wahlpflicht . Als letzte Bundesländer hoben sie damals Tirol und Vorarlberg für Landtags- und Bundespräsidentschaftswahlen auf. Bis 1992 "musste" auch bei der Nationalratswahl noch in einigen Ländern gewählt werden (zuletzt in der Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Kärnten).

Historisch ergab die österreichische Wahlpflicht kurioserweise aus dem Frauenwahlrecht . Als 1919 bei uns eingeführt wurde, befürchteten die Christlichsozialen, dass konservativ orientierte Frauen nicht zur Wahl gehen und das Feld moderneren, eher sozialdemokratisch gesinnten Frauen überlassen würden. Daher sollten alle zur Wahl verpflichtet sein.

Die geringste Wahlbeteiligung bei einer bundesweiten Wahl gab es in Österreich bei der EU-Wahl 2014: Nur 45,4 Prozent gingen damals wählen, es gab also eine absolute Mehrheit der Nichtwähler. Beteiligungen wie diese stellen die Legitimation der gewählten Institution aus Sicht vieler bereits stark in Frage. Tendenziell gingen Wahlbeteiligungen bei uns in den letzten Jahren zurück.

Die höchste österreichweite Wahlbeteiligung gab es bei den Nationalratswahlen 1949. 95,49 Prozent der Wahlberechtigten ließen sich die erst zweite Möglichkeit zur demokratischen Mitbestimmung nach dem Zweiten Weltkrieg nicht entgehen. Möglicherweise hat aber auch die Wiedereinführung der Wahlpflicht (die 1945 noch nicht galt) eine Rolle gespielt.

In den USA liegt die Wahlbeteiligung traditionell signifikant niedriger als in Europa. Die höchste Beteiligung bei Präsidentschaftswahlen seit 1944 waren 66,6 Prozent 2008. Dabei wird sie dort sogar überaus vorteilhaft berechnet: Nur wer sich in ein Wahlverzeichnis eintragen lässt, gilt überhaupt als wahlberechtigt und wird mitgezählt. Tut man das nicht, ist man auch kein Nichtwähler.

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