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Iran will Atomverhandlungen fortsetzen

Bisher keine Annäherung. Iran will bilaterale Gespräche mit den USA fortsetzen.

Iran-Gipfel © Bild: APa/Punz

US-Außenminister John Kerry engagiert sich weiter für eine Lösung im Atomstreit mit dem Iran. Kerry traf am Montagvormittag im Wiener Palais Coburg neuerlich zu mehrstündigen Gesprächen mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif zusammen, um über die Streitpunkte zu beraten. "Wir sind am Arbeiten", sagte Kerry, als er gegen 17.00 Uhr den Tagungsort wieder verließ.

Damit verdichteten sich die Anzeichen, dass Kerry seinen Wien-Aufenthalt um bis Dienstag verlängern könnte. "Wir sind inmitten von Gesprächen über die Weiterverbreitung von Atomwaffen und wollen das iranische Programm bremsen. Und ich kann Ihnen sagen, es sind sehr schwierige Verhandlungen", zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine Aussage Kerrys gegenüber dem Team der US-Botschaft in Wien. Die Agentur berichtete unter Verweis auf ägyptische Medienberichte zudem, Kerry werde am morgigen Dienstag zu Gesprächen über die Gaza-Krise in Ägypten erwartet.

Kerry war am Sonntag nach Wien gekommen, um gemeinsam mit seinen Außenministerkollegen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine "Bestandsaufnahme" in den schleppenden Atomverhandlungen vorzunehmen und mit Zarif zu verhandeln. Am kommenden Sonntag läuft nämlich jene Frist aus, bis zu der die 5+1-Gruppe (UNO-Vetomächte und Deutschland) und der Iran ein endgültiges Abkommen im Atomstreit erzielen wollen. Es spießt sich vor allem an der Plutoniumproduktion im Schwerwasserreaktor Arak sowie an der Zahl der Zentrifugen zur Uran-Anreicherung, die dem Iran zugestanden werden sollen.

Der britische Außenminister William Hague hatte nach einer gemeinsamen Gesprächsrunde am Sonntagabend gesagt, dass es "keinen Durchbruch" gegeben habe. Sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier appellierte an den Iran, im Konflikt einzulenken. "Das ist vielleicht für lange Zeit die letzte Chancen, den Streit um das iranische Atomprogramm friedlich zu lösen", sagte Steinmeier vor seiner Abreise aus Wien.

Über den Stand der Gespräche drang am Montag nichts nach außen. Ein ranghoher US-Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP in Wien, dass es sich um "ziemlich ernste und potenziell langwierige Gespräche" handle. Auch Zarif hatte am Sonntag zum Verhandlungsauftakt "sieben schwierige und zähe Tage" in Wien vorausgesagt. Von iranischer Seite wurde zudem die Möglichkeit einer Verlängerung der Gespräche über den 20. Juni hinaus ins Spiel gebracht. Der Westen will davon bisher nichts wissen. Hague sagte, dass man sich zunächst voll auf eine Einigung bis 20. Juli konzentrieren solle. Über eine Verlängerung solle erst diskutiert werden, "wenn klar geworden ist, dass es keinen anderen Fortschritt geben kann". Österreich steht nach den Worten von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) auch für die Zeit nach dem 20. Juli als Gastgeber für Atomgespräche zur Verfügung.

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